[23.08.2012]
Walter Heidl
Die Dürre in weiten Teilen der USA und der Schwarzmeerregion hat Kritiker von Bio-Kraftstoffen auf den Plan gerufen. Einzelne Politiker und Organisationen fordern angesichts steigender Getreidepreise einen Stopp für den Bio-Kraftstoff E10. Der Bayerische Bauernverband kritisiert diese Forderung als Populismus und sachlich falsch.
„Die heimische Ethanolgewinnung ist mehr als nur die Erzeugung von Kraftstoff aus Erneuerbaren Energieträgern“, betont BBV-Präsident Walter Heidl. Seiner Meinung nach sind auch die Koppelprodukte, wie Getreideschlempe oder Rapskuchen, wichtige Eiweißfuttermittel. So würden die Nebenprodukte von 1 ha Weizen oder Zuckerrüben etwa 1,3 ha Sojaanbaufläche entsprechen. Allein in Deutschland ersetzten diese Koppelprodukte so 2 Mio. t Soja und machten oftmals kritisierte Importe überflüssig.
Wenn Nichtregierungs-Organisationen wie Greenpeace oder BUND den Stopp der nachhaltigen Erzeugung von heimischen Biokraftstoffen fordern, sei das mehr als scheinheilig, erklärte Heidl am Montag weiter. „Gleichzeitig setzen sich dieselben Leute in Brüssel dafür ein, dass die heimische Landwirtschaft im Rahmen der Agrarreform künftig 7 % oder mehr ihrer Ackerflächen stilllegen soll.“
Auch die Diskussion um steigende Getreidepreise relativiert Heidl. „Immer weiter sinkende Preise für Agrarprodukte waren über Jahrzehnte die Inflationsbremse Nummer eins.“ Sein Vater habe 1982 für 100 kg Brotweizen gut 50 D-Mark bekommen. „Heute bekommen Landwirte 22 bis 24 Euro“, so Heidl. „Da frage ich mich, warum wir heute so heftig die Getreidepreise diskutieren.“ Die aktuellen Preissteigerungen seien darüber hinaus notwendig, weil zuletzt auch die Produktionsmittel wie Dünger, Pflanzenschutz oder Kraftstoff erheblich teurer geworden. Und eine Preissteigerung beim Getreide hätte nur geringe Auswirkung für Verbraucher, so Heidl in seiner Stellungnahme. „Selbst wenn der Getreidepreis um 50 % steigt, würde das bei einer Semmel nur einen halben Cent Mehrkosten ausmachen.“
Der Hunger in Entwicklungsländern lässt sich laut dem Bauernpräsidenten nicht durch ein Verbot des Kraftstoffes E10 lösen, er entstehe durch komplexere Zusammenhänge. Oftmals seien unsichere politische Rahmenbedingungen und fehlende Bildung die Ursache. In Entwicklungsländern würden wegen unsachgemäßer Lagerung beispielsweise über 150 Mio. t Getreide jährlich verrotten. „Die Meldungen der letzten Tage offenbaren, dass das Thema E10 von einzelnen Personen und Verbänden benutzt wird, um sich zu profilieren“, so Heidl. „Doch das Thema ist zu ernst und zu komplex, um damit Sommerlöcher zu stopfen!“ (ad)
vgl.:
„Deutsche Weizenimporte verschärfen Hunger auf der Welt“ (17.8.2012)
Steigende Agrarpreise: Niebel will Biospritverkauf verbieten (16.8.2012)
Leserkommentare
Keiltreiber
[23.08.2012]
Walter Heidl hat Nagel auf den Kopf getroffen. Das treiben von Keilen in die Bauernschaft erledigen schon andere. Ein solches Vorgehen durch die BV- Präsidenten vemag ich nicht zu erkennen. Im übrigen sollte wer für eine 7% Stilllegung ist, dies auch offen sagen.
von hermannklug
Herr Heidl, wie wäre es mit "Ehrlicher Margenverteilung in den Ketten" ?
[23.08.2012]
In großem Maße scheinheilig ist hier wohl auch der Deutsche Bauernverband, dessen Präsidenten nicht müde werden Keile in die Bauernschaft zu treiben und die Viehhalter den nachgelagerten Bereichen schon lange auf den Opfertisch zum Aussaugen gelegt haben, während Marktfruchtbetriebe aktuell sehr gute Bedingungen vorfinden. Vorbildlich ist aktuell gerade mal wieder Wyno Zwanenburg (nvv.nl), der streitbare und fortschrittliche Präsident der niederländischen Schweinehalter, der eine Veranstaltung mit dem Thema: "Ehrliche Margenverteilung in den Ketten" am 30.8.2012 bei Utrecht angeleiert hat. Aber um solche Themen macht unsere DBV Spitze ja die weitesten Bögen. Das darf hierzulande nicht diskutiert, ja noch nicht einmal thematisiert werden.
von helmut_ehrlicher
Wo er Recht hat, da hat er Recht!
[23.08.2012]
Das Problem dabei ist nur, dass es derselbe BV war, der etwa den Viehhaltern immer wieder gepredigt hatte, wenn sie nicht genug verdienen könnten, müssten sie Kosten reduzieren. Und wo guckt der Viehhalter dann zuerst hin? Natürlich auf die Produkte, die er einkauft. Und das sind in erster Linie Kraftfuttermittel, Getreide und Stroh. Natürlich tritt der BV selber mit solch einem Verhalten, mit solch einer uneinheitlichen Argumentationslogik, eine Tank-Teller-Diskussion los. Das diese von anderen aufgegriffen wird ist nur natürlich. Ebenfalls eine uneinheitliche Argumentationslogik ist, warum der Flächenverbrauch für Bio-Kraftstoffe gut für die Preisentwicklungen bei den Bauern sein soll, eine 7%ige Stilllegung von Ackerflächen aber nicht...
von detmarkleensang
Zum Schreiben eines Kommentars loggen Sie sich bitte ein!