[20.09.2012]
Bärbel Höhn, stellvertretende Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion
Bundesagrarministerin Ilse Aigner hat gestern ihre Pläne für eine Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes in der Tierhaltung vorgestellt. Unter anderem soll es ab 2013 eine Datenbank der Länder geben, die den Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung erfasst und kontrolliert.
Für die Grünen sind diese Vorschläge allerdings „völlig unzureichend“. "Mit den vorgestellten Maßnahmen wird sich an den horrenden Antibiotikamengen, die in der Tiermedizin eingesetzt werden, in den nächsten Jahren gar nichts ändern", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn der WELT. Dabei nehme die Resistenzbildung bei den Menschen durch den massiven Einsatz stark zu, betonte Höhn.
Was Aigner als Reduktionsstrategie verkaufen wolle, sei nichts anderes als eine Zementierung des Status Quo, zitiert die WELT weiter. "Allein die Landwirte, die wiederholt weit über den Durchschnittsmengen liegen, müssen Maßnahmen zur Minderung ihres Antibiotikaverbrauchs ergreifen", kritisierte Höhn. "Dass der heutige Durchschnitt alles andere als verträglich ist, wird gar nicht in Erwägung gezogen." Aigner sei vor den "Hühnerbaronen" und der Fleischlobby eingeknickt.
Das sieht auch die Fraktionsvorsitzende Renate Künast so. Ihrer Meinung nach bleiben schwere Fehler im System. "Es wird nach wie vor nicht das individuelle Tier behandelt, sondern es darf weiterhin der ganze Bestand behandelt werden", sagte sie gegenüber der Presse. Zudem gebe es keine konkreten Vorgaben, wie stark der Einsatz von Antibiotika sinken müsse. Ihrer Meinung nach sollten Tierärzte auch nicht gleichzeitig Apotheker sein.
NRW und Baden-Württemberg haben daher bereits angekündigt, dem Gesetz im Bundesrat nicht zustimmen zu wollen, schreiben die Westfälischen Nachrichten. „Aigner erteilt einen Freibrief für den massiven Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung“, sagte etwa NRW-Agrarminister Johannes Remmel.
Das Agrarministerium hat seine Vorschläge unterdessen verteidigt. So würden starre Zielvorgaben nichts bringen, da es hoch und niedrig dosierte Antibiotika mit sehr unterschiedlichem Wirkungsgrad und Relevanz gebe, hieß es aus Berlin. Das Maßnahmenpaket auf ein Mengenziel zu verkürzen, wäre verfehlt, denn es würde Industrie und Veterinäre dazu einladen, künftig auf noch höher dosierte Arzneimittel umzusteigen. "Die Verschärfung des Arzneimittelgesetzes setzt an den entscheidenden Stellen an, um den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung wirksam zu reduzieren. Diese Reform wird ihr Ziel nicht verfehlen", sagte Aigner dazu.
Hintergrund:
Regierung stellt neues Arzneimittel-Gesetz vor (19.9.2012)
DBV: Arzneimittelnovelle mit viel Bürokratie und wenig Nutzen (20.8.2012)
Leserkommentare
Dampf machen
[20.09.2012]
...gleich morgen die Grünen-Abgeordneten im Kreis anrufen und erst mal ganz höflich fragen, wie die Partei Familienbetriebe, die schon seit Generationen wirtschaften, so in Verruf zieht. Immer schön weiterbohren, die kommen dann ins Schwitzen, schon selbst ausprobiert.
von blabla
Was Aigner nicht schaft macht Höhn nach der Bundestagswahl 2013
[20.09.2012]
Jetzt muß die quadratur des Kreises gelingen! Ein Problem der Krankenhaushygiene soll durch eine lückenlose stasiartige Überwachung der "Schweineställe" beseitigt werden Viel Erfolg Frau Aigner! Vielleicht gelingt es erst nach der Wahl Frau Höhn als Bundesverbraucherschutzministerin mit dem Papier der Dokumendationsunterlagen und Anibiotikaverwendungsnachweisen der Tierhalter die Hygienprobleme der Krankenhäuser einfach weg zu wischen.
von ekd
[20.09.2012]
Die Grünen freunde des BDM
von boos
Stasimethoden
[20.09.2012]
Für mich als Rinderhalter hört es sich so an wenn als wenn sämtliche Bullen und Kühe permanent mit Antibiotika zugedröhnt sind. Das kann man so nicht stehen lassen! Frau Künast!!! Wieso müssen wir rechtschaffenden Bauern uns das eigentlich von diesen grünen Heuchlern gefallen lassen!
von heiko#001
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