Wissenschaftler suchen Schwachstellen bei der Milchviehhaltung

In ökologisch wirtschaftenden Milchviehbetrieben erkrankt mehr als die Hälfte der Milchkühe im Schnitt mindestens einmal im Jahr. Für Prof. Albert Sundrum von der Uni Kassel (Witzenhausen) ist das auf Dauer kein akzeptabler Zustand.

In ökologisch wirtschaftenden Milchviehbetrieben erkrankt mehr als die Hälfte der Milchkühe im Schnitt mindestens einmal im Jahr. Für Prof. Albert Sundrum von der Uni Kassel (Witzenhausen) ist das auf Dauer kein akzeptabler Zustand.

Wie die Hessische/Niedersächsische Allgemeine Zeitung berichtet, hat er deshalb ein internationales Forschungsprojekt gestartet, das in den nächsten vier Jahren Schwachstellen im derzeitigen Gesundheitsmanagement ökologischer Milchviehbetriebe identifizieren und die Gesundheit von Milchkühen verbessern soll. Agrarwissenschaftler, Veterinärmediziner, Agrarsoziologen und Ökonomen aus sechs Ländern wollen nun 200 Betriebe untersuchen. Alle Erkenntnisse der Studie sollen schließlich in einer Software münden, die auch für konventionell wirtschaftende Betriebe anwendbar sei. Die EU unterstützt das Projekt mit 2,8 Mio. Euro.

„Das vermehrte Auftreten von Krankheiten in Nutztierbeständen ist eine Herausforderung für die Landwirtschaft“, erklärt Sundrum der Zeitung weiter. Dies gelte nicht nur für die konventionelle, sondern auch für die ökologische Landwirtschaft. Die Leistungs- und Produktivitätssteigerungen in der Nutztierhaltung hätten in den zurückliegenden Jahrzehnten zu deutlichen Preissenkungen geführt.

Verbraucher müssten für Lebensmittel tierischer Herkunft heute nur noch einen sehr geringen Anteil ihres Einkommens aufwenden. Kehrseite der Leistungssteigerungen seien hohe Anforderungen an die Nutztiere und die Landwirte. Nicht erst seit der Diskussion um den übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung interessierten sich Verbraucher und Politiker für die Tiergesundheit, die schließlich eine Voraussetzung für hochwertige Lebensmittel sei.

Bayern startet Informationsdienst Pro Gesund

Unterdessen hat Bayern heute ein eigenes Monitoring-Programm gestartet, das die Gesundheit und das Wohlbefinden der Rinder verbessern soll. Das gemeinsam mit der Landestierärztekammer initiierte Projekt unter dem Namen „ProGesund“ soll die von Landwirten und Tierärzten derzeit getrennt geführten Tierdaten gezielt miteinander verknüpfen. www.progesundrind.de

Video: Prof. Albert Sundrum bei 3sat zum Thema "Fleischqualität und Tierschutz"
 

64 Tierschutzaktivisten angeklagt

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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