Alte LPG-Betriebe wieder international begehrt

Rinder Die LPG-Nachfolgebetriebe in Ostdeutschland wecken aktuell wieder die Begierde bei Investoren und Landwirten aus Westdeutschland und dem europäischen Ausland. Wie die Schweriner Volkszeitung berichtet liegt das daran, dass sich viele Gesellschafter und Geschäftsführer der Ost-Betriebe dem Rentenalter nähern und nicht immer direkt einen Nachfolger finden. Letzter Ausweg ist der Verkauf.
 
Hierbei besteht aber die Gefahr, dass die neuen Investoren vornehmlich an Gewinnen interessiert sind, mit Folgen für den Betrieb und den Arbeitsmarkt, wie Harald Elgeti (61), Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Ludwigslust, in der Zeitung berichtet. „Wegen der sandigen Böden spielt vor allem die Viehwirtschaft eine große Rolle. Daher beschäftigt jeder Betrieb pro 100 ha Land annähernd zwei Arbeitskräfte.“

Seiner Erfahrung nach gehen aber gerade bei neuerlichen Betriebsübernahmen häufig Arbeitsplätze verloren. Ohnehin stelle der Investor nach dem Kauf meistens schnell fest, dass es sich nicht lohne. „Auch wenn die Landwirte heute zwischen 32 und 35 Cent pro Liter Milch erzielen, die Kosten können sie damit nur knapp decken“, begründet Elgeti diesen Trend. Wird die Milchproduktion eingestellt, konzentrieren sich die Betriebe dann auf den Ackerbau, lassen auf dem Grünland nur noch Mutterkühe für die Kälberzucht laufen.
 
"Insgesamt wird die Tierproduktion schwächer, dadurch verlieren wir Jobs", sagt Elgeti, der die Milchwirtschaft auch durch die Konzentration der Molkereien bedroht sieht. In den vergangenen Jahren gab es einen starken Rückgang an Molkereien, heute sind es nur noch vier Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern. Für Elgeti ist das keine positive Entwicklung: "Mit der Konzentration steigt auch die Macht - und zwar nicht nur gegenüber dem Einzelhandel, sondern auch gegenüber den Erzeugern."

Mächtig zu schaffen macht den Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern auch der deutliche Anstieg der Bodenpreise, schreibt die Schweriner Volkszeitung weiter. Mit durchschnittlich fast 15 000 Euro pro Hektar hat die Bodenverwertungs- und verwaltungsgesellschaft (BVVG) im Vorjahr den höchsten Kaufpreis seit der Bodenprivatisierung in Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Gegenüber 2010 war dies ein Anstieg von 23 %. Käufer sind im Westteil des Landes nicht selten Landwirte aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Elgeti sieht den Preisanstieg, der auch erhöhte Pachten mit sich zieht, mit Sorge. "Das verteuert die Produktion". (ad)

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von helmut_ehrlicher · 1.
    Elgeti und Billau for President

    Herr Elgeti, vielen Dank dass Sie, wie auch Herr Billau, als lobenswerte Ausnahmen im BV die Wahrheit öffentlich aussprechen. Wie schon oft geschrieben: Das Problem des DBV sind die völlig abgehobenen Spitzenfunktionäre mit ihren vielen Posten und Vorteilsnahmen in der Wirtschaft. Der Vollständigkeit halber hier das Originalzitat von www.nnn.de : „Doch der Verkauf von Großbetrieben wirkt sich oft negativ auf den Arbeitsmarkt aus, denn ein Investor betrachtet die Viehwirtschaft oft rein wirtschaftlich und stellt nach dem Kauf schnell fest: Es lohnt sich nicht. Grund: Auch wenn die Landwirte heute zwischen 32 und 35 Cent pro Liter Milch erzielen, die Kosten können sie damit nur knapp decken.

  2. von Dieter Müller · 2.
    Harald Elgeti und Adalbert Kienle haben Recht!!

    Herr Elgeti sagt zurecht, dass das es keine positive Entwicklung ist, wenn sich der Konzentrationsprozess bei den Milchverarbeitern fortsetzt. Gegenüber dem Handel haben wir im Herbst wieder erlebt, dass die gute Marktlage mit sinkenden Abschlüssen verbockt wurde. Zerstört wird aber der Markt vor den Molkereien. Erzeuger die nicht mehr wechseln können (siehe Dänemark/Arla) werden entmachtet. Auch der ehemalige stellvertretende DBV-Bundesgeschäftsführer Adalbert Kienle hat die falsche Weichenstellung des Bauernverbandes, in er Milchpolitik, kritisiert. Der Hauptverantwortliche dafür ist logischerweise Gerd Sonnleitner. Seine Tage sind gezählt. Eine neue Führung hat die Chance wieder die Bauern politisch in den Mittelpunkt zu rücken.

  3. von elinge · 3.
    2Ak je ha und das in Ostde???

    Nun welche Ak sind hier den Flächen zugerechnet? Vielleicht möglich bei 3GV je ha.Da sind aber in alt De eher mehr Arbeitskräfte erforderlich. Im übrigen wenn die Betriebe für 4500€ je ha die Bodenkaufwerte sind in den Sandbüchsen wenn überhaupt erst letzten Jahres so hoch.(Vor fünf Jahren höchsténs 1-2500€) Zu den Milchwerken:Wenn man DMK Größe oder gar Arlagröße als Durchschnitt nimt sind unsere Molkereibetriebe ja alle hoffnungslos zu Klein!!! Im übrigen: Wenn;s sich nicht lohnt im "GROSSEN" zu produzieren wieso wird uns "DAS" dann von allen als der prognostisierende Ausweg Vorgeschlagen???

  4. von Hardthof · 4.
    Gefährliche Entwicklung

    Herr Elgeti als Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes hat den Durchblick, der den Verbandsbossen fehlt. In der oberen Etage des Bauernverbandes wird alles getan, um solchen Investoren das Feld zu bereiten, die Molkereien weiter auszudünnen, den Bauern die Marktteilnahme zu verhindern. Deutschland braucht dringend neue Funktionäre. Die Folgards und Sonnleitners haben diese Fehlentwicklung zu verantworten.

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