[29.06.2012]
Gerhard Höbel, Karwendel Milchwerke Buchloe, Milchpräsident Felßner, BBV-Präsident Heidl, Leonhard Welzmiller VMB und Peter Kaindl. Foto: BBV ©
Verlässlichkeit und Preisstabilität sucht man auf dem Milchmarkt aktuell vergebens. Das sorgt für Unsicherheit bei den Erzeugern. Dazu kommt der jüngste Preisabfall bei den Milcherzeugerpreisen, die mit einem Rückgang im Frühjahr für zusätzliche Verunsicherung unter den Milchbauern gesorgt haben.
BBV-Präsident Walter Heidl, BBV-Milchpräsident Günther Felßner und der Vorsitzende des Verbandes der Milcherzeuger Bayern (VMB), Leonhard Welzmiller, haben sich daher vor einer Woche zu einem Meinungsaustausch auf dem Milchviehbetrieb von Peter Kaindl in Schöffelding getroffen.
Die Kontraktabschlüsse zwischen Lebensmitteleinzelhandel und Molkereien vor allem für die Konsummilch und Butter im April diesen Jahres beinhalteten ein eindeutigen Preisrutsch, an dem es nichts zu deuteln gäbe, stellte Präsident Heidl fest. Der Kampf zwischen den Giganten des Lebensmitteleinzelhandels würde gerade in diesem Segment geradezu unerbittlich geführt – nicht zuletzt auf dem Rücken der Milchbauern, kritisierte auch Günther Felßner.
Darüber hinaus wird aber fast die Hälfte der bayerischen Milch zu Käse verarbeitet. Hier herrschen noch weitgehend stabile Verhältnisse Das beweist auch das Milchgeld von Landwirt Kaindl im Juni 2012: „32,5 Cent netto habe ich für den Liter Milch von meiner Molkerei Exquisa, Buchloe, bekommen. Das ist zwar angesichts der steigenden Kosten nicht ausreichend“, so Kaindl. Laut Prokurist Ernest Schäffer von Exquisa ist die Absatzsituation im Käsebereich weiterhin gut; die Erlössituation sei dem saisonalen Trend und dem aktuellen Finanzmarkt geschuldet.
Hubert Dennenmoser
Das darauffolgende Treffen fand dann am Donnerstag auf dem Deutschen Bauerntag in Fürstenfeldbruck statt, wo DBV-Vizepräsident Udo Folgart mit dem Geschäftsführer der Allgäumilch Käse eG Hubert Dennenmoser über die aktuelle Lage am Milchmarkt sprach.
Dennenmoser schätzt nach aktueller Marktlage, dass sich der Milchpreis für die nächsten beiden Quartale etwa zwischen 29 und 32 Cent einpendeln wird. Aufgrund der stark volatilen Märkte seien aber langfristige Prognosen nicht machbar. "Wenn im Herbst wieder die großen Milchmengen aus Neuseeland kommen, müssen wir sehen, was die Preise machen. Die beste Antwort wäre, das deutsche Angebot stärker zu bündeln", so Dennenmoser. Leider hätten sich die Genossen bei der Milchunion Hocheifel mit ihrem Beitritt zu Arla für eine internationale Lösung entschieden.
Dennenmosers Genossenschaft jedenfalls will sich weiter in den Markt einbringen. Man werde verstärkt regionale Marken ausbauen. "Wichtig ist, mit diesen Produkten die Verbraucher zu überzeugen, ihnen eine Geschichte zu übermitteln. Wir dürfen jedoch nicht zuviel erwarten. Regionale Marken werden lediglich das Niveau von Bio-Produkten erreichen", so der Geschäftsführer. Mit Käse sieht er seine Strategie derzeit bestätigt. "Uns gehts gerade besser als den H-Milch-Anbietern. Allerdings dreht das regelmäßig ins Gegenteil und der Käseabsatz schwächelt."
Udo Folgart am Donnerstag beim Pressefrühstück
Milchpräsident Udo Folgart zeigt sich vorsichtig optimistisch: „Wir haben keine Krise – es gibt Licht am Ende des Tunnels – die Preise werden sich wieder nach vorne entwickeln.“ Vor allem die Milchmärkte in Asien, Russland und der Nahe Osten würden positive Signale senden.
Für die nächste Verhandlungsrunde schlägt Folgart vor, verstärkt über Kontor-Lösungen nachzudenken. Zudem wolle man im DBV den Vorschlag diskutieren, Milchbauern vom Greening zu befreien. Allerdings dürfte dies aufgrund der Benachteiligung anderer Betriebe kaum Aussicht auf Chance haben. „Wir wollen trotzdem einmal darüber sprechen“, so Folgart. Abschließend sprach sich der Brandenburger Landwirt dafür aus, die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete auszuweiten. „Ich kenne die Bedeutung der Unterstützung aus meiner Heimat.“ (ad)
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BLZ 380 601 86
Volksbank Bonn Rhein-Sieg eG
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Leserkommentare
Bauernverdummung
[03.07.2012]
Seit Jahren leben alle Verbände recht gut von den Bauern und ausser Blabla tun sie nichts für sie ! Die Lebensmittelkonzerne erpressen die Molkereien und die erpressen die Bauern.So war es in meinem langen Leben immer und so wird es immer bleiben ! Ein Glück das die Vebandsmitgliedschaft freiwillig ist,im Gegensatz zur Landwirtschaftskammer! Auch die gehört auf den Prüfstand !!!
von paulherchenbach
Schon Richtig. Das Niveau eines Landwirts lässt durch persönliche Feindschaften deutlich nach.
[02.07.2012]
von Hardthof
Bauernverdummung
[01.07.2012]
Der Geschäftsführer vom BDM redet von Produktions Rückführung,aber sein Sohn betreibt Wachsen und Weichen.Wo ist hier eine Vorbildfunktion? Das ist ein Verhalten das man den DBV Wachstumbetrieben vorwirft!! Aber die er wird von seinen Mitstreiterern auf Äußerste verteidigt hier in diesem Forum. Da stellt sich die Frage WER ist HIER der Dumme. Her Kaindl hat einen EOP von 32.5 Cent.Was hat die "Faire Milch"diesen Monat?? Die Frage ist nur WER ist nun auf dem Richtigen Weg!!!
von
Bauernverdummung
[01.07.2012]
Derartige "Gesprächskreise" sollen einzig und allein Aktionismus vortäuschen, um die Milcherzeuger bei der Stange zu halten und um zu vertuschen, dass in Richtung "freier" Markt und Billigproduktion zur Kostensenkung der Molkereien alles nach Plan verläuft. Dieses Szenario wurde bewußt herbeigeführt - es hat den schönen Begriff "Soft Landing". Es zeigt zudem auch, für wie dumm die Milcherzeuger von diesem Verband und seinen Partnern gehalten werden. Und, wie man sieht, hat man bei Einzelnen auch noch Erfolg damit...
von Doris Peitinger
Dialog
[30.06.2012]
Wo war der BDM bei diesem Treffen.Mit dem Herrn Höbel war ein Molkereivertreter auf dem Hof von Hernn Kaindl.Herr Kaindl ist Vorsitzender der MEG Augsburg Süd und sehr aktiv an Milchpreisverhandlungen mit anderen MEG´s bei der Molkerei Karwendel beteiligt. Das als Bla Bla abtun ist ne Frechheit. Wann kommt mal was vom BDM.Wo unsere Preise voranbringt??Die "Faire Milch" drückt uns die Preise.MVS ist nur ein Versandhandel. Nur großes Gerede am Ende ist es nur heiße Luft!
von
Nix neues ......
[29.06.2012]
.......von den Bla Blas
von simson09
Kam, sah und dann?
[29.06.2012]
Da kommen drei Männer auf einem Bauernhof zusammen und stellen fest was jeder schon weiss -- der Milchpreis ist gesunken, der LEH setzt die Molkereien unter Druck. Und was passierte anschließend? Man ging wieder nach Hause!
von meyerbuchklingen
Udo der Einzige der sich für Benachteiligte einsetzen will
[29.06.2012]
An Tagen wie Diesen Wo der DBV in Fürstenfeldbruck sich offiziell vom bäuerlichen Familienbetrieb verabschiedet hat. Herr Rukwied das familiengeführte Agrarunternehmen zum Ideal erhob; Bleibt da Udo Folgart, der Vertreter der ostdeutschen Agrarbetriebe der einzige im DBV Präsidium für den das Wort sozial bei aller marktwirtschschafts Euphorie noch eine Bedeutung hat? Man kann, man könnte, Udo Folgart glauben das er sich für benachteiligte und struckturschwache Gebiete einsetzen will, das er kleinen und existenzgefähteten Betrieben, Nebenerwerbslandwirten und sogar kleineren Milchbauern helfen würde. Wenn er nur Dürfte. Er würde auch alle Milcherzeuger an einen Tisch, in ein Kontor bringen, wenn da nicht die DBV Wettbewerbsideologie wäre
von ekd
Die Krise ist sehr wohl da!
[29.06.2012]
Das Licht am Ende des Tunnels kann auch vom Zug der Übermenge und hohen Kosten kommen, der einen gleich überrollen wird!
von juppup
Laber laber Leberkäs und die Welt dreht sich doch!
[29.06.2012]
Preise bekommt man nur nach oben wenn man BDM Vorschläge umsetzen würde. Dafür sind diese Herren jedoch viel zu Stolz und engstirnig.
von Ghostbusters
Gemeinsame Strategie?
[29.06.2012]
Was spricht eigentlich gegen eine gemeinsame Strategie zwischen Milch Board und den Verbänden. Am besten wäre die Lösung, bei der das Kartellamt keine Einwände hat. Wenn alle bessere Milchpreise und die Macht der Lebensmittelkonzerne beschränken wollen, wäre das die beste Lösung. Ich bin in beiden Verbänden und im Milch Board. Das Motto "seid einigt" ist mir nicht fremd. Die Latte mit 75 %, bei der Zustimmung von Satzungsänderungen, liegt zwar sehr hoch dürfte aber dann erreichbar sein. Aktuell erleben wir jedoch den Herrn Nüssel (Raiffeisen-Genossenschaftsverband), der die MEG`s am liebsten gesetzlich verbieten lassen möchte. Sollte das funktionieren hätte der Handel dauerhaft "Mühle auf".
von Dieter Müller
"Im Westen nichts neues"
[29.06.2012]
Liebe DBV Funktionäre, verehrte Molkeristen, und wenn ihr euch noch hundert mal trefft um das alt bekannte Thema zu debatieren, wird sich auch weiter nichts daran ändern ohne weitreichende Reformen des Milchmarkts. Vielleicht sollten wir einmal gemeinsamm das Experiment wagen und vor den nächsten Kontraktverhandlungen 35 cent für die Erzeuger festsetzen. Die Marge für die Verarbeitung der Molkereien dann erst oben drauf und mit steigenden Milchmengen mal in die Verhandlungen mit dem LEH eintreten. Das dürfte wohl das Ende für die meisten Molkereien sein. Aber evtl wird dann von euch einmal das Kernproblem verstanden worden sein. Jeden Liter Milch erzeugen und verarbeiten, ohne kostendeckung zu erreichen vernichtet "nur" Existenzen
von torti
Wer 10 Jahre ...
[29.06.2012]
Kontor-Lösung kritisiert, sollte auch die ergebnislosen "5-Jahre-Milch-Board" nicht vergessen!
von wolfgangheinrich
Wer verkauft den Nachdenkensbeschleuniger für die Kontor-Lösung?
[29.06.2012]
Der HBV-Präsident Schneider hat die sogenannte Kontor-Lösung schon vor ca. 10 Jahren vorgeschlagen. Eine Umsetzung bzw. Beschleunigung des Planungsprozesses ist bisher nicht erkennbar. Nun äußert sich der DBV-Milchpräsident Udo Folgart, nach längerem Aufenthalt in der milchpolitischen Tauchstation, ebenfalls zu diesem Thema. Auch er befindet sich in der Phase des "verstärkten Nachdenkens über die Kontor-Lösung". Wir wollen ihm wünschen, dass dieser Denkprozeß zügig beendet wird und schon im Herbst zu den Ergebnissen führt. Sollte die nächste Verhandlungsrunde, mit dem Handel, wieder zum Desaster führen wäre ein Strategiewechsel erforderlich. Folgart ist kein Molkerist. Er sollte daher die Bündelung der Milchbauern stärker unterstützen.
von Dieter Müller
In der Technik nennt man so etwas "Aktiven Stillstand"
[29.06.2012]
Genau mit solchen dümmlich-hilflosen Phrasen treibt der DBV den „Spaltpilz“ in der Bauernschaft selbst aktiv voran und festigt die Berechtigung alternativer Verbände.
von helmut_ehrlicher
Udo Folgart. Null Ahnung von Marktwirtschaft, und davon viel !!!!
[29.06.2012]
Ein "Verkaufskonor" kann niemals der Kartellaufsicht standhalten.Wenn dies ginge, hätten schon vor acht Jahren der Vorschlag des HBV Präs. Schneider umgesetzt werden können.... Greening befreiung für Milcherzeuger, die gar nicht von diesen Plänen betroffen sind wegen des hohen Grünlandanteils... Ausweitung der benachteiligten Gebiete, damit Landwirte in benachteiligten Gebieten weniger bekommen.... Insgesamt hohle Phrasen, die absolut weltfremd nicht zur nachhaltigen Sicherung des Einkommens der Milchbauern beitragen. OH NEIN !!! HERR SCHMEISS HIRN VOM HIMMEL !!!! Die Nachfrage ist hier größer als das Angebot!
von Hardthof
Wenn das keine Krise ist...
[29.06.2012]
... und den Bauern anderweitige Verspechungen gemacht werden, dann braucht man sich als Molkerist ja nicht mehr besonders anstrengen, ist ja alles in Butter...
von sebontch
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