Das sind die Kriterien für das staatliche Tierwohllabel

Die Kriterien für die staatliche Tierwohlkennzeichnung stehen. Sie verlangen mindestens 20 % mehr Platz, keine betäubungslose Kastration und den Ausstieg aus dem Schwanzkupieren. Auch für den Transport und die Schlachtung gibt es höhere Tierschutz Anforderungen. Hier die Details in der Fotostrecke (unten) sowie in der Tabelle (Download).

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat am Mittwochmorgen in Berlin die Kriterien für die freiwillige, staatliche Tierwohlkennzeichnung vorgestellt. Sie umfasst drei Stufen und wird zunächst für Schweine gelten. Später sollen Kriterien für Geflügel und noch später für Rinder hinzukommen. Im Vergleich zu den ersten Entwürfen ist Klöckner den Landwirten bei den Kriterien in der Endversion noch etwas entgegenkommen.

Mehr Platz, strukturierte Buchten, schmerzfreie oder keine Kastration

Im Vergleich zum gesetzlichen Mindeststandard verlangt die Kennzeichnung für die erste Stufe 20%, für die zweite Stufe 47% und für die dritte Stufe 91% mehr Platz. Außerdem ist in der dritten Stufe für die Gewichtsklasse ab 30 kg ein Auslauf vorgeschrieben. Bei der Buchtenstrukturierung ist das BMEL den Landwirten etwas entgegengekommen. Es gewährt ihnen statt mit drei Maßnahmen nun auch schon bei der Auswahl von zwei Maßnahmen das Label. Zur Auswahl stehen zum Beispiel erhöhte Ebenen, Mikroklimabereiche, weiche Liegeflächen, Scheuereinrichtungen oder Abkühlvorrichtungen sowie unterschiedliche Lichtverhältnisse. Die betäubungslose Ferkelkastration ist vom Tierwohlkennzeichen ganz ausgeschlossen, zulässig sind für den Erhalt des Labels nur Kastration mit Betäubung, Ebermast oder Impfung gegen Ebergeruch.

Ausstieg aus Schwanzkupieren und Kastenständen

Das Schwanzkupieren nur noch in der ersten Stufe erlaubt, wenn nachgewiesen werden kann, dass es anders nicht geht, das BMEL formuliert es mit dem Passus „Einstieg in den Ausstieg“. Vorgaben für die Fixierung von Sauen im Deckzentrum und Abferkelstall gibt es allerdings noch nicht. Sie sollen erst dann ins Label aufgenommen werden, wenn dazu die Tierschutz-Nutztierhaltung-Verordnung verschärft wurde. Das soll noch in diesem Frühling geschehen. Die Säugephase von Sauen wird für die erste Stufe des Labels auf 25 Tage und in den weiteren zwei Stufen auf 28 und 35 Tage angehoben.

Mehr Tierschutz bei Transport und Schlachtung

Viel Wert legt das BMEL darauf, dass es für das Kennzeichen nicht nur höhere Standards für die Haltung, sondern auch für den Transport und die Schlachtung gibt. Der Transport soll nur noch höchstens 8 Stunden auf dem LKW betragen, ab vier Stunden müssen Einstreu und Tränken angeboten werden. Bei der Schlachtung verlangt das Tierwohlkennzeichen höhere Tierschutzvorrichtungen im Wartebereich und bei den verschiedenen Betäubungsmöglichkeiten. Veraltetete CO2-Betäubungsanlagen, bei denen die Tiere vereinzelt werden müssen, sind zum Beispiel nicht mehr erlaubt, wenn das Fleisch später das Tierwohlkennzeichen tragen soll.

Das BMEL bewirbt sein Label mit Kriterien von der Geburt bis zur Schlachtung (Bildquelle: BMEL)

Klöckner braucht einen Erfolg

Für Landwirtschaftsministerin Klöckner ist ein Erfolg der staatlichen Tierwohlkennzeichnung wichtig. Es ist eine der Hauptvorhaben, die die große Koalition sich vergangenen Frühling in das Landwirtschaftskapitel des Koalitionsvertrags geschrieben hat. Vereinbart haben CDU/CSU und SPD, dass es bis zur Mitte der Legislaturperiode fertig ist. Nun ist geplant, dass erste Produkte Mitte 2020 in den Läden liegen. In den vergangenen Monaten und Wochen hat das BMEL intensiv versucht, für seinen Ansatz der Freiwilligkeit und für die drei Stufen zu werben. „Damit nicht nur Verbraucher darüber informiert werden, sondern auch viele Landwirte mitmachen, planen wir eine mehrjährige Informationskampagne im Zeitraum der Einführung des Kennzeichens“, kündigte Klöckner an. Bisher waren dafür 70 Mio. € im Bundeshaushalt vorgesehen.

Finanzierung über den Verbraucher

Finanzieren soll sich der Mehraufwand für die Landwirte für das Label über den Markt. „Verbraucher sollen schnell erkennen können, wo mehr Tierwohl drinsteckt, und Tierhalter sollen für ihre Mehrinvestitionen zum Wohle der Tiere honoriert werden. Denn: Die Mehrkosten für mehr Tierwohl kann nicht alleine der Tierhalter tragen. Wir Verbraucher sind gefragt, unseren Wünschen nach mehr Tierwohl beim Einkauf auch Ausdruck zu verleihen“, erläuterte Klöckner diesen Punkt.

Eine Tabelle mit den konkreten Kriterien für das Tierwohlkennzeichen des BMEL finden sie hier zum Nachlesen.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Hauke Lembke

Und wer soll das bezahlen ?

Immer mehr Auflagen und Forderungen von Seiten der Politik. Dem Verbraucher ist das zwar grundsätzlich nicht egal, doch bezahlen wird er es nicht. Am Ende werden die sehr hohen Mehrkosten bei der Landwirtschaft hängen bleiben. Das war's dann wohl mit der Schweineproduktion in Deutschland. Billig gibt's dann aus dem Ausland mit ebenfalls tollem Tierwohlläbel. Der Ausstieg durch die Hintertür. Und wer ist als nächstes dran ???? Heile Welt " Made in Germany". Was der Deutsche nicht sieht ist im doch egal. Es gibt Dinge die werden sich in Deutschland nie ändern. Jetzt kommt halt die "Ökodiktatur". Der Propaganda Apparat läuft jedenfalls schon auf vollen Touren. Schönes Deutschland

von Willy Toft

Es tut mir Leid es zu sagen, wir werden es nie allen Recht machen!

Wir haben wieder mal Mehrkosten, mehr Arbeit und Aufwand, und am Ende wird es nicht honoriert!! Da wird sich nichts dran ändern, und die billige Ware wird stets gewinnen. Die Abstimmung an der Ladenkasse ist fakt, und zeigt uns die Realität auf!

von Arne Hansen

Honoriert der Verbraucher Tierwohl?

Ist es dem Verbraucher etwas wert, Tierwohl im Einkauf zu honorieren? Ist die Vermarktung zu kostendeckenden oder sogar gewinnbringenden Preisen gesichert?? Heute gesehen in der Onlineausgabe der Bildzeitung: https://www.bild.de/regional/leipzig/leipzig-news/acht-tage-nach-eroeffnung-russen-discounter-feiert-wiedereroeffnung-59983136.bild.html

von John Nissen

Zu Inkonsequent

An sich sind die Kriterien verständlich und durchdacht, aber damit gibt es nur wieder mehr Durcheinander an Labeln. Warum macht Frau Klöckner nicht gleich die 2. oder 3. Stufe als gesetzlichen Standard ab 2025. Und ab dann darf in D auch kein Tier mehr ins Geschäft kommen, dass nicht mindestens so aufgezogen wurde. Damit wären wir die ganzen Diskussionen los und der Verbraucher hat einfach keine Wahl mehr das billige Fleisch zu kaufen. Die Preise steigen zwar erst drastisch, aber anders wird es zukünftig eh nicht gehen. Dann würde ein Landwirt mit weniger als 5000 Mastplätzen Schweine davon auch wieder leben können.

von Bernhard Randler

ITW und staatliches Label müssen sich vereinigen

Ist schon interessant. 2 Jahre nach der feierlichen Enthüllung des Logos durch Minister Schmidt (one Äppel a day keeps Putin away) kommt mal wieder was. Dreist ist es auch. Die private Wirtschaft hat es geschafft mit ITW ein funktionierendes System aufzubauen. Ein bisher nie dagewesenes Erfolgsmodell! Das wird nun vom Staat in verschärfter Form kopiert und paralell eingeführt. Finanziert werden soll es vom Verbraucher der zwar sagt ihm sei Tierwohl was wert aber laut Studie ist nur 16 % der Bevölkerung tatsächlich bereit einen kleinen Obulus dafür zu geben. Eine staatliche Finanzierung des staatlichen Label kann ich aus dem Ankündigungstext nicht erkennen. Bin gespannt ob der Handel da mitmacht. Ist auch hahnebüchen, einer Erfolgsgeschichte mit einer verschäften staatlichen Kopie Konkurrenz zu machen. Da die Kriterien deutlich aufwändiger sind, muss es auch deutlich mehr geben als für ITW. Wieviel bleibt uns die heutige Ankündigung schuldig. Da es auch 4 Stufen sind wie beim Haltungskompass des Handels bleibt eigentlich nichts anderes übrig als ITW und Klöckner Label zu verschmelzen. Sonst kennt sich keine Sau mehr aus.

von Josef Doll

Deshalb zürnt Kühnast

Nur ein Staatliches verpflichtendes Tierschutzlabel bringt Sie dem Großen Ziel näher die Tierhaltung so teuer zu machen das zumindset in De "diese " nicht mehr möglich ist . Vegan ist das Ziel und da muß DE Vorreiter sein. Und mit Fleischverzicht und 100 % Bio ist ihr/das Traumziel der Grünen/ und ihrer Lobbyisten Greenpaece , Nabu, WWF, ..... erreicht . Eine Massentierhalung gibt es nicht da es weder von den Lobbyisten : Greenpaece ,Nab...... noch den Grünen eine Grenze gibt die nicht schon bei <<<< 3>>> anfängt !!! Ach zuguterletzt muß man noch die AFD wählen denn nur so gibt wenn es nicht schon den Linken ,SPD, und den Grünen schon reicht eine Schwarz / Grüne zusammenarbeit die Ein Tierwohllabel , "bessere" Düngerverordnung,...........

von Steffen Hinrichs

Wie hoch sind die zusätzlichen Kosten ?

Die Mehrkosten soll der Verbraucher freiwillig tragen !!!! Das sehen wir ja bei der Weidemilch ,die kostet im Laden 10 cent mehr und der Erzeuger sieht davon nicht 1 Cent . Der Bauer ist wieder der d... !

von Paul Siewecke

das ganze bleibt...

eine Mogelpackung, die auch noch wieder Zertifizierungskosten erzeugt und dafür dem Verbraucher schöne heile Welt vorgaukelt. So, wie es im Moment aussieht, kann das ganze nur zum Rohrkrepierer werden, und zwar für konventionell und Öko....

von Christian Bothe

staatliches Label

Ich habe ja gestern schon meine Meinung dargelegt und das ändert sich heute auch nicht. Ich bin allerdings gespannt wie das staatliche Tierwohllabel mit dem LEH -Handelskompaß in Einklang gebracht wird und ob der Kunde mehr dafür bezahlen muß, wird oder will.! Die Schaltstelle ist nun der LEH beim Einkauf der staatlich gelabelten Schweine. Das wird sicher noch interessant, da wir ja noch QS, QM, Vlog, ITW usw. zertifizieren. Mir tut schon jetzt der Konsument leid, der ein Stück Schweinefleisch kaufen möchte. Warum Bioland manövert, verstehe ich nicht bei den Verbindungen zu Lidl...Vielleicht produzieren sie nicht so zuverlässig wie konventionelle Betriebe der "Massentierhaltung" und können deshalb nicht eingeordnet werden, H. Plagge.

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