Milcherzeugung

Rettet das Braunvieh!

Wer sich derzeit unter Braunviehzüchtern umhört, merkt schnell, dass etwas nicht stimmt. Ist die Rasse noch zu retten? Ein Kommentar.

Der folgende Kommentar von Felicitas Greil stammt aus der aktuellen Südplus 1/2019. Den ganzen Beitrag zum Thema finden Sie hier. Oder Sie bestellen Sich die ganze Ausgabe im Probeabo direkt auf den Hof.

Wer sich derzeit unter Braunviehzüchtern umhört, merkt schnell, dass etwas nicht stimmt. Die Besamungszahlen schwinden, Fleckvieh und Holsteins halten Einzug in die Milchviehställe, Unzufriedenheit macht sich breit.

Seit Jahren gehen die Zuchtrichtungen zwischen Milch und Exterieur auseinander und spalten die Züchterschaft. Die Besamungsstationen versuchen den Spagat im Bullenangebot zu schaffen und bieten „von jedem etwas“ an. Zwischen den Ländern – ja sogar zwischen Bundesländern – wird mit vollkommen unterschiedlichen Zuchtstrategien gearbeitet.

Es kommentiert: Felicitas Greil, Redakteurin und Braunviehzüchterin aus Osttirol. (Bildquelle: Privat)

Dazu kommen verschiedene wirtschaftlicheund politische Rahmenbedingungen der Alpenländer. Viele Baustellen, die langfristig angesichts der jetzt schon kleinen Population das Aus des Braunviehs im Alpenraum bedeuten können!

Jetzt muss jeder Landwirt, Züchter, Einstufer, Zuchtbeauftragter, Zuchtleiter und Geschäftsführer seinen Beitrag zum Erhalt der Rasse leisten:

Es ist höchste Zeit für ein einheitliches Zuchtprogramm für Deutschland und Österreich. Denn die Länder verbindet bereits die gemeinsame Zuchtwertschätzung sowie die enge Kooperation von Besamungsorganisationen. Derzeit versuchen die verantwortlichen Zuchtleiter „ins Gespräch zu kommen.“ Daraus müssen schnellstmöglich Fakten folgen!

„Jetzt muss jeder – egal, ob Landwirt, Zuchtleiter oder Geschäftsführer – seinen Beitrag zum Erhalt der Rasse leisten.“

Die internationale Zusammenarbeit aller europäischen Braunviehorganisationen muss verstärkt werden. Denn die Probleme betreffen alle und sollten auch beim Namen genannt werden. Die Europakonferenz 2019 in Imst/Tirol ist die nächste Möglichkeit, sich mit diesen Themen länderübergreifend auseinanderzusetzen.

Die Marschrichtung „Milch“ muss im Vordergrund stehen, damit die Braunvieh-Kuh wirtschaftlich konkurrenzfähig bleibt. Wir brauchen keine schlechte Kopie der Holsteins, aber eine leistungsbereite Kuh, die mit Fitness und Nutzungsdauer punktet. Ihr hervorragendes Exterieur ist die beste Basis dafür.

Es müssen sich noch mehr Landwirte und Züchter den Typisierungsprogrammen anschließen. Damit lässt sich neue Genetik finden und Zuchtfortschritt generieren. Solide Daten in den Gesundheitsmerkmalen können ein Schlüssel sein, um die Vorzüge der Rasse hervorzuheben.

Trotz aller Zweifel sollten die Züchter jetzt nicht das Vertrauen in die Zuchtwerte verlieren! Denn das ist unser Fundament!

Zuchtleiter und Fachgremien müssen sich wieder mehr mit den Landwirten austauschen, anstatt Probleme nur im kleinsten Kreis zu diskutieren. Leider haben die Zuchtleiter aus Deutschland, Schweiz und Österreich auch die Chance, sich im Beitrag ab Seite 10 einzubringen, nicht genutzt.

Landwirte sollten mehr in grundsätzliche Entscheidungen eingebunden werden und damit auch Verantwortung übernehmen können. So bleibt die Rinderzucht in bäuerlicher Hand!

Es ist an der Zeit, deutliche Signale für die Zukunft des Braunviehs zu setzen! Nur so entsteht aus Verunsicherung und Resignation wieder Motivation für die Rasse. Gehen wir’s an!

Zum Beitrag.

Artikel geschrieben von

Silvia Lehnert

Redakteurin SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Fredy Abächerli

Braunviehzucht - Resultat einer schwachen Führung

Danke, endlich einmal ein ungefilterter Bericht über's Braunvieh aus Sicht der Kunden. Der ernüchternd beschriebene Stand der europäischen Braunviehzucht ist das Resultat wenn persönliche und finanzielle Interessen der Führungskräfte wichtiger sind, als die positive Förderung des Braunviehs zum Nutzen aller Braunviehzüchter. Besonders in der Schweiz wird das Exterieur durch geschicktes Vermarkten des Wertes von schönen Kühen für Viehschauen und Handel gegenüber der Wirtschaftlichkeit überbewertet. So wird es möglich, dass seit Jahrzehnten Exterieurstiere mit teils bedenklichen Vererbungsschwächen höchste Besamungszahlen erreichen. Von Fantastic gibt es zum Beispiel bereits über 11400 Schweizer Töchter. Swissgenetics verkauft ihn immer noch gut, obwohl er seit über drei Jahren mit höchster Sicherheit die Leistung nicht verbessert und dazu noch mit Fruchtbarkeit 71 und Melkbarkeit 84 höchst bedenkliche Fitnesswerte liefert. An einer positiven Zukunft des Braunviehs interessierte Zuchtleiter müssten ihre Mitglieder schon lange vor dem Einsatz von Stieren wie Fantastic warnen und Swissgenetics auffordern, solche Stiere aus ihrem Angebot zu entfernen.

von Gerhard Steffek

Gottes Mühlen mahlen langsam, aber trefflich fein -

pflegte mein Vater immer zu sagen. Er bezog es zwar eher auf Straftaten, aber man kann es eigentlich auf alles anwenden. Bezogen auf diese Rinderrasse, aber auch alle anderen Rassen, nennt sich das dann Selektion. Sonst hätten wir heutzutage auch noch Dinosaurier rumlaufen. Ironisch zynisch gesagt, jetzt erwischt es eben das Braunvieh. Nüchtern betrachtet wird es so sein. Den Züchtern und Liebhaber dieser Rasse wird wirklich was einfallen müssen, wollen sie die Wirtschaftlichkeit und den Sinn dieser Linie ins rechte Licht rücken und die Vorteile hervorheben. Nur wenn man sieht wie die Deutschen, aber auch anscheinend ganz Europa, z.B. den Wolf ins Rampenlicht rücken und diesen hegen und schützen wollen, weil er doch ach so wichtig ist, anstatt sich um so eine alte Nutztierrasse zu kümmern, der sieht sehr schnell, muß eigentlich sehr schnell erkennen, daß wahrlich etwas nicht mehr stimmt. Eigentlich sehr viel nicht mehr stimmt. Wie heißt es so schön - wenn es dem Esel zu wohl wird....

von A.-Wolfram Schwarz

Wer Kühe unterschiedlicher Rassen...

...hält, wird feststellen, dass sich Milch am einfachsten mit (schwarzbunten) Holsteins produzieren lässt. Die Gründe dafür liegen in der züchterischen Historie, wonach jahrhundertelang (auch notgedrungen) sehr linieneng selektiert worden ist, was zu genetisch sehr gesunden Kuhfamilien geführt hat. Mit dem fortschreitenden Strukturwandel und der damit verbundenen Spezialisierung wird sich deshalb der Trend zu HF fortsetzen. Das merkt man auch im Fleckviehbereich. Dort steigt der Holstein-Einfluss halt kontinuierlich über die rote Farbvariante.

von Renke Renken

Auch eine Folge

der Globalisierung und des ewigen Preisdrucks - alles muß der totalen Ökonomie unterworfen werden

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