Klimaschutz

Verbände machen Druck zur Reduktion der Tierbestände

Mehr als 60 Organisationen haben heute einen Maßnahmenkatalog zum Klimaschutz vorgelegt. Von der Landwirtschaft fordern sie eine Reduktion der Tierbestände und der Stickstoffüberschüsse. Die Bundesregierung will nächste Woche den Stand der Klimaschutzpolitik veröffentlichen.

Als zentrale Klimaschutzmaßnahmen gelten für die Landwirtschaft immer wieder die einer Reduktion der Tierbestände und der Stickstoffemissionen. (Bildquelle: Samson)

Das Bündnis aus Umwelt-, Ökolandbau- und Klimaschutzorganisationen empfiehlt auf mehr als 50 Seiten jedem Sektor, Energie, Verkehr, Landwirtschaft, Industrie und Gebäude, konkrete Maßnahmen. Für die Landwirtschaft fordern sie als erstes die Emissionen aus der Tierhaltung zu reduzieren. „Dies wird nur gelingen, wenn der inländische Konsum, aber auch der Export tierischer Lebensmittel, erheblich reduziert werden“, sagte Gerald Wehde von Bioland bei der Präsentation der Maßnahmen heute vor der Presse in Berlin.

Maximal 2 GV/ha sollen wieder gelten

Die Bundesregierung solle darlegen, wie der Tierbestand in Deutschland in den Jahren 2030 und 2050 aussehen soll, den Pfad dorthin festlegen und eine Finanzierung des Umbaus sicherstellen, heißt es im Landwirtschaftskapitel. Außerdem solle die Bundesregierung die gesetzlichen Grundlagen dafür schaffen, dass Tierhaltungsanlagen ohne entsprechende Flächen die Genehmigung verweigert und eine flächengebundene Tierhaltung von maximal zwei Großvieheinheiten pro Hektar verbindlich vorgeschrieben werden. Ziel müsse es sein, in viehintensiven Regionen keine Aufstockung von Tierbeständen mehr zu erlauben, sondern Anreize zu ihrer Reduktion zu schaffen, heißt es weiter.

N-Überschuss auf 50 kg/ha senken

Desweitern drängen die Organisationen darauf, die Stickstoffüberschüsse und Lachgasemissionen zu senken. „Ziel muss es sein, den Stickstoffüberschuss auf 50 kg N/ha bis 2030 zu reduzieren“, schreiben sie. Es sei zweifelhaft, ob mit dem neuen Düngerecht von 2017 eine deutliche Verringerung von Stickstoffeinträge erreicht werden könne. „Weitere Instrumente zur Reduktion des Stickstoffeintrages aus der Landwirtschaft sind daher unerlässlich“, schreiben die Organisationen.

Grünlandfläche auf 5 Mio. ha anheben

Den ökologischen Landbau wollen die Organisationen gezielter gefördert sehen. Mehr Mittel aus dem Bundeshaushalt fordern sie für den Ökolandbau und dessen Forschung. Außerdem plädieren sie für eine Pflanzenschutzsteuer. Der Erhalt und die Ausweitung von Dauergrünland auf klimarelevanten Standorten wollen sie ordnungsrechtlich sichern. Besonders auf feuchten und anmoorigen kohlenstoffreichen Standorten sowie überschwemmungs- gefährdeten Auen sollte eine Umwandlung von Ackerland in extensives Grünland gefördert werden. „Die Grünlandfläche sollte von derzeit 4,7 Millionen Hektar bis 2030 auf ein Zwischenziel von 5 Millionen Hektar angehoben werden“, schreiben sie als Ziel. Es müsse einen konsequenten Schutz kohlenstoffreicher Böden mit der Wiedervernässung und Renaturierung von Mooren geben. Auch solle das hohe Potenzial zur Treibhausgasspeicherung der Wälder besser genutzt werden. „Hierfür braucht es eine deutliche Steigerung der Vorräte von Holz, Totholz und Humus“, schreiben sie.

Flächenkonkurrenz bei Bioenergie beachten

Skeptisch äußern sich die Organisationen zur Bioenergie. Diese dürfe nur entlang strenger ökologischer Kriterien genutzt werden. „Die Bioenergie spielt in Deutschland eine nicht unbedeutende, aber voraussichtlich auch nicht mehr zunehmende Rolle in der Stromerzeugung“, heißt es in dem Papier. Der Sektor müsse seine Problemen der Flächenkonkurrenz und des Biodiversitätsschutzes lösen.

75 % Erneuerbare Energien

Insgesamt fordern die Organisationen Klimaschutzziele entlang der anvisierten Temperaturobergrenze von bisher „unter 2 Grad“ auf „deutlich unter 2 Grad und möglichst 1,5 Grad“ nach zu schärfen. Deutlich vor 2050 müsse die Komplettumstellung des Stromsektors auf erneuerbare Energien vollzogen sein, heißt es. Der von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag 2018 vorgesehene Ausbau der erneuerbaren Energien auf 65 Prozent Anteil am Bruttostromverbrauch bis 2030 sei noch immer ungenügend und müsse auf mindestens 75 Prozent wachsen.

Bundesregierung will nächste Woche berichten

Am 20. November 2018 will die Bundesregierung den Stand ihres Maßnahmenprogramms 2030 zum Klimaschutz vorstellen. Außerdem soll dann auch der Klimaschutzbericht 2018 veröffentlicht werden. Bis Ende dieses Jahres sollen alle Ministerien Maßnahmen vorlegen, die aufzeigen, wie diese Ziele konkret erreicht werden können. Eine Verabschiedung der Maßnahmen im Kabinett ist für Frühjahr 2019 geplant.

Das Forderungspapier „Wann –wenn nicht jetzt! Das Maßnahmenprogramm Klimaschutz 2030 der deutschen Zivilgesellschaft“ können Sie hier herunterladen.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Arbeiten auf einer 840.000-Hektar-Farm

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Da liegt der Hase im Pfeffer:

"Dies wird nur gelingen, wenn der inländische Konsum, aber auch der Export tierischer Lebensmittel, erheblich reduziert werden“, sagte Gerald Wehde von Bioland. Wer traut es sich, sich mit dem Konsumenten anzulegen? Ich habe den Bericht nicht gelesen aber vermute, der Konsument spielt nur eine Nebenrolle. Alle erhalten Forderungen, aber der wichtigste Part, derjenige, der es kauft, wird nicht ausführlich gewürdigt. Würde die Bevölkerung das machen, was sich die ganzen Verbände vorstellen (klimagerecht leben), dann bräuchte es solche Papiere gar nicht.

von Martin Schmidt

Heiße Luft!

Der ist zu gut, um nicht kopiert und dann geteilt zu werden: Ein Grüner in einem Heißluftballon hat die Orientierung verloren. Er geht tiefer und sichtet eine Frau am Boden. Er sinkt noch weiter ab und ruft: „Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich habe einem Freund versprochen, ihn vor einer Stunde zu treffen; und ich weiß nicht wo ich bin.“ Die Frau am Boden antwortet: „Sie sind in einem Heißluftballon in ungefähr 10 m Höhe über Grund. Sie befinden sich auf dem 47. Grad, 36 Minuten und 16 Sekunden nördlicher Breite und 7. Grad, 39 Minuten und 17 Sekunden östlicher Länge.“ „Sie müssen Ingenieurin sein“ sagt der Grüne. „Bin ich“, antwortet die Frau, „woher wissen Sie das?“ „Nun“, sagt der Grüne, „alles was sie mir sagten ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit Ihren Informationen anfangen soll, und Fakt ist, dass ich immer noch nicht weiß, wo ich bin. Offen gesagt, waren Sie keine große Hilfe. Sie haben höchstens meine Reise noch weiter verzögert.“ Die Frau antwortet: „Sie müssen bei den Grünen sein.“ „Ja,“ antwortet der Grüne, „aber woher wissen Sie das?“ „Nun,“ sagt die Frau, „Sie wissen weder wo Sie sind, noch wohin Sie fahren. Sie sind aufgrund einer großen Menge heißer Luft in Ihre jetzige Position gekommen. Sie haben ein Versprechen gemacht, von dem Sie keine Ahnung haben, wie Sie es einhalten können und erwarten von den Leuten unter Ihnen, dass sie Ihre Probleme lösen. Tatsache ist, dass Sie nun in der gleichen Lage sind, wie vor unserem Treffen, aber merkwürdigerweise bin ich jetzt irgendwie schuld!“

von Martin Schmidt

Heiße Luft!

Der ist zu gut, um nicht kopiert und dann geteilt zu werden: Ein Grüner in einem Heißluftballon hat die Orientierung verloren. Er geht tiefer und sichtet eine Frau am Boden. Er sinkt noch weiter ab und ruft: „Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich habe einem Freund versprochen, ihn vor einer Stunde zu treffen; und ich weiß nicht wo ich bin.“ Die Frau am Boden antwortet: „Sie sind in einem Heißluftballon in ungefähr 10 m Höhe über Grund. Sie befinden sich auf dem 47. Grad, 36 Minuten und 16 Sekunden nördlicher Breite und 7. Grad, 39 Minuten und 17 Sekunden östlicher Länge.“ „Sie müssen Ingenieurin sein“ sagt der Grüne. „Bin ich“, antwortet die Frau, „woher wissen Sie das?“ „Nun“, sagt der Grüne, „alles was sie mir sagten ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit Ihren Informationen anfangen soll, und Fakt ist, dass ich immer noch nicht weiß, wo ich bin. Offen gesagt, waren Sie keine große Hilfe. Sie haben höchstens meine Reise noch weiter verzögert.“ Die Frau antwortet: „Sie müssen bei den Grünen sein.“ „Ja,“ antwortet der Grüne, „aber woher wissen Sie das?“ „Nun,“ sagt die Frau, „Sie wissen weder wo Sie sind, noch wohin Sie fahren. Sie sind aufgrund einer großen Menge heißer Luft in Ihre jetzige Position gekommen. Sie haben ein Versprechen gemacht, von dem Sie keine Ahnung haben, wie Sie es einhalten können und erwarten von den Leuten unter Ihnen, dass sie Ihre Probleme lösen. Tatsache ist, dass Sie nun in der gleichen Lage sind, wie vor unserem Treffen, aber merkwürdigerweise bin ich jetzt irgendwie schuld!“

von C. Schmidt

Keine Lösungen, nur Forderungen!

Mehr Grünland, weniger Tierhaltung und dazu noch der Wolf der die extensive Weidetierhaltung bald unmöglich machen wird wenn er sich weiter ungehindert ausbreiten darf. Wo sind hier die Lösungen der Umwelt- und Ökoverbände?

von Gabriele Höhensteiger

Was bringen 2 GV/ha?

2 GV/ha bringen nicht weniger Nitrat, denn dann müsste man die N-Bilanz anschauen. Wegen Lach-/und Ammoniak Ausgasung müsste man sich die Stall-, Lager- & Ausbringverluste senken, was alle möglich ist. Was bringen 2 GV/ha? Nur steigende Pachtpreise

von Bernd Müller

Ideologiefrei diskutieren!!

Stickstoffüberschüsse müssen reduziert werden, keine Frage! Sie sind aber nicht unmittelbar mit der Tierhaltung in Verbindung zu bringen. Alles eine Frage der guten fachlichen Praxis in der Ausbringung. Leguminosen im Ökolandbau sorgen für unkontrollierte N-Überschüsse! Größere Ertragsschwankungen im Ökolandbau bewirken Überschüsse ebenso. Ein Kilogramm Fleisch aus der Intensivtierhaltung ist Klimafreundlicher als eines aus der Bioproduktion! Also : wir brauchen endlich ideologiefreie Diskussionen

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