Rindfleisch

Verband prangert Heuchelei des LEH an

Das Einkaufsverhalten in Deutschland ist verlogen, findet der Verband. Dass Lidl nun südamerikanisches Rindfleisch zu Tiefstpreisen verkauft, bringt das Fass zum Überlaufen.

Eine nur schwer zu ertragende Heuchelei des Verbrauchers, aber auch des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) prangert der stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Vieh- und Fleischhandelsverbandes, Reinhold Koller, anlässlich der Eröffnung der Grillsaison bei Sonderangeboten für Rindfleisch von namhaften Discountern an.

„Die Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels an unser heimisches Rindfleisch werden ständig in die Höhe geschraubt“, beklagt Koller. „Neben den Qualitätsprogrammen GQ, QS und neuen Programmen für Tierwohl und Haltungsformen, die ein schier unerträgliches Maß an Bürokratie für die Landwirtschaft bedeuten, wird auch der Preisdruck seitens des LEH stets erhöht.“ Dabei sei den Verantwortlichen bewusst, dass die Kosten in der Erzeugung und im Handel in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen seien, erklärt der Branchenkenner.

Entrecôte für nur 15,99 € das Kilo

„Diese Heuchelei gipfelt darin, dass ein Discounter wie Lidl jetzt zur Eröffnung der Grillsaison südamerikanisches Entrecôte zu einem Kilopreis von 15,99 € anbietet“, schimpft Koller. Die heimische Landwirtschaft werde ein weiteres Mal auf dem Altar des Freihandels geopfert. „Unsere bayerischen Bauern produzieren ausreichend Rindfleisch für den eigenen Markt.“

Stattdessen würden die Landwirte mit ökologisch und sozial bedenkliches Billigfleisch aus Südamerika weiter unter Druck gesetzt. Weder LEH noch die Verbraucher würden darüber aufgeklärt, unter welchen Bedingungen die Rinder in Südamerika gehalten, gemästet und geschlachtet werden, so Koller. Es sei zudem ein ökologischer Irrsinn, Rindfleisch um die halbe Welt zu transportieren, um es hier für die Hälfte unserer Fleischpreise anbieten zu können“

„Die Politik muss eingreifen!“

Koller fordert deshalb eine Intervention der Politik und nachhaltige Verbraucheraufklärung. Auch die Behörden und der Gesetzgeber seien gefordert, wenn es um die Vermittlung der Werthaltigkeit des Lebensmittels Fleisch geht.

Und Koller legt nach: „Es zeugt doch von einer vollkommen abgehobenen und praxisfernen Einstellung zum hochwertigen Lebensmittel Fleisch, wenn nun zusätzlich in einer neuen Verwaltungsvorschrift des Bundesrates vom 18. April 2019 festgelegt wird, dass das Fleisch von Schlachttieren am Schlachthof zu Hundefutter verarbeitet werden muss, wenn Flanken, Vorder- oder Hintergliedmaßen der Schlachttiere verschmutzt sind. Gerade bei warmem Wetter sind Verschmutzungen durch Kot beim Transport unvermeidlich. Auch in den vergangenen Jahren war es dann immer möglich, Tiere noch am Schlachthof zu reinigen oder auf andere Weise sicherzustellen, dass Lebensmittelhygiene gewährleistet ist!“

Die deutsche Bevölkerung einschließlich ihrer Politiker bestünde zu 98% aus Experten für Landwirtschaft und nur zu 2% aus Beteiligten, die tatsächlich im Agrarsektor arbeiten und wüssten wovon sie sprechen. Wenn sich hier nicht etwas ändere, so Koller, könne Lidl, genauso wie der letzte Metzger um die Ecke bald nur noch südamerikanisches Fleisch verkaufen.

Zum Verband

Im Bayerischen Vieh- und Fleischhandelsverband sind rund 380 freie Vieh- und Fleischhandelsunternehmen im Freistaat zusammengeschlossen. Sie haben im vergangenen Jahr rund 1,8 Mio. Rinder und 4,8 Mio. Schweine mit einem Handelsvolumen von 6,4 Mrd. Euro bewegt. Der Verband vertritt die Interessen seiner Mitglieder nach außen und dient der Information und Beratung sowie dem Meinungsaustausch.

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Artikel geschrieben von

Andreas Beckhove

Redakteur Markt

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Diskussionen zum Artikel

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von Reiner Matthes

Am Amazonas und in Indonesien wird die Lunge der Welt abgehackt

um hormonverseuchtes Rindfleisch, genmanipuliertes Soja und billiges Palmöl herzustellen. Unsere Politiker schimpfen lieber auf die Deutschen Bauern. Bringt anscheinend mehr Wählerstimmen. Hat sich eigentlich schon mal jemand Gedanken gemacht, wie "Bio" 80 Millionen Deutsche (die -nebenbei bemerkt- immer älter werden) ernähren soll ? Wir sollten auch überlegen, wie unsinnigen Forderungen sachlich inkompetenter Politiker entgegengetreten werden kann.

von Reiner Matthes

Am Amazonas und in Indonesien wird die Lunge der Welt abgehackt

um hormonverseuchtes Rindfleisch, genmanipuliertes Soja und billiges Palmöl herzustellen. Unsere Politiker schimpfen lieber auf die Deutschen Bauern. Bringt anscheinend mehr Wählerstimmen. Hat sich eigentlich schon mal jemand Gedanken gemacht, wie "Bio" 80 Millionen Deutsche (die -nebenbei bemerkt- immer älter werden) ernähren soll ? Wir sollten auch überlegen, wie unsinnigen Forderungen sachlich inkompetenter Politiker entgegengetreten werden kann.

von

Billigfleisch aus Übersee

Südamerika und andere amerikanische Staaten setzen bei Ihrer Rindermast Masthilfmittel, sprich Hormone legal ein und die Rinder wachsen doppelt so schnell wie in Deutschland, wo bleibt da die Kontrolle, wir bringen wieder die Opfergaben für die Autondustrie. Sind wir noch freie Landwirte oder Sklaven des Verbrauchers oder billige Arbeitskräfte für den LEH?

von Gerd Woertel

Wofür

Wofür machen wir eigentlich QS , QM , Tierschutzlabel oder ähnliches? Vermutlich darum das unsere Produkte teuer werden und wir keine Chance mehr haben gegen Fleisch vom Weltmarkt , traurig

von Wolfgang Daiber

Antwort von der Familie Schwarz---Fehlanzeige

ja meine Damen und Herren von Lidl,Kaufland & CO, so geht es nicht, in der Öffentlichkeit die Firma Saubermann spielen ,und im Hintergrund die Daumenschrauben bis zum Exzess anziehen. An die Adresse LI-DL 1, ich gönn euch ihren Reichtum,wenn er Ehrlich erwirtschaftet wird .Nur wenn er mit Methoden generiert wird ,wo eine regionale Produktion vor Ort, wissentlich an die Wand gefahren wird ,so ist es als Unternehmer vielleicht noch als"Kolateralschaden"abzutun,moralisch aber um so verwerflicher. Auch ein Herr Schwarz kann sich nicht mit großzügigen Spenden nicht freikaufen,den an diesen häng dann das Blut der Landwirtsfamilien in Deutschland und in Brasilien. Geh mal davon aus ,daß hierrauf maximal eine Pressemitteilung eines Mitarbeiters der Presseabteilung kommt, wenn überhaupt !

von Werner Kriegl

Rettet die Bienen...

...am Amazonas und kauft nicht bei Lidl! Wäre doch ein tolles Plakat, oder?

von Gerhard Steffek

Verschmutzungen bei warmen Wetter -

nicht nur bei warmen Wetter. Auch durch die immer längere Transportdauer ist das doch vermehrt der Fall. Wie stark ist eigentlich die Verschmutzung der Tiere in Argentinien? In welchem Zustand werden dort die Tiere geschlachtet? Interessiert wahrscheinlich wieder nicht. Hauptsache billig! Vielleicht wird das aber nur gemacht um die CO2-Bilanz zu verbessern. Wir schaffen in DE die Rinder ab und haben somit weniger Probleme mit dem CO2, Nitrat verbessert sich auch, da weniger Gülle. Outsourcing heißt das doch auf Neudeutsch. Aber auch Outsourcing der Probleme. Ab damit zu den Argentiniern, dort interessieren sie nicht. Hauptsache wir haben sie weg und können uns einer weißen Weste rühmen.

von Gerhard Steffek

@Matthias Zahn -

"und es werden Flächen für den Naturschutz frei...", aber auch für Bauland! Das glaube ich ist den Herrschaften im Moment wichtiger... Man ist sich immer selbst der Nächste. Was kümmert den einzelnen der Naturschutz, wenn er kein Dach über den Kopf hat.

von Ahrend Höper

Zensur???

Reinhold Koller hat die Nase voll! Es ehrt sie, sehr geehrter Herr Koller, dass sie sich für ihre einheimischen Fleischproduzenten einsetzen. Aber LEH sind Kaufleute und da geht es um Marktmacht und klingende Kassen, alles andere hat sich unterzuordnen. Vielleicht ist es ihnen entgangen, dass der Mainstream der deutschen amtierenden Politiker gegen heimische Agrarwirtschaft eingestellt ist, mit einer Ausnahme:"ÖKO Bauern". Konventionelle Landwirte sollen mit aller politischer Macht zurückgedrängt werden. Da ist jedes Mittel recht von Mobbing der Landwirtskinder in der Schule, beleidigende, hergesuchte, unqualifizierte Beschimpfungen der Landwirte von BUND und NABU als Schuldige für den Verlust der Artenvielfalt, abstruse "Düngeverordnung" sowie Verbote für wirksame Pflanzenschutzmittel im Ackerbau und Medikamente in der Nutztierhaltung. Nicht zu vergessen, dass es gesetzlich erlaubt ist nachts in Ställe einzubrechen usw. Es ist ein klar erkennbares, abgekartetes Spiel der amtierenden Politiker mit den NGO´s die einheimische, konventionelle Landwirtschaft massiv unter Druck zu setzen. Auch wenn die Kanzlerin vor kurzem sagte, dass sie Landwirtschaft zur Chefsache erklärt, wird sich ganz bestimmt gar nichts ändern!

von Matthias Zahn

Politik soll eingreifen??

Die Politik hat doch schon eingegriffen. Autos raus Rindfleisch rein! Diese Entwicklung ist kein Zufall sondern bewusst so eingefädelt. Natürlich alles unter dem Deckmantel des Freihandels. Aber es gibt auch eine positive Seite. Wenn die Entwicklung so weiter geht, stirbt die Landwirtschaft in Deutschland und es werden Flächen für den Nazurschutz frei. Dann können sich Insekten und Bodenbrüter wieder heimisch fühlen. Und alle sind zufrieden......

von Jens Haman

Es gibt doch ein Antidiskriminierungsgesetz, oder?

Was man dem Tierhalter in der BRD vorschreibt, muss doch auch für den LEH gelten - nämlich dass nur gelistet werden darf, was nachweisbar zu BRD-Konditionen produziert wurde! Fängt bei der Kastration bei Schweinen an und vieles mehr in allen Tiergattungen. Es wird Zeit, dem LEH (Listungs-)Grenzen zu setzen und nicht nur dem schwächsten Glied der Kette!

von Wilhelm Grimm

Vielen Dank, Herr Höper.

So isses !

von Rudolf Rößle

Megaspanne

zwischen dem Erzeugerpreis und Verkaufspreis ist seit langer Zeit zu sehr auseinander getriftet. Das geht aber nicht nur der Landwirtschaft so. So lange dieses vermarktungstechnisch nicht geändert wird, ist finanziell der Erste in der Kette der Dumme.

von Gerd Schuette

Die Politik muss eingreifen...

... denn Markt hat kein Gewissen.

von Ahrend Höper

Reinhold Koller hat die Nase voll!

Es ehrt sie, sehr geehrter Herr Koller, dass sie sich für ihre einheimischen Fleischproduzenten einsetzen. Aber LEH sind Kaufleute und da geht es um Marktmacht und klingende Kassen, alles andere hat sich unterzuordnen. Vielleicht ist es ihnen entgangen, dass der Mainstream der deutschen amtierenden Politiker gegen heimische Agrarwirtschaft eingestellt ist, mit einer Ausnahme:"ÖKO Bauern". Konventionelle Landwirte sollen mit aller politischer Macht zurückgedrängt werden. Da ist jedes Mittel recht von Mobbing der Landwirtskinder in der Schule, beleidigende, hergesuchte, unqualifizierte Beschimpfungen der Landwirte von BUND und NABU als Schuldige für den Verlust der Artenvielfalt, abstruse "Düngeverordnung" sowie Verbote für wirksame Pflanzenschutzmittel im Ackerbau und Medikamente in der Nutztierhaltung. Nicht zu vergessen, dass es gesetzlich erlaubt ist nachts in Ställe einzubrechen usw. Es ist ein klar erkennbares, abgekartetes Spiel der amtierenden Politiker mit den NGO´s die einheimische, konventionelle Landwirtschaft massiv unter Druck zu setzen. Auch wenn die Kanzlerin vor kurzem sagte, dass sie Landwirtschaft zur Chefsache erklärt, wird sich ganz bestimmt gar nichts ändern!

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