Waldschäden

Borkenkäfer in NRW: Waldbauern reichen Hilfen nicht

NRW erwartet eine Borkenkäferplage. Der Waldbauernverband fordert 16,5 Mio. Euro Soforthilfe und versteht das Zögern der Landesregierung nicht. Die kontert, man habe schon Millionen zusätzlich bereitgestellt.

Der Waldbauernverband NRW kritisiert, dass sich das Düsseldorfer Umweltministerium und der Landtag noch nicht für eine Soforthilfe wegen der Borkenkäferplage ausgesprochen haben. Die Waldbesitzer fordern bekanntlich 16,5 Mio. Euro.

Die Mittel sollen vor allem zur Bekämpfung der Schädlinge sowie für zusätzliche Lagerkapazitäten für Holz verwendet werden. „Die geforderten Hilfsmittel gehen „Eins-zu-eins“ in den Wald und dienen der Umsetzung der notwendigen Sofortmaßnahmen“, so der Vorsitzende des Waldbauernverbandes NRW, Dr. Philipp Freiherr Heereman.

Man verstehe in Anbetracht der Dimension des Schadens und der Appelle des Landesforstbetriebes NRW, in der Sache aktiv zu werden, die zögerliche Haltung der Landesregierung nicht. So sei NRW mit bislang 1,2 Mio. Euro an Soforthilfen Schlusslicht und unterstütze, anders als alle anderen betroffenen Bundesländer, Eigenhilfen der Waldbauern nicht.

"Während auf Bundes- und Landesebene über eine CO2-Steuer diskutiert wird, lässt die Politik die Borkenkäfer ihr zerstörerisches Tun fortführen. Dabei ist gerade die schnellwachsende Fichte die wichtigste CO2-Senke in unseren Wäldern. Wenn die Fichtenbestände jetzt flächenweise absterben, wird diese CO2-Senke auf Jahre hinweg ausfallen“, so Heereman.

Der Borkenkäfer hat in NRW bereits über zwei Mio. Festmeter Fichtenholz befallen und es wird noch mehr werden. Die gesamte Schadholzmenge für 2018 in NRW wird sogar auf 4,3 Mio. Festmeter geschätzt – neben dem Borkenkäfer gehören auch Sturmschäden dazu. Nach Aussage des Landesbetriebes Wald & Holz NRW hat bisher der Großteil der Käfer überlebt. „Die gilt es jetzt effektiv zu bekämpfen und nicht an den Details von irgendwelchen Förderanträgen zu feilen“, so Heereman.

„Land steht an der Seite der Waldbauern“

Ursula Heinen-Esser (Bildquelle: Land NRW / R. Sondermann)

NRW-Agrarministerin Ursula Heinen-Esser stellte unterdessen klar, dass das Land die Sorgen der Waldwirtschaft „sehr ernst“ nehme und weitere Mittel zur Unterstützung der Waldbauern prüfe.

"Die Schäden sind enorm, das gesamte Ausmaß noch nicht abzusehen. Um zu besprechen, in welcher Form welche Hilfe erforderlich ist, stehen wir in einem regelmäßigen Austausch mit den Waldbesitzern und unserem Landesbetrieb", so Ministerin Heinen-Esser. Erforderlich seien neben finanziellen Hilfen unter anderem der Abtransport und die Lagerung von Schadholz und Unterstützung bei dessen Vermarktung.

Das Land Nordrhein hat den Waldbauern laut der CDU-Politikerin kurzfristig Hilfe auf mehreren Ebenen zukommen lassen. Unter anderem hat das Land bereits erste Sondermittel in Höhe 1,2 Millionen Euro für die Waldbauern bereitgestellt, Förderanträge lägen bisher in einer Höhe von 1,1 Millionen Euro vor. Heinen-Esser: "Da wir im Laufe des Jahres mit weiteren Anträgen auf Förderung rechnen, können wir die bereits bereitgestellte Summe kurzfristig um weitere 4,5 Millionen Euro aufstocken." Auszahlungen können natürlich erst nach Durchführung der Maßnahmen erfolgen.

Darüber hinaus hat das Land nach Aussage Heinen-Essers dem Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen eine Million Euro für zusätzliches Personal in 2019 zur Verfügung gestellt, dass bei der Erfassung von Art und Umfang aktueller Schäden in den Regionalforstämtern mitarbeitet. Weiterhin helfe eine Vielzahl von Mitarbeitern im Bereich der Beratung von Privatwaldbesitzern intensiv mit.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Anton Schulze Grotthoff

Nur hohle Worte?

Es ist ja lobenswert das Frau Ministerin Heinen-Esser als NRW - Agrarministerin eingesehen hat, das der Schaden enorm und das Ausmaß der Schäden noch nicht abzusehen ist. Ihre Aussage das Sie mit den Waldbesitzern und dem Landesbetrieb Wald und Holz im regelmäßigem Austausch steht, mag für den regelmäßigem Austausch mit dem Landesbetrieb Wald und Holz zu treffen, ist aber für den Waldbesitzer nach der im Artikel gemachten Aussage, das der Landesforstbetrieb einen Apell an die Landesregierung NRW gerichtet hat, hier aktiv zu werden, für den Waldbesitzer nicht nachvollziehbar. Ich lade hiermit Frau Ministerin Heinen -Esser gerne ein, sich ein Bild von der schwierigen Situation vor Ort zu machen. Ich erwarte, das Sie mir als Waldbesitzer erläutert, wie sich die Landesregierung die Vorgehensweise bei der Aufarbeitung, dem Abtransport und die Unterstützung bei der Vermarktung des Holzes vorstellt. Da auf Bundes- und Landesebene eine CO² Steuer diskutiert wird, rege ich hiermit an, dass diese Gelder dann an die Land- und Forstwirte weitergeleitet werden, da dieser Personenkreis mit seinen Pflanzen und Bäumen dieses CO² aufnimmt und in Sauerstoff umwandelt. Dieser Prozess ist Überlebens wichtig für die Allgemeinheit.

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