Die FDP will dem EEG den Saft abdrehen

[12.09.2012]


FDP Die FDP sägt zunehmend am EEG und will dieses durch ein umstrittenes Quotenmodell ersetzen. Im Bild Philipp Rösler Die FDP will ganz offensichtlich das EEG durch ein so genanntes Quotenmodell ablösen. Die Hinweise darauf verdichten sich zunehmend. Unter anderem macht sich nun auch Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) für diese Lösung stark.

Er untermauert seine Forderung mit einem Gutachten des Landes, wonach das EEG als ineffizient eingestuft wird. Stattdessen solle der Staat festschreiben, wie viel Ökostrom künftig in den Stromnetzen fließen soll. Pro Megawattstunde Ökostrom erhalten die Stromproduzenten dafür Zertifikate, die frei handelbar sind. Entscheidend ist: Die großen Energieversorger müssen anhand der Zertifikate später nachweisen, dass sie die Quote erfüllt haben. Ob sie dazu den Ökostrom zukaufen oder selber erzeugen spielt keine Rolle. Durch diesen Handel wird der Wettbewerb angeheizt und Strom günstiger, so zumindest die Hoffnung der Befürworter des Quotenmodelles.

Kosten steigen mit dem Quotenhandel

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) zeigt sich verwundert über die wiederholten Forderungen, für den Ausbau Erneuerbarer Energien in Deutschland ein Quotenmodell anstelle des bewährten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) einzuführen. „Ausgerechnet diejenigen, die am lautesten nach mehr Markt und Wettbewerb rufen, möchten ein System etablieren, dass an Mehrkosten, staatlichen Vorgaben und bürokratischem Aufwand kaum zu übertreffen ist“, stellt BEE-Präsident Dietmar Schütz fest.

In Staaten, in denen Quotenmodelle praktiziert werden, waren sie bislang ohne Erfolg. Weil der britische Staat planwirtschaftlich die zu installierenden Mengen für Erneuerbare Energien festlegte und über Ausschreibungen versuchte, den günstigsten Anbieter zu finden, erhielt er nur Angebote von großen Unternehmen mit hohen Renditeerwartungen. Ein mittelständisch geprägter Markt mit neuen Akteuren konnte sich im britischen Stromsektor bis heute nicht entwickeln.

Untersuchungen der Beratungsgesellschaft Ernst&Young aus dem Jahr 2011 haben gezeigt, dass feste Einspeisetarife für Erneuerbare Energien in puncto Kosteneffizienz, Anwendbarkeit und Akteursvielfalt nicht nur den klassischen Quotensystemen überlegen sind, sondern auch so genannten Bonus-/Prämiensystemen.

Hinzu kommt: Da Markt- und Handelspreise für Zertifikate schwanken, bleibt die Planungssicherheit für Anlagenbetreiber gering. Kapitalgeber zögern, neue Anbieter zu unterstützen, so dass in der Regel nur kapitalstarke, etablierte Marktteilnehmer Investitionen in Anlagen Erneuerbarer Energien riskieren. Zudem verlangen Banken durch die Planungsunsicherheit wegen der instabilen Strom- und Zertifikatepreise Risikoaufschläge, die sie auf den Kilowattstundenpreis weitergeben.

Großanlagen im Vorteil

Auch führen Zertifizierung und Zwischenhändler insbesondere bei Kleinanlagen zu überproportional hohen Kostensteigerungen. Während die Anbieter der günstigsten Erzeugungsart Mitnahmegewinne erzielen und den Zertifikatemarkt dominieren, können für den Moment noch teurer produzierende Anbieter ihren Strom nicht mehr vermarkten und das Potenzial dieser Technologien bleibt ungenutzt. Der Wettbewerbs- und Innovationsdruck kommt zum Erliegen. „Letztlich wird durch die Festlegung einer festen Quote ein dynamischer, sich selbst tragender Ausbau Erneuerbarer Energien uninteressant, da sich keine Investition mehr über das Quotenziel hinweg lohnen wird“, warnt Dietmar Schütz.

Nicht nur zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, sondern auch die praktischen Erfahrungen in der Europäischen Union belegen seit mehr als einem Jahrzehnt die Wirksamkeit und Kosteneffizienz von Einspeisegesetzen wie dem EEG. „Deshalb haben sich bisher alle Bundesregierungen für den Erhalt des EEG eingesetzt und sich gegen Quotenmodelle, wie sie aktuell von der FDP und anderen Akteuren vorgeschlagen werden, ausgesprochen“, sagt Schütz. Für die Umsetzung der Energiewende braucht die Branche verlässlich kalkulierbare Rahmenbedingungen. Der Vorschlag eines Quotenmodells ist das Gegenteil und zudem rückwärtsgewandt und mittelstandsfeindlich. (-ro/bee-)

Leserkommentare

14 Kommentar(e)
  • FDP

    [13.09.2012]

    Wer braucht diese Partei? Jedenfalls nicht die, die sie gewählt haben

    von landwirt6610

  • Und was sagen

    [12.09.2012]

    die Grauen Panther dazu? Die haben glaub ich nen halbes Prozent mehr Wähler als die FDP. Offshore wird doch maßgeblich von den Stromkonzernen betrieben. Der Trassenausbau ist genau darauf zurückzuführen, nur wird so getan als ob Photovoltaik der Sündenbock ist. Da muss kein Strom sonderlich weit transportiert werden, weil überall angesiedelt. Offshore muss bis Süddeutschland, oder die Norddeutschen schrauben sich alle 200 W Glühbirnen rein. Es sind Eon und co. die für die anstehenden Strompreiserhöhungen verantwortlich sind. Aber den Bürgern wird es anders zubereitet, alles schön vertuschen... P.S. War doch klar, dass die sich nicht ihre AKWs für lau abschalten lassen- da gibts Ausgleich- Co2 unter die Erde und lukrative Offshore Anlagen.

    von yvain

  • Teil 2

    [12.09.2012]

    Jetzt ist nur wichtig den aufkommenden Zorn von den Konzernen abzulenken. Dazu geeignet wären natürlich nur alle privaten Stromerzeuger und ggf. gewisse politische Fehlentscheidungen. Das kostet dann zwar evtl. den ein oder anderen Politiker den Kopf, aber das ist ja alle paar Jahre so. Wichtig ist nur, dass die grossen Konzerne nicht im Regen stehen. Und dann erst die armen Aktionäre, die Ihr Geld mit anderer Leute Arbeit verdienen. Die müssen auch alle weiterhin reicher werden, sonst haben die nämlich keine Lust am Leben. Im übrigen eignet sich die FDP als statlich annerkannte Leiche jetzt natürlich besonders für kuriose Aktionen. Da kann man jetzt mit rumprobieren, ist eh egal. Das grenzt zwar an Leichenfledderei, aber so sind sie nunmal

    von yvain

  • Natürlich Ironie!! Selten so gelacht.

    [12.09.2012]

    Habe auch nur ironisch gegengefragt, warum bei "Solarmillardären" weniger "Neid" aufkommt als bei der RWE AG, die z.T. den Gemeinden gehört - also uns.

    von

  • @aheumer

    [12.09.2012]

    Ich bin davon ausgegangen, dass die Ironie meines Kommentars auch so rüber gekommen ist. Ernstlich würde dieser Vorschlag nie von mir kommen!!!

    von Dieter Müller

  • @ Dieter Müller

    [12.09.2012]

    Das würde die Grünen auch retten. Solarworld Aktionäre,WEA Betreiber, Ärzte und Apotheker, bekommen dann auch mehr Stimmrechte.Was soll das?/// Das EEG ist die Altersarmut von Morgen. Weg damit.

    von

  • Wie wärs denn mit einer Veränderung des Wahlrechts?

    [12.09.2012]

    Die Rettung der FDP wäre dann doch einfach. Je nach Einkommenssituation würde dann die Zahl der Stimmen festgelegt. Beispiel: Top-Manager mit 12 Millionen Euro Einkommen = 12 Millonen Stimmen. Harz 4- Empfänger = 1 Stimme.

    von Dieter Müller

  • FDP, wer ist das?

    [12.09.2012]

    Jetzt dreht sich die FDP selber den Saft ab, man könnte ja schon fast von einem Politikzombi sprechen. Eigentlich schon tot und geistert trotzdem noch herum. Maximaler Profit für die Industrie und Großkonzerne, den Mittelstand braucht ja keiner. Es lebe Amerika!

    von guiseppe.b

  • FDP

    [12.09.2012]

    Unverschämter kann man seinen kuschelkurs mit den Großkonzernen nicht mehr öffentlich darstellen.wegen meiner 0%.

    von gebken

  • [12.09.2012]

    Herr vergib dieser FDP - denn sie weiß nicht was sie tut....

    von preuße

  • FDP will EEG abschießen

    [12.09.2012]

    Die FDP will nicht nur das EEG absägen,sondern anscheinend auch sich selbst !! Klüngel pur !! Reine Interessenvertretung für große Energiekonzerne und alles was mit dranhängt !!

    von twente65

  • FDP EEG

    [12.09.2012]

    Jawoll, die FDP braucht Spendengeld für die nächste Wahl. Der Wähler

    von lürade

  • Realität

    [12.09.2012]

    Umfragewert 4% + Spendenaffaere dazu ein Quotenmodell fuer EE nach kommunistischem Vorbild...... Wer schiesst sich gerade selbst ab ?

    von jschulzep

  • Jawoll,

    [12.09.2012]

    erst Mövenpicksteuer jetzt Stromquote. Offshorestrom ist doppelt so teuer wie Onshorestrom was denken die se Politiker was dabei raus kommt. Vorteile gibt es nur bei den großen Stromkonzernen weil diese Ihre Planungssicherheit selber schaffen können. MFG E. Bruns

    von bauerbruns

Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!