Wirtschaftsdünger aufbereiten

So werden Gülle und Gärrest zu Dünger Premium

Wirtschaftsdünger können mit der richtigen Aufbereitung Mineraldünger und Energiepflanzen für Biogasanlagen ersetzen. Mit dem richtigen Verfahren profitieren Abgeber und Aufnehmer.

In vielen Veredelungsregionen gibt es zu viel Stickstoff und Phosphat im Nährstoffkreislauf. Dagegen zeigen Ackerbauregionen großes Interesse an Wirtschaftsdünger. Denn damit können sie teuren Mineraldünger ersetzen. Doch Gülle und Gärrest enthalten viel Wasser und haben keine homogene Qualität. Darum sind Lösungen zur Aufbereitung und Verwertung gefragt.

Gezielte Aufbereitung nötig

Ulrich Löhr vom Netzwerk Ackerbau Niedersachsen rät Veredelungsbetrieben, Gülle oder Gärreste gezielt für Ackerbauregionen aufzubereiten. Die Pflanzenbauer, die bislang mineralisch gedüngt haben, seien homogene Dünger und gezielte Gaben gewöhnt. Er schlug Kooperationen vor, bei denen Abgeber und annehmende Betriebe gemeinsam eine Mistplatte bauen. Das würde zu mehr Zuverlässigkeit auf beiden Seiten führen. „Ziel muss es sein, die Düngeeigenschaften zu verbessern, um dem Produkt einen Wert zu geben“, fordert auch Dr. Harm Drücker aus dem Fachbereich Energie, Bauen und Technik der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Darum sind neue Verfahrenskombinationen gefragt. Die künftige Gülle- und Gärrestaufbereitung muss mehrere Probleme lösen: Nährstoffe gezielt exportieren, die Transportwürdigkeit verbessern und damit die Entsorgungskosten senken.

Separation im Mittelpunkt

Die Aufbereitung muss daher zum Kunden, also zum Abnehmer der Wirtschaftsdünger passen. Hierbei haben sich in den letzten ein bis zwei Jahren zwei Strategien als praxisnahe Lösung entwickelt:

  • Der viehhaltende Betrieb in Überschussregionen separiert die Rohgülle – entweder mit einem eigenen, kleineren Separator kontinuierlich, oder er beauftragt einen Lohnunternehmer, der größere Mengen auf einmal bearbeitet.
  • Die Dünnphase bleibt bei diesem Verfahren auf dem Betrieb, die Feststoffe liefern Dienstleister an Biogasanlagen in Ackerbauregionen. Einige Biogasanlagenbetreiber haben auch eine Direktbeziehung zu den Viehhaltern aufgenommen und holen die Feststoffe dort ab.
  • Die zweite Lösung: Biogasanlagen in Veredelungsregionen nehmen Gülle und Mist von Viehhaltern an, vergären diese und verarbeiten den anfallenden Gärrest zu Dünger. Dieser lässt sich dann in Ackerbauregionen vermarkten.

Run auf die Festphase

Aktuell gibt es einen regelrechten Run auf die Feststoffe von separierter Rindergülle. „Sie sind ideal für die Biogasanlage und inzwischen beliebter als Hähnchenmist oder Hühnertrockenkot. Denn sie enthalten weniger Stickstoff, was für die Biologie im Fermenter besser ist“, sagt Carsten Bahlburg von der Firma BST Innova aus Tarmstedt (Niedersachsen), die sich auf Gülle- und Gärrestaufbereitung spezialisiert hat. Außerdem enthält der Feststoff keine Fasern – anders als z.B. strohreicher Pferde- oder Rindermist. Darum lässt sich das Material gut mit bestehender Einbringtechnik verarbeiten.

Zudem ist das Material günstig: In vielen Regionen können es Biogasanlagenbetreiber kostenlos abholen oder bekommen es ...

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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