Protest

Thüringen/Unterfranken: Pläne für Stromtrasse P44 vom Tisch

Nach Protesten sind die Pläne für die Stromtrasse P44 von Thüringen nach Unterfranken vom Tisch. Dafür dürfen auf bayerischen Äckern mehr Solaranlagen gebaut werden.

Jahrelange Proteste gegen die geplante Stromtrasse in Nordbayern haben Wirkung gezeigt. Laut bayerischer Staatskanzlei werden weder die geplante Trasse P44 (von Altenfeld in Thüringen nach Grafenrheinfeld in Unterfranken) noch die unter dem Namen P44mod diskutierte Alternative durch den Landkreis Bamberg umgesetzt. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) habe sich mit dem Bund und den beteiligten Ländern Thüringen und Hessen geeinigt.

In einem Schreiben des Wirtschaftsministeriums heißt es, dass ein anderes Stromtrassen-Projekt – die Trasse P43 – in ihrer ursprünglichen Form von Mecklar in Hessen nach Grafenrheinfeld gebaut werde. Sie soll allerdings so weit wie möglich mit Erdkabeln realisiert werden, was laut Staatskanzlei "enorm zur Landschaftsverträglichkeit beiträgt".

Alternative Trassen-Verläufe komplett in Hessen konnte man laut Wirtschaftsministerium in den Verhandlungen nicht durchsetzen. Auch andere Leitungen – wie die Juraleitung von Nürnberg nach Landshut – sollen teilweise erdverkabelt werden.

Der Netzbetreiber Tennet reagierte laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks gelassen auf die Entscheidungen. "Wir nehmen die getroffenen Vereinbarungen zur Kenntnis", sagte eine Unternehmenssprecherin dem Bayerischen Rundfunk. Die Politik verzichte mit der P44 und deren Alternativvariante auf eine Stromleitung, die ohnehin noch in keinem Gesetzesverfahren gestanden habe.

Die P43-Pläne müsse der Bundestag nun im Bundesbedarfsplangesetz festschreiben. Nach Einschätzung des Netzbetreibers sei damit erst im nächsten Jahr zu rechnen.

Mehr Photovoltaik-Anlagen erlauben

Der bayerische Ministerrat hat zudem beschlossen, die bisherige Höchstgrenze für Photovoltaik-Anlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen heraufzusetzen. Bisher lag die Grenze bei maximal 30 Freiflächen-Anlagen pro Jahr auf Acker- und Grünlandflächen in benachteiligten Gebieten. Künftig dürfen jährlich im Freistaat 70 dieser Anlagen entstehen.

Pläne für Ostküstenleitung werden überarbeitet

Unterdessen teilt Netzbetreiber TenneT mit, die sogenannte Ostküstenleitung erst später fertigstellen zu können. Die Rede ist von sechs statt drei Jahren. Auch der genaue Trassenverlauf, über den seit Jahren gestritten wird, könnte sich noch einmal ändern, meldet der NDR. Nach eigenen Angaben will Tennet durch die Änderungen mögliche Klagen abwenden.

Konkret geht es um den Abschnitt zwischen Quickborn (Kreis Pinneberg), Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) und Stockelsdorf (Kreis Ostholstein) bei Lübeck. Besonders in Henstedt-Ulzburg gibt es seit Jahren Proteste. Die Sorge: die Starkstromleitung könnte am Ende mitten durch Wohngebiete verlaufen.

Während Kritiker die Ankündigung als Erfolg werten, erklärt TenneT hingegen, man wolle lediglich Klagen verhindern. Der Betreiber verweist unter anderem auf ein Gerichtsurteil, das vorschreibt, dass vor allem Leitungen in der Nähe von Wohnsiedlungen genau geprüft werden müssen.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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