WDR Markt: Gute Gründe für die Massentierhaltung

Landwirt Hans-Heinrich Meyer Landwirt Hans-Heinrich Meyer Die Mehrheit der Verbraucher ist klar gegen die Massentierhaltung, macht sich aber keine Gedanken, was das eigentlich ist und kauft weiter billig ein. Ohne Massentierhaltung geht es jedoch nicht. Sie wird in Zukunft eine Notwendigkeit sein, so der Tenor der WDR-Sendung „Markt“, die am vergangenen Montag ausgestrahlt wurde.
 
In der Rubrik „Gegen den Strich“ argumentieren die Reporter bewusst gegen landläufige Vorurteile und besuchen dazu zunächst Schweinemäster Hans-Heinrich Meyer. Er hält 5000 Schweine und spricht offen über die Haltung und seinen Frust, permanent von Gegnern moderner Landwirtschaft angegriffen zu werden.

Hoftierarzt Dr. Manfred Stein zeigt den Zuschauern hierbei, welche Medikamente er einsetzt und welche Behandlung konkret bei fünf Schweinen auf dem Betrieb Meyer notwendig war. Dank Antibiotika sind alle Tiere wieder fit. Statt unkontrolliertem Masseneinsatz der Medikamente, wie von den Kritikern immer wieder angeführt, wird dem Zuschauer klar vermittelt, dass nur gezielt behandelt und alles dokumentiert wird. Die Landwirte hätten vielmehr Angst vor Verstößen, weil dann sofort der Amtstierarzt käme, so Dr. Stein.
 
Kritiker, darunter aktuell auch viele grüne Länderagrarminister, sehen im Ökolandbau die Lösung. Wie die Autoren jedoch feststellen, sind die freilaufenden Tiere in der Biohaltung viel mehr Krankheitserregern ausgesetzt, als diejenigen im Stall. Da die Biobauern aber nicht so behandeln dürfen wie ihre konventionellen Berufskollegen, bleiben die Tiere krank, werden so geschlachtet oder verenden häufiger.

Alles auf Bio umstellen geht überhaupt nicht

Hühner Hühner Interessant ist auch die Gegenüberstellung des Flächenverbrauchs beider Systeme. Ein konventionelles Schwein braucht im Stall 1 m2 Platz und 400 kg Futter, bis es geschlachtet ist. In Deutschland werden im Jahr fast 60 Mio. Schweine aufgezogen und geschlachtet. An Platz sind hierfür 8 % der Fläche Deutschlands oder 16 % der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche unseres Landes nötig.

Wenn alle Schweine in Deutschland gemäß ökologischer Richtlinien gehalten würden, muss Ökofutter eingesetzt werden, das benötigt die doppelte Fläche; und die Erträge sind viel niedriger. Das bedeutet, allein für die Bioschweine benötigt man 1/3 der Landwirtschaftsfläche, 16 % Deutschlands. Noch gar nicht eingerechnet ist, dass die Bioschweine selbst den doppelten Platz zum leben brauchen. Hinzu kommen die anderen Tierarten und landwirtschaftlichen Kulturen. Und wie schnell das Geld beim reinen Bioeinkauf weg wäre, ist vielen Kritikern offenbar auch nicht klar, wie der Beitrag schön herausarbeitet.
 
Das Massentierhaltung zukunftsfähig ist, zeigt schließlich ein Besuch bei den Versuchsställen der Uni Wageningen. Hier werden tausende Schweine in einem neuen Stallsystem mit etwas Auslauf gehalten. Das Ergebnis: Die Tiere sind gesünder und wachsen um 10 % schneller. Auch bei der Massenhühnerhaltung zeigt ein neu entwickeltes Rondell klare Vorteile: Weniger Verluste, Medikamente und Kanibalismus.
 
Experten sind sich daher einig, dass die Massentierhaltung weiterentwickelt werden muss und es hierfür keine Alternative gibt. Geforscht wird etwa an der Tierhaltung in der Stadt sowie an neuen Stallkonzepten. Ohne Fleisch werde es jedenfalls nicht gehen, der Konsum steigt derzeit immer weiter, heißt es abschließend in dem sehenswerten Bericht. (ad)

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8 Leserkommentare Kommentieren

  1. von massa04 · 1.
    Bäuerliche Landwirtschaft ist Mittelstand

    Das Ziel der Sendung, dem Verbraucher klarzumachen, dass eine Streichelzoo-Landwirtschaft keine Perspektive ist und bei Bio auch nur mit "Wasser" gekocht wird, wurde erreicht. Den Begriff Massentierhaltung halte ich für die gezeigten Betriebsgrößen fehl am Platz. Der Verbraucher will keine Megastrukturen, er will "Tierwohl", und es wurde gezeigt, dass in betriebsüblichen Bestandsgrößen Tierwohl und Tiergesundheit gewährleistet sind. Wer eine bäuerliche Landwirtschaft erhalten will, muss mittelstandsfreundliche Politik machen. Unsere Jugend will Spass am Beruf haben, Geld verdienen und nicht verunglimpft und kriminalisiert werden. Ich kämpfe für unsere Jugend, sie ist es wert. Willi Billau Regionalbauernverband Starkenburg

  2. von bananenbaer · 2.
    Es ist ja ncht so ...

    ... dass es allen konv. Tierhaltern grottenschlecht geht . Dass , wie hier oft beschrieben , der Landwirt sich als geknechteter Untertan der Schlach- und Molkereibosse fühlt , ist doch wohl etwas übertrieben . In jedem Bereich kenne ich eine Menge Landwirte , die absolut auskömmlich wirtschaften und einen wirklich gepflegten Lebensstil führen . Es kann allerdings nicht jeder Erzeuger mit jedem Betrieb und jeder Intensitätsstufe erwarten , dass über Quoten , Zuschüsse , etc für ihn ein Unternehmersalärs drin ist . Irgentwie sind es immer die selben Leute , die zum Aufstand aufrufen . Ich finde es richtig gut , dass es noch investigative Journalisten gibt , die nicht jeder gleichgeschalteten Volksmeinung nach dem Mund schreiben

  3. von heike comeback · 3.
    WER ist dieser markt?

    ist das der geheiligte ,freie markt dem auch wir milchviehhalter folgen sollen.konkurrieren mit billigsten anbietern mit miesen standards aus aller welt .am ende wird folgart recht behalten,noch 10 000 milcherzeuger übrig gelassen vom markt BEREINIGT,welche sich mit einer masse tiere,geringster anerkennung und einer menge probleme verteidigen müssen,zum wohl einiger nimmersatter welteroberer und immer wieder den ARMEN und /oder GEIZigen verbraucher als alibi vorgeschoben.bauern macht die augen auf ,stroh macht nicht nur kühe froh.kämpft für das wohl unserer tiere,kämpft für FAIRE erzeugerpreise!!!!!!.werdet menschen mit initiative und herz damit die welt auch morgen noch schön sein kann....herzlichst

  4. von xf1 · 4.

    Die haben nur die Seite der Produktionsmenge, und die Kosten für die Konsumenten angesprochen. Daß Bio flächendeckend weder ethisch noch ökologisch vertretbar wäre, wurde ebenfalls nicht erwähnt. An die entscheidenden Biolügen haben sie sich nicht gewagt - das darf man in offensichtlich Deutschland nicht mehr. Zuwenig für eine Sendung, die sich "Gegen den Strich" nennt.

  5. von ZieglerB · 5.
    Ein Anfang

    Auch wenn ständig der Hetzbegriff "Massentierhaltung" verwendet wurde ist dies schon einmal ein Anfang der öffentlich-rechtlichen Medien einer neutralen Berichterstattung in diesem Bereich, nachdem sie lange komplett unkritisch als Werbepartner politischer Extremisten und spendensuchender NGOs agiert haben. Also weiter so und hoffentlich bald um 20:15 im Ersten!

  6. von filou · 6.
    Warum werden diese Fakten erst jetzt bekannt gemacht?

    In Laboruntersuchungen wurden bei Bioprodukten schon vor 20 Jahren höhere Schwermetallgehalte und weniger Nährstoffe und Vitamine nachgewiesen.Deshalb und weil ich für alle Leute gesund und Preiswert und nicht nur für die Reichen produzieren möchte bin ich mit guten Gewissen "konventionel"geblieben. Die Deutschen könnten sich vielleicht noch höhere Standarts(=schlicht und Einfach mehr Platz für die Tiere..mehr nicht) leisten ,nur dann dürfen wir keine billigen Lebensmittel mehr importieren. Für die Globale Ernährung/Umweltschutz ist Bio und deren Subventionierung hier auf unseren fruchtbaren Böden absolut kontraproduktiv!

  7. von klausmueller · 7.
    Zusammenhänge mal anders dargestellt

    Hier wurde bewusst "gegen den Strich" der derzeit vorherrschenden Medienmeinung gebürstet. Als Bauer empfindet man das wohltuend!

  8. von helmut_ehrlicher · 8.
    Genau so tendenziös wie Berichte von PETA

    Dem Bürger zu unterstellen, er allein wäre der Grund für eine "Billigproduktion" ist schlichtweg genau so falsch wie zu behaupten das manche alles in Bioproduktion umzustellen versuchen. Dieser Bericht ist genau so tendenziös wie die Einbruchsberichte von PETA bei einigen schwarzen Schafen der Branche. Weiterhin ist es Unsinn zu behaupten Deutschland brauche noch mehr Massentierhaltung um die Welt zu ernähren. Billigste Produktion mit fester Marge beim Verarbeiter und alleiniges Preisrisiko beim Bauern zur Eroberung von Weltmarktanteilen, das sind Ziele, die vielleicht die Ernährungsindustrie und der DBV verfolgt, aber nicht wir Bauern.

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