Urteil C-497/17

Halal-Fleisch darf nicht EU-Biosiegel tragen

Wenn Tiere geschächtet werden, entspricht das nicht den Idealen des EU-Ökosiegels. Mit dieser Art der Tötung verlieren sie ihren Ökostatus. Das hat der Europäische Gerichtshof am Dienstag geurteilt.

Der Europäische Gerichtshof hat am Dienstag entschieden, dass Fleisch aus ritueller Schlachtung, bei der das Tier vorher nicht betäubt wurde, nicht das europäische Bio-Siegel tragen darf.

Die EU-Richter sind der Ansicht, dass eine solche Schlachtmethode nicht die höchsten Tierschutzstandards erfülle. Die betreffenden EU-Verordnungen betone mehrfach, dass bei Bio-Fleisch das Tierwohl eine zentrale Rolle spiele. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass die Betäubung die Technik sei, die das Tierwohl zum Zeitpunkt der Schlachtung am wenigsten beeinträchtige. Das Leiden werde erheblich verringert. Die von religiösen Riten vorgeschriebenen Schlachtmethoden ohne Betäubung erfüllten diese Kriterien aber nicht.

Geklagt hatte eine Tierschutzorganisation aus Frankreich. Dort gab es als halal gekennzeichnete Hacksteaks mit Biosiegel.

Die ganze Mitteilung des EuGH hier als pdf

EU verlangt noch weitere Verschärfung der Düngeverordnung

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Martina Junker

Siegel hin oder her

Biofleisch wird nicht durch das Siegel dazu, sonders durch die Art wie die Tiere gehalten und gefüttert werden. Ob nun Siegel ja oder nein macht doch aus bio keine konventionell und umgekehrt, nur dadurch wie es geschlachtet wurde. Bin übrigens gegen jede Art der Vermeidbaren Tierquälerei.

von Paul Siewecke

andere Länder, andere Sitten!

Viele Traditionen haben ernsthafte historische Hintergründe, weshalb sie sich dann auch überhaupt erst durchgesetzt haben. Mit dem Wegfallen der Ursachen wurden aber die Traditionen eben nicht abgeschafft, der Mensch ist eben doch ein Gewohnheitstier! Ganz kompliziert wird es, wenn Tradition mit Religion begründet und vereint wird. Dann sind rationale Gegenargumente, so logisch sie erscheinen mögen, vollkommen wirkungslos. Das gilt für das Schächten, für "koschere" Lebensmittel, für die heiligen Kühe in Indien, für das Silvesterfeuerwerk (da gibt man angetrunkenen Laien Sprengstoff in die Hand, damit sie dann damit "verantwortungsvoll" umgehen...), und so weiter und so fort.... Dass das Halal-Fleisch kein Bio-Siegel mehr tragen darf, ist eine korrekte und absolut nachvollziehbare Entscheidung: Die Tierschutzverordnung erlaubt zwar die Ausnahme Halal aber die EU-Öko-Verordnung eben nicht! Wer das eine will muss das andere mögen! Dazu passt Friedrich der Große: "...möge ein jeder nach seiner Fasson selig werden..!"

von Willy Toft

Und nun?

Ist jetzt diese Schlachtmethode in der EU zu halten? Wir haben gerade gehört, dass Veterinäre und Landkreise sich weigern, Zucht- Rinder für den Export zu untersuchen, nur weil sie in den jeweiligen Ländern irgendwann so geschlachtet werden. Jedes Volk der Erde hat seine eigenen Rituale und Bräuche, die hier in Europa an Grenzen stößt. Konsequent wird es aber alles nicht mit Leben erfüllt, wenn ich an die Einfuhren von Lebensmitteln denke, oder an all die Ausnahmen, weil wir ja so tolerant gegenüber den immigrierten Volksgruppen sind. Wer bei diesen Widersprüchen noch die rechtliche Übersicht behalten will, läuft lieber mit Scheuklappen durch die Gegend, denn man könnte sonst vieles in Frage stellen!

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