DIE ZEIT

Höfesterben: Teil der Bauernkinder sieht keine Zukunft mehr in Landwirtschaft Premium

DBV-Präsident Rukwied will (noch) nicht von einem Höfesterben sprechen. Laut einer Studie der DZ-Bank droht aber der "Abschied vom jahrhundertealten Modell des bäuerlichen Familienbetriebs".

Rund 5000 bäuerliche Betriebe schließen pro Jahr in Deutschland (1,5 bis 1,7 %) und die Tendenz zu größeren Höfen steigt weiter. Trotzdem will DBV-Präsident Joachim Rukwied nicht von einem Höfesterben sprechen. Die Entwicklung sei „durchaus verträglich“ und entspreche dem natürlichen „Strukturwandel“, sagt Rukwied der Wochenzeitung DIE ZEIT. Auch veränderte Lebensentwürfe trügen dazu bei. „Ein Teil der Bauernkinder sieht keine ökonomischen Zukunftsperspektiven in der Landwirtschaft.“

Als kritisch betrachtet der Bauernvertreter hingegen die Lage bei den Schweinehaltern. Deren Zahl habe sich in weniger als zehn Jahren halbiert, sagt der Landwirt. Er macht dafür vor allem neue Umweltauflagen verantwortlich, die den Landwirten hohe Investitionen für Ställe und Gülledepots abverlangten.

In dem lesenwerten Artikel in der ZEIT stellen die Autoren fest, dass die "Klasse der Überlebenden - die Bauern", wie es Schriftsteller John Berger einst sagte, zum ersten Mal in der Geschichte nicht überleben könnte. Gab es im Jahr 1960 in Deutschland rund 1,5 Millionen bäuerliche Betriebe, so ist davon heute nur noch etwa ein Fünftel übrig. Rund 5000 weitere schließen derzeit pro Jahr – Tendenz zunehmend. Laut einer Studie der DZ Bank könnten im Jahr 2040 bloß noch 100.000 Höfe existieren. Es drohe der "Abschied vom jahrhundertealten Modell des bäuerlichen Familienbetriebs", heißt es.

Etwas mehr Hoffnung hat DLG-Präsident Hubertus Paetow, der ...

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerd Schuette

Aktuell 5000 Betriebe pro Jahr, die aufhören. Nach der Studie der DZ-Bank hören in den kommenden 20 Jahren 2 von 3 Landwirten auf. Und dies ist eine "verträgliche" Zahl? So hat sich zumindest Herr Rukwied geäußert...

von Christian Bothe

Subventionen

@Gruber, Ihren Aussagen nach zu urteilen,brauchen Sie für den Betrieb keine Agrarsubventionen und benötigten scheinbar auch keine Dürrehilfen? Meinen Glückwunsch dazu,das der Betrieb so gut aufgestellt ist und das ist sicher beispielhaft...!1957 hatte die EWG für die LW eine Sonderrolle neben anderen Volkswirtschaftszweigen beschlossen und ich zitiere "Es galt, durch eine gemeinsame Agrarpolitik die europäische Nahrungsgüterproduktion zu steigern, die Märkte zu stabilisieren und damit die Versorgung und die Belieferung der Verbraucher zu angemessenen Preisen sicherzustellen..." Das ist und macht u.a. die GAP aus und die Bereitstellung finanzieller Mittel. Alle OECD-Länder und weltweit Länder von Neuseeland,USA,Australien bis Skandinavien haben solche Erzeugerstützungsmaßnahmen. Eine ganz klare Rechnung ist, und da haben Sie auch recht,das mit dem Ansteigen der Erzeugerpreise Subventionen verringert oder umgeschichtet werden können. Solange das nicht so ist,werden insbesondere Mutterkuh-und Schafhaltungsbetriebe ohne diese Unterstützungen kein Einkommen haben, und ich rede hier von Thüringen. Warum sollen nun Betriebe unterschiedlicher Rechtsform auf die Ihnen zustehende Unterstützung (Bio-Betriebe bekommen noch mehr) aus Brüssel verzichten,insbesondere wenn abzusehen ist, das sich die Direkthilfen nach 2020 verringern?

von Bernd Müller

Herr Bothe

Es sind nicht alle Disliker. Ich stimme ihnen 100%ig zu! Man kann nicht immer nur über die anderen Marktpartner schimpfen. Jeder ist seines Glückes Schmied. Wir sind alle Unternehmer und müssen uns geänderten Rahmenbedingungen anpassen und eigene Wege finden um damit umzugehen. Das größte Problem ist, wie schon in meinem Kommentar vorher gesagt, die fachlich falschen Behauptungen in der Öffentlichkeit um Stimmen und Spendengelder abzufangen. Diese erzeugen in der Öffentlichkeit ein völlig falsches Bild von der modernen Landwirtschaft und vermiesen somit den jungen Unternehmern den Einstieg. Schade!

von Karlheinz Gruber

Herr Bothe

wenn diese Großbetriebe die Zukunft sein sollen, wie Sie befürworten, dann frage ich mich aber warum genau diese Betriebe einer Kappung der Zahlungen und vielfältige Hinweise auf Unterstützung und Dürreprogrammen gerade zu nachlaufen. Und genau diese Betrieb argumentieren ohne die Ausgleichszahlungen nicht existieren zu können. Auch haben viele dieser Betriebe die Ernte schon versetzt, bevor um den Aufwand für die Produktion kaufen zu können! So Zukunftsfähig sind diese auch nicht, wie sie uns weiß machen wollen. Wo sind denn die monetären Kostenvorteile? Warum wird immer dem Zuschuß nachgeschrien, wenn er gekappt werden soll. Warum denn Dürrebeihilfen, wenn in der Regel eine Ernte am Konto, eine am Feld und eine im Lager ist. Evtl. weil Ihre Richtung auch so ziemlich krankt? Wir können nicht gegen das Ausland antreten. Keiner in egal was für einer Größe. Denn dort sind die Lohnkosten anders, die Mittelzulassungen anders, die Haltebedingungen anders usw. Auf gut Deutsch. keiner hat gegen die Konzerne aus dem Ausland eine echte Chance. Und auch nicht die Großen. Nur das Schließen der Grenze und die kontrollierte Einfuhr nach unseren Standards würde uns was bringen. Aber her geht ein Kamel durch ein Nadelör….

von Christian Bothe

Lesermeinungen zum Kommentar

Trotz der Daumen nach unten, ich sehe die Entwicklung unserer LW so.Seien wir doch mal ehrlich auch diese Entwicklung ist global zu sehen und deshalb werden neue Züchtungsverfahren,die Grüne Gentechnik und Digitalisierung den "Bauernhof"der Zukunft bestimmen. Wie auch immer die Ernährungsindustrie hat ein Wörtchen mitzureden trotz aller Bekundungen zur Regionalität,dem Tierwohl oder dem Bio-Produkt.Sie werden stets versuchen niedrige Einkaufspreise zu verhandeln. Wenn es mit hiesigen Produkten nicht möglich ist,wird importiert. Das ist so und wird so bleiben und deshalb müssen wir die Betriebe,auch die Familienbetriebe so organisieren,das sie zukunftsfähig und profitabel bleiben. Alles andere vom idyllischen Bauernhof ist zwar schön aber auch wettbewerbsfähig? Abschließend zur Thematik kann ich nur den Jugendlichen empfehlen sich moderne Großbetriebe anzuschauen und zu überlegen dort sich eine Zukunft aufzubauen.

von Johannes Bessai

Fraglich...

...ob am Ende tatsächlich die junge Generation nicht auf dem Hof bleibt weil die Chancen ausserhalb der Landwirtschaft besser als in der Landwirtschaft sind sei mal dahingestellt. Tatsächlich ist es oft keine Frage von besser oder schlechterer Chance sondern von realer "Alternativlosigkeit". Oftmals würden hohe Opfer (viel Arbeit, wenig Brot) gerne erbracht um nur weitermachen zu könne, aber keiner lässt sich auf ein Himmelfahrtskommando ein. Die Gesellschaft, der Bauernverband und letztlich der Berufstand muss sich an einem Punkt entscheiden welche Landwirtschaft man vertreten möchte, dann ergeben sich Perspektiven - oder eben keine - von ganz automatisch!

von Bernhard ter Veen

bzgl Höfesterben...

was hier in D momentan als STERBEN angesehen wird, ist , nachdem eine ganze Generation das Gespenst von "wachsen oder weichen" eingetrichtert worden ist, womit sich vielzuviele finanziell völlig übernommen haben, wohl eher ein "Höfemorden" seitens der politisch so gewollten Verwaltung und der diesbezüglich generierten Arbeitsplätze. Dazu keine kostendeckenden Marktpreise und Almosen aus dem Steuersäckel... ein System der bürokratischen Einschüchterung, überbordende Vorschriften und Zerordnungen, Bußgeldkataloge und Repressalien. Ich muss sagen - auf diesen Monstreusen Berufsalltag bekommt wahrlich niemand mehr Lust auf einen 24-7 Job. Wirklich traurig was aus dieser BÜROKRATEN E-U geworden ist. Und nun Prangert einjeder möchtegern Besserwisser uns in jeder...aber auch jeder gesellschaftspolitischen Sch... als den Sündenbock an. ich kann verstehen wenn Betriebe das nicht mehr mitmachen wollen.

von Hans Nagl

Scherbenhaufen!

Zum Beispiel Schweinehaltung, es wurde uns Milchbauern bei Abschaffung Quote von den im Markt erfolgreich angekommen Schweinehaltern erzählt. Und jetzt die Enttäuschung. Jetzt wären wieder Auflagen schuld.

von Klaus Fiederling

Kraft macht keinen Lärm, sie ist da und wirkt. (Albert Schweitzer)

...Unser Bauernverband positioniert sich als die „EINE STIMME“ der Bauern allerdings unverkennbar extrem saft- und kraftlos. - Wir müssen daher schlichtweg zur Kenntnis nehmen, dass nach Ansicht solcher hoch verehrten bäuerlichen intellektuell befähigten Entscheidungsträger in Vordenkerrolle unsere ca. 16 Mio. Hektar LN in Deutschland mittelfristig, spätestens innerhalb einer Dekade, mit allenfalls noch um die 50.000 Vollerwerbsbetrieben in der Bewirtschaftung ihren „Sollwert“ erreichen wird. // Gerade die ostdeutschen Betriebe dürften analog vorstehender Einlassungen von Herrn DBV-Präsident Rukwied mithin aktuell ökonomisch bestens aufgestellt sein; nach einem nassen, gefolgt von einem extremen Dürrejahr kann als drittes Jahr nahtlos also jedes weitere „Problemchen“ betriebswirtschaftlich schmerzlos verkraftet werden. - Wenn die Strukturen dort so exzellent zu sein scheinen, warum schreit man förmlichst nach der alljährlichen Gießkanne, verteidigt diese mit Zähnen und Klauen bis aufs Messer!? Vielleicht aber hat sich die DZ-Bank ihre Daten und Fakten auch nur aus den Fingern gesaugt? // Es drängt sich zunehmend der schmerzliche Eindruck auf, dass unsere Bevölkerung keine Bauern mehr braucht; allenfalls ihre stillhaltenden Prügelknaben, ...und da sind verbleibende 50.000 an der Zahl wahrlich mehr als genug, solche enorme Belastungsproben fortwährend physisch und psychisch aushalten und verkraften zu müssen. Rukwied hat so unrecht also nicht, nur die gedanklichen Wege hin zu jener imaginären Zahl könnten stärker kaum divergieren. Unser werter Herr Rukwied, der ehrenwerte Herr Holzenkamp, ein Dr. Henning Ehlers, um nur einige dieser Protagonisten namentlich zu nennen, sie alle vertreten die Interessenlage all jener herausragend gut, die AN DER LW exzellent zu verdienen wissen - gestern schon, heute und auch künftig noch. Schade, dass unsere Öffentlich Rechtlichen dazu einen mehr als oberflächlichen Bericht ablieferten, den der DBV berechtigt nur entspannt einfach weglächeln durfte. Viel heiße Luft ohne wirkliche Substanz, schon gar keine guten Lösungsansätze - purer Europawahlkampf eben! // Insofern verwundert es auch wirklich nicht, dass für unseren Bauernpräsidenten Rukwied der Kannibalismus unter uns Bauern dato völlig irreal ist, obgleich dieses Klima hochgradig vergiftet ist. Nur so lässt sich erklären, warum er gegenüber seinem gemeinen Stimmvieh immer wieder mit seinen unglaublichen Emotionstheorien aufwartet, und selbige mit schwachsinnigen Umfragen eines jeweils filigran ausgesuchten 500-Personen-Klientels perfekt zu untermauern weiß. // Durch den Wegfall der Hofabgabeklausel geht nunmehr das Sterben auf vielen Höfen etwas langsamer vonstatten, was jedoch nicht über die Gegebenheit hinwegzutäuschen vermag, dass auf unseren Äckern, in den Ställen, vorwiegend Grau- und Weißhaarige malochen bis zum Umfallen, so lange, bis die 2 Meter Tiefe für selbige bedrohlich nahe gerückt sind...

von Christian Bothe

LW der Zukunft?

@Doll,wo ist das Problem?In erster Linie geht es doch um die Produktion von Nahrungsmitteln und das schon seit Jahrhunderten. Die industrielle LW ist eben eine Richtung dieser Entwicklung in der Neuzeit und wird es mit Abstrichen in die eine oder andere Richtung bleiben. Das heißt aber nicht, das die Kleinbetriebe(wie groß diese auch sind, wir haben Wiedereinrichter von über 600ha)sich nicht auch weiter entwickeln, wenn auch in geringerer Zahl. Dürr in Russland zeigt wie es geht und das in anderen Dimensionen...

von Josef Doll

Die Anforderungen, und Voraussetzungen

Begünstigen den Großbetrieb. Daran kann der Bauernverband nichts schlimmes erkennen . Da die Betriebe allerdings so groß werden das der Zukunftsbetrieb einen Rechtsanwalt , oder sonstige Führungsaufgaben die Akademische Ausbildung fast schon vor raus setzt. Den Bauernverband der heutigen Form brauchen wir somit mangels Masse nicht mehr. Es lebe der Bauernhof auf Aktien Basis ....... Wie viel Ha hat unser Deutsche Russe Dürr ...................

von Christian Bothe

Junglandwirte

@Niemann,hören Sie doch endlich mal auf mit diesen dummen Sprüchen zur Entwicklung unserer Landwirtschaftsbetriebe im Osten nach der Wende, H.Niemann! Die Agrargenossenschaften und GmbH's sind die Zukunft einer entwickelten effektiven nachhaltigen LW die Pflanzen-und Tierproduktion betreffend,was übrigens der Genossenschaftsverbandspräsident dieser auch Tage betonte. Ohne diese Großbetriebe und auch kleinbäuerliche Unternehmungen konventionell und ökologisch(mit Abstrichen) wird es keine ausreichende Versorgung der Bevölkerung geben. Was die Unternehmensnachfolge im Osten angeht, gibt es hier für qualifizierte Junglandwirte ein reiches Betätigungsfeld und ich kann nur jedem empfehlen an so einer Exkursion teilzunehmen.Es gibt genug Möglichkeiten einen modernen zukunftsträchtigen Betrieb jedweder Rechtsform zu übernehmen.Auch Sie H.Niemann sollten sich mal intensiv in den NBL umsehen,um Ihren Horizont in Richtung Osten zu erweitern.

von Heinrich Roettger

Die Gesellschaft braucht die Jungbauern, aber die Jungbauern haben exellente Alternativen auf dem Arbeitsmarkt.

Bauernkinder sind in der Wirtschaft besonders anerkannt und umworben.Ihre auserordentlichen Fähigkeiten haben Sie auf dem bäuerlichen Familienbetrieb quasi mit der Muttermilch aufgesogen . Hohe Bereitschaft zur Arbeit ,aussergewöhnliches Pflichtgefühl und eine hohe Sozialkompetenz zeichnet unsere jungen Bauernkinder aus. Wenn wir die Jungbauern auf den Betrieben behalten wollen , müssen wir Ihnen mit höchster Wertschätzung und guten Angeboten zur Seite stehen.

von Eckehard Niemann

Niedersächsische Landjugend orientiert Hofnachfolger so: Agrarfabriken gucken...

Gefördert durch das Bundesagrarministerium bietet die bauernverbandsnahe Niedersächsische Landjugend (nlj) eine „Wochenendtour“: Vom 10.-12.5.2019 geht es um die Besichtigung „der gigantischen Betriebe der Landwirtschaft in Ostdeutschland“. Und alles unter dem Motto „Groß-größer-am größten - Landwirtschaft XXL – Betriebe der Superlative in Ostdeutschland“. Versprochen wird, die „ManagerInnen der landwirtschaftlichen Betriebe persönlich kennenzulernen“: „Jeder fängt mal klein an und so werden wir erfahren, wie die Betriebe zu ihrer Größe gekommen sind.“ Das Programm enthält u.a. Besuche - bei „Deutschlands größtem Obstanbau- und Vermarktungsbetrieb“, - bei einem „riesigen Aquaponik-Farmsystem“ oder - bei „LFD Holding“ (Nachfolgeunternehmen der Straathof-Agrarindustrie). Es ist zu erwarten, dass die staunenden Landjugendlichen sehr viel hören werden über die weitere agrarindustrielle Verdrängung ihrer angeblich überholten Bauernhöfe durch „moderne Agrarfabriken oder -konzerne“. Eher unwahrscheinlich auch, dass die obige Pauschal-Behauptung „Jeder fing mal klein an“ korrigiert werden wird durch Informationen - über die massive Subventionierung von LPG-Nachfolgebetrieben oder anderen Agrarindustriellen seit der Wende oder - über deren einseitige Förderung und Stützung durch Bundes- und Länderregierungen sowie Treuhand und BVVG bei der Landvergabe oder - über die Aneignung der einst durch DDR-Zwang geschaffenen Großbetriebe durch LPG-Ex-Kader, auf Kosten von LPG-Mitgliedern, Wiedereinrichtern oder bäuerlichen Neugründern oder - über den zunehmenden Verkauf dieser angeeigneten Unternehmen an andere Agrar- oder Finanz-Industriellen…

von Eckehard Niemann

Lob für den ZEIT-Artikel von Christiane Grefe

Erfreulich, dass Christiane Grefe nicht wie so viele andere nur oberflächlich von „Bäuerlichkeit“ schwärmt, sondern dass sie damit wirklich die Bauern selbst meint, nicht nur irgendwelche Vorstellungen über Ökologie oder „Natürlichkeit“. Grefe, der es tatsächlich um eine Landwirtschaftsstruktur mit Bauern und Bauern-Höfen geht, benennt deshalb auch deren wesentliche sozialökonomischen Merkmale: „Bäuerliche Familien leben in kleinen Betriebseinheiten von ihrer selbst-ständigen Arbeit auf eigenem Grund. Nachhaltige Langfrist-Ökonomie wegen des Denkens in Generationen und nicht nach kurzfristigem Gewinn von Aktionären. ----- Und sie berichtet von einer süddeutschen Expertengruppe und deren Benennung von zukunftswichtigen Kriterien und Bauernhof-Prinzipien: Beständigkeit, rhythmisch strukturierte und mit der Natur verbundene Tagesabläufe, stabile Arbeits- und Sozialbeziehungen, Familien oder Hofgemeinschaften als wirtschaftliche und soziale Einheiten, Wirtschaften in Kreisläufen, praktisches Wissen, Einbeziehung der langfristigen Boden-Fruchtbarkeit in einem erweiterten Kapitalbegriff. Schade nur, dass es dieser Expertengruppe offenbar weniger um den Erhalt vieler vorhandener Bauernhöfe geht, sondern nur um die „Übertragung“ des „inneren Bauplans“ eines Hofes auf die „moderne Gesellschaft“ – in Form von Stadt-Land-Gemeinschaften wie der „Regionalwert AG“ mit Bürgern als Investoren.

von Eckehard Niemann

Danke an die ZEIT-Journalistin Christiane Grefe für ihren wichtigen Artikel, aber...

... der entscheidende Punkt wird auch in diesem ZEIT-Artikel nicht genannt: die Durchsetzung kostendeckender und gewinnbringender Erzeugerpreise anstelle einer politisch unsicheren Abhängigkeit von staatlichen Zahlungen. Eine solche Preispolitik, die nur EU-weit ohne Wettbewerbsverzerrungen funktioniert, muss die ja noch weitgehend bestehenden Importzölle gegen über dem Dumpingpreis-Weltmarkt weiter sichern und die erzeugerpreis-drückenden Überschussmengen EU-weit durch verbindliche EU-Vorgaben abbauen: Wirklich echte und wirksame EU-Vorgaben zu Fruchtfolgen, Schlaggrößen, Tierwohl oder Chemie-Einsatz würden durch „Klasse statt Masse“ die Angebotsmengen geringer und besser machen – und damit auf dem Markt für faire Erzeugerpreise sorgen. Ergänzt durch mengenbegrenzende Marktvorgaben gegen Überschüsse und durch Flächen-Direktzahlungen allein für kleine und mittlere Betriebe – damit die sich gegenüber Agrarkonzernen auf dem Pachtmarkt weiter behaupten können. Gute Ansätze für eine gewerkschaftsanaloge Erzeugerpreispolitik dazu gibt es bei den Mengenregulierungs-Forderungen vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und bei der Nachfragemengen-orientierten Biomilch-Mengenbegrenzungs-Strategie.

von Hermann Bramkamp

kein Aufschrei

Beim Bauernpräsidenten ist von Aufschrei nichts zu spüren . Ruckwied spricht vom VERTRÄGLICHEM STRUKTURWANDEL . Eine Armselige Analyse der Situation . Ich schäme mich für die Äußerung useres Präsidenten.

von Bernd Müller

Strukturwandel....

... hat es schon immer gegeben und wird es auch weiterhin geben. Egal ob konventionell oder Bio. Dieses ist allein schon in dem Fortschritt der Technik begründet! Die Produktion wird immer effizienter und besser durch neue Technik und zu dem auch noch umweltfreundlicher. Das Problem ist dabei, dass diese Technik auch eine gewisse Menge produzieren muss um rentabel zu sein und ist mit der „Bullerbü“- Landwirtschaft halt nicht zu bezahlen. Insofern hat Herr Ruckwied recht. Ein Hauptproblem ist allerdings die immer wieder fachlich falschen Anschuldigungen in der Presse und durch die NGOs wie Nabu, Bund usw! Das zermürbt!!! Hier müssen wir Wege finden um endlich wieder zu einer sachlichen Diskussion zu kommen.

von Annette Eberle

Kritische Lage bei Schweinehaltern

Bei den Schweinehaltern bekommen wir in den nächsten Jahren den totalen Strukturbruch. Ständig neue Auflagen ( K.-K.-K.- und Labelkennzeichnung ) erhöhen die Kosten wo langfristig nicht bezahlt werden . Dazu noch die Dauerkritik der Medien und anderer Gruppierungen, dies führt dazu das die nächste Generation auf den Betrieben keine Schweine mehr hält. Viele Betriebe nehmen die aktuell guten Preise mit und investieren in die Schweinehaltung nichts mehr . Investitionen kann nur tätigen wer Geld verdient und seine Zukunft positiv sieht, dies war die letzten Jahre bei den Schweinen nicht der fall. !!!

von Gerd Uken

Der Bauernpräsident sieht das Ganze

Aus einem anderen Blickwinkel... Mit den aktiven Landwirten verschwindet auch das Dorfleben. Jetzt die Schweinehalter bzw. Sauenhalter als Beispiel ist zu kurz gedacht. Wer hat den Milcherzeugern erzählt ihr müsst wachsen, wachsen u. jetzt versucht man mit Weidemilch mehr Wert zu generieren- das alles passt nicht Herr Rukwied. Wo der seine Brötchen verdient wissen wir ja. Das Höfesterben ist so jedenfalls nicht auf zu halten

von Hans-Josef Graeven

Bauernkinder sehen keine Zukunft........

Landwirtschaft beinhaltet das Wort "Wirtschaften"! Damit ist eigentlich alles gesagt. In der Spitze müssen auf einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb drei Generationen leben. Um zukunftsfähig zu sein, müssen 100000€ besser noch 120000€ Gewinn möglichst dauerhaft erwirtschaftet werden. Punkt! Dafür sind schon gewisse Betriebsgrößen notwendig. Wenn das für die nächsten 20 Jahre nicht sicher scheint, wenn stattdessen die urbane Gesellschaft von einer "Bullerbü" Landwirtschaft zum Nulltarif träumt, ja wenn Diffamierungen und Rechtfertigungen, anstatt Anerkennung täglich dazu gehören, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn Bauernkinder keine Zukunft mehr in der Landwirtschaft sehen.

von Rudolf Rößle

Hohe Arbeitsbelastung

und wenig Erholungsphasen machen die Tierhalter mürbe und nervös.

von Renke Renken

Bei unserem Kreisverband

wird gute Arbeit geleistet, aber in den darüber angesiedeltem Landesverband und beim deutschen Bauerverband ist die Arbeit für ihre eigenen Mitglieder unterirdisch und beschämend

von Hans-Josef Graeven

Bauernkinder sehen keine Zukunft........

Landwirtschaft beinhaltet das Wort "Wirtschaften"! Damit ist eigentlich alles gesagt. In der Spitze müssen auf einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb drei Generationen leben. Um zukunftsfähig zu sein, müssen 100000€ besser noch 120000€ Gewinn möglichst dauerhaft erwirtschaftet werden. Punkt! Dafür sind schon gewisse Betriebsgrößen notwendig. Wenn das für die nächsten 20 Jahre nicht sicher scheint, wenn stattdessen die urbane Gesellschaft von einer "Bullerbü" Landwirtschaft zum Nulltarif träumt, ja wenn Diffamierungen und Rechtfertigungen, anstatt Anerkennung täglich dazu gehören, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn Bauernkinder keine Zukunft mehr in der Landwirtschaft sehen.

von Albert Maier

Wahnsinn

"Die Entwicklung sei „durchaus verträglich“ und entspreche dem natürlichen „Strukturwandel“, sagt Rukwied der Wochenzeitung DIE ZEIT." Wenn Ruckwid dies tatsächlich so gesagt hat (was ich nicht glauben kann) müsste er sofort zurücktreten. Niederträchtiger gegenüber seinen eigenen Mitgliedern gehts nicht mehr. Der Niedergang der Schweinehaltung hingegen ist doch in aller erster Linie der verhängnissvollen, falschen Veredlungsoffensive des DBV anfang diese Jahrhunderts geschuldet. Die daraus resultierenden Umweltauflagen sind doch die Folgen dieser Inititative, und damit nicht die Ursache des Problems. Ein typisches Beispiel für Tatsachenverdrehung und Bauernverdummung!

von Matthias Zahn

Lächerlich

Das der DBV sich ständig über die steigenden Auflagen aufregt und gleichzeitig als Vertreter der Ernährungsindustrie permanent für Dauertiefpreise sorgt, ist geradezu lächerlich. Natürlich will er nicht vom Höfesterben reden, denn das würde im Ergebnis bedeuten, dass man dagegen etwas tun muss. Solange der DBV behauptet, es sei alle noch im grünen Bereich, braucht man auch nichts tun. Im übrigen sind steigende Umweltauflagen nicht per se ein Problem, sondern die Tatsache, dass die Finanziellen Möglichkeiten der Betriebe begrenzt sind. Für diese Perspektivlosigkeit ist der DBV als klassischer Verrtreter der Ernährungsindustrie mit Verantwortlich. Er (der DBV) hat das Wachsen und Weichen als Unternehmensphilosophie erkoren, weshalb ihm Betriebsaufgaben sehr entgegen kommen. Sie sind kein Problem sondern eine Notwendigkeit für dieses System. Inflationär steigende Kosten können bei stagnierenden Preisen nur über Wachstum abgefedert werden. Und dazu braucht es Betriebsaufgaben. Also lieber Herr Ruckwied, stehen Sie zum Geschäftsmodell des DBV und hören Sie auf Bedauern vor zu gaukeln.

von Hans Nagl

Wenn

Wenn ein Branche seit 30 bis 50 Jahre die gleichen Erzeugerpreise hat dann braucht man sich nicht wundern wenn sie stirbt . In einem Hochlohnland wie Deutschland zu meinen man sei mit Standard Rohstoffen konkurrenzfähig ist schon be........

von Hans Nagl

Wenn

Wenn ein Branche seit 30 bis 50 Jahre die gleichen Erzeugerpreise hat dann braucht man sich nicht wundern wenn sie stirbt . In einem Hochlohnland wie Deutschland zu meinen man sei mit Standard Rohstoffen konkurrenzfähig ist schon be........

von Heinrich Esser

Wenn Rukwied

das Höfesterben immer noch nicht (an)erkennt, ist ihm echt nicht mehr zu helfen. Vielleicht sollte er über einen Rücktritt nachdenken. Dem Schwund der Höfe muss endlich entgegengewirkt werden. Anscheinend sind Weltmarkt und Direktzahlungen nicht die Allheilmittel, als das sie verkauft werden.

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