Tierwohllabel: Staatlich, privat oder beides? Premium

Auf fast jeder SB-Verpackung klebt mittlerweile ein Label. Vor allem aus dem Handel kommt ein Vorstoß nach dem anderen. Prof. Dr. Achim Spiller von der Uni Göttingen erklärt, was gerade passiert und warum sich alle Tierhalter damit auseinandersetzen sollten.

Das Thema Tierwohlkennzeichnung überrollt derzeit die Republik. In immer kürzeren Abständen starten neue Tierwohlprogramme. Weil die Politik nicht in die Gänge kommt, haben zuletzt die Handelsketten die Initiative übernommen (siehe Kasten). Am Steuer sitzen nun Lidl, Aldi und Co. Das sieht auch Prof. Dr. Achim Spiller so und hält die Einführung eines staatlichen Labels daher für umso wichtiger.

Bei der Vielzahl der Kennzeichnungen verlieren nicht nur Landwirte mittlerweile den Überblick. Grundsätzlich lassen sich Label in vier verschiedene Kategorien einteilen. Je nachdem, ob sie nur auf das Haltungssystem bezogen sind oder umfassend Tierwohl prüfen und ob sie freiwillig oder verpflichtend sind (siehe Übersicht 1).

Ein Beispiel für eine freiwillige Haltungskennzeichnung ist das Weidemilchlabel, das in Deutschland immer häufiger genutzt wird. Eine verpflichtende Haltungskennzeichnung ist das Eiersystem mit seinen Zahlen von 0 (Bio) bis 3 (Käfig). Im Gegensatz dazu arbeitet ein Tierwohllabel umfassender. Das Siegel des Deutschen Tierschutzbundes zieht z.B. auch Tiergesundheitsdaten zur Zertifizierung heran und ist freiwillig. In diese Kategorie gehört auch das für 2020 angekündigte staatliche Tierschutzlabel. Ein verpflichtendes Label gibt es in Deutschland bisher nicht.

Auch wenn sich Verbraucher immer noch stark an der Haltung der Tiere orientieren, gehört die Zukunft wohl der Zertifizierung mit Tierwohlindikatoren:

  • Tiergesundheitsdaten (im Betrieb, vom Schlachthof)
  • Management (z.B. Ausbildung, Fortbildung des Personals, kein Kupieren)
  • Genetik (z.B. langsam wachsende Rassen, robuste Rassen)
  • Tierverhalten (z.B. haltungsbedingte Krankheiten, Mensch-Tier-Verhältnis)

Hier steht die Entwicklung allerdings noch am Anfang. Denn bisher werden hauptsächlich Tiergesundheitsindikatoren genutzt, die der Schlachthof mit einigen Ungenauigkeiten erfasst. Denkbar sind aber auch Tierverhaltensparameter, die man zertifizieren könnte.

Handel prescht vor.

Auch der sogenannte vierstufige Haltungskompass von Lidl ist im ...

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Artikel geschrieben von

Andreas Beckhove

Redakteur Markt

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