[17.02.2012]
Zunächst die Kritik der LVÖ: Mit nur 100 Betrieben - einem Zuwachs von 1,8 % - hätten in Bayern im Jahr 2011 so wenig Landwirte auf Ökolandbau umgestellt wie schon seit über 10 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig sei der Markt aber um über 10 % gewachsen. „So dramatisch wie im Jahr 2011 war die Situation noch nie“, erklärt der LVÖ-Vorsitzende Josef Wetzstein. „Die bayerischen Bauern verlieren täglich Marktanteile und der Wunsch der Verbraucher nach bayerischen Bioprodukten läuft ins Leere!“
Die LVÖ sieht mehrere Ursachen für diese Entwicklung. Die Rahmenbedingungen für die Betriebe würden im Rahmen der Agrarreform von der Politik neu ausgehandelt. Programme gebe es daher nicht mehr oder würden sehr spät angeboten. Dadurch seien die Landwirte, die an Umstellung denken, verunsichert. Darüber hinaus wird aus Sicht der Vereinigung in Deutschland durch die Energiepolitik die Flächenkonkurrenz massiv verschärft und die Produktion hochwertiger Lebensmittel vernachlässigt. „Wir brauchen ein Aktionsprogramm für den Ökologischen Landbau in Bayern,“ fordert Josef Wetzstein, „sonst werden unsere europäischen Nachbarn den bayerischen Biomarkt bedienen!“
Ganz anders sieht das allerdings Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Anlässlich der gerade stattfindenden Biofach 2012 betonte der CSU-Politiker, die Zahl der Biobauern habe sich in den vergangenen zehn Jahren im Freistaat ebenso verdoppelt wie die nach ökologischen Vorgaben bewirtschaftete Fläche. Mit inzwischen 6 500 Ökobetrieben und über 200 000 ha Fläche nehme Bayern bundesweit den Spitzenplatz ein.
Die Zahlen sind dem Minister zufolge ein Beleg dafür, dass Bayern die richtigen Rahmenbedingungen für den Öko-Landbau setzt. Bestätigt werde diese Einschätzung durch das jüngste Ranking des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) vom Januar. Danach ist Bayern bundesweit Spitzenreiter bei der Unterstützung des Ökolandbaus. (ad)
Mehr dazu:
Bayerische Betriebe steigen verstärkt auf Öko um (14.2.2012)
BÖLW: "Aigner redet Bio-Bilanz schön" (15.2.2012)
Aigner: "Die Bio-Branche hat aufgeholt" (14.2.2012)
Innerlandwirtschaftlicher Wettbewerb für Ökolandbau verschärft sich (16.2.2012)
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Leserkommentare
IPHONE
[18.02.2012]
Wenn die Bevölkerung wirklich etwas haben will wie z.B. das IPHONE, dann kann man damit viele Milliarden schäffeln. Wenn die Bevölkerung wirklich Bio will, warum ist es dann sooo schwer auskömmliche Preise in den Geschäften zu verlangen, bei Unterhaltungselektronik scheint zu funktioniern? Ich persönlich glaube nicht daran, dass es eine große Biolebensmittelnachfrage gibt. Ich beobachte im meinen näheren Umfeld immer mehr Betriebe die mit den modernen Zeiten interlektuell oder finanziell nicht klarkommen stellen um auf Bio, weils da mehr Prämie gibt hinter der man sich noch ein paar Jährchen verstecken kann...
von landfuerst
Versagen der Ökoverbände
[17.02.2012]
Wenn die "Spitzenverbände" einer offensichtlich boomenden Branche nichts besseres wissen, als nach staatlichen Mitteln zur Bedarfsdeckung zu schreien, dann stimmt doch was nicht. Deutsche Ökoprodukte sind im Vergleich zu konventionellen bereits jetzt deutlich übersubventioniert. Die Kunden in diesem Bereich sind in der Regel durchaus in der Lage angemessene Preise zu bezahlen. Warum den Besserverdienern die Lebensmittel zusätzlich subventionieren? Bei so einer Nachfrage muss es doch möglich sein, die Preise einkömmlich zu gestalten. Das wäre die Aufgabe der Ökoverbände. Aber die geistern ja lieber irgendwo politisch herum. Zusammen mit den Grünen und den Tierschützern.
von agroalf
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