Intensive Kälberaufzucht – und was wollen die Kälber? Premium

In der Kälberaufzucht halten sich viele Meinungen: „Kälber müssen früh zum Wiederkäuer erzogen werden.“ Oder „Je weniger Milch sie bekommen, desto mehr fressen sie.“ Aber stimmt das?

Professorin Dr. Anke Schuldt, Dr. Regina Dinse    Gesunde, leistungsstarke Milchkühe erfordern eine intensive Kälber- und Jungrinderaufzucht. Ein hohes Tränkeanrecht von mehr als 8l ist dafür eine Grundvoraussetzung. Es stellt sich die Frage, in welcher Höhe und wie lange dieses angeboten werden muss. Da Kälber junge Säugetiere sind und es zu ihrem Wohlbefinden gehört, ihr Saugbedürfnis befriedigen zu können, sollte bei der Erstellung von Tränkeplänen auch ihr natürliches Verhalten berücksichtigt werden.   Es ist bekannt, dass die metabolische Programmierung, die über das gesamte Leben wirkt, in den ersten Lebenswochen stattfindet. Daraus wurde abgeleitet, dass in dieser Zeit hohe Tränkemengen verabreicht werden müssen. Danach sollen die Kälber früh an eine hohe Beifutteraufnahme gewöhnt werden, um sich schnell zum Wiederkäuer zu entwickeln. Die Einsparung von Kosten für Vollmilch oder Milchaustauscher spielt dabei eine große Rolle. Aber was wollen die Kälber? Machen sie die frühe „Erziehung zum Wiederkäuer“ mit? Wie sieht es aus, wenn die Kälber „selbst entscheiden können“, wann sie wie viel Tränke und Beifutter aufnehmen? An der Hochschule Neubrandenburg wurden dazu Untersuchungen in Praxisbetrieben durchgeführt. Ziel der Untersuchungen ist es, einen Tränke- und Beifutterplan zu erarbeiten, der hinsichtlich der Höhe und Dauer des Tränkeanrechts und der Beifuttermengen von den natürlichen Bedürfnissen der Kälber ausgeht und deshalb ihr Verhalten einbezieht. Dazu wurden Daten zur Tränkeaufnahme erhoben und die täglich aufgenommene Futtermenge gewogen sowie das Verhalten der Kälber erfasst. Von Betrieb 1 wurden aus den Aufzeichnungen der Tränkeautomaten die Tränkemengen sowie die Besuche an der Abrufstation pro Tag und Kalb sowie die Sauggeschwindigkeit ausgewertet. Das maximale Anrecht wird in diesem Betrieb bis zum 49. Lebenstag (LT) bzw. zum Ende der 7. Lebenswoche angeboten. Die Kälber wurden bis zum 65. Lebenstag abgetränkt. Die Tränke wird bei Abruf in einer Konzentration von 160g Milchaustauscherpulver (MA, 50% Magermilchanteil) je l Wasser angemischt.  Die Untersuchungen zum Verhalten der Kälber fanden in Betrieb 2 statt. Das MA hatte ebenfalls einen Magermilchanteil von 50% und wurde in einer Konzentration von 155 g/l Wasser angeboten. Das maximale Anrecht von 10l Milchaustauschertränke (MAT) stand bis zum 28. Lebenstag zur Verfügung. Vom 29. LT an erfolgte das allmähliche Abtränken bis zum 69. LT. Über den gesamten Zeitraum der Gruppenhaltung wurde das Verhalten der Saugkälber mittels Überwachungskameras aufgezeichnet. Anschließend wurden die Videos in der Hochschule Neubrandenburg angeschaut und das Tränke- und Beifutteraufnahmeverhalten mit der Software interact (Version 16, Mangold International GmbH) codiert.  Die vorgelegte Beifuttermenge wurde in beiden Betrieben täglich für jeweils die gesamte Gruppe erfasst (Tab. 1). Aus diesen Daten wurde die täglich aufgenommene Beifuttermenge je Tier und Tag berechnet. Die Altersdifferenz der Kälber betrug in den Gruppen maximal 2 Wochen. Alle Daten wurden mit dem Programm Excel 2010 statistisch bearbeitet. Tränkemenge je Tränketag, Besuche an der Abrufstation und Sauggeschwindigkeit Um die tägliche MAT-Aufnahme in Abhängigkeit vom Tränkeanrecht vergleichen zu können, wurden die Datensätze der Phase des maximalen Anrechts von Kälbern in Betrieb 1 nach dem Eingewöhnen an die freie Aufnahme von der Abrufstation, d.h. vom 15. bis 49. LT, verglichen (Abb. 1 und 2). Bei begrenztem Anrecht von 10l pro Tag nahmen die Kälber an 48% der Tränketage weniger als 8l MAT auf, bei einem täglichen Anrecht von 12l an 62%. Bei einem Anrecht von 10l MAT nahmen die ...

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