Schulze drängt darauf, das Ökolandbauziel zu erreichen

Mehr Einsatz, um das Ziel von 20 Prozent Ökolandbaufläche bis 2030 zu erreichen, hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Donnerstag gefordert. Sie will dafür auch ihren Einfluss auf die Position der Bundesregierung bei der EU-Agrarreform geltend machen. In der Agrarpolitik drängt sich Schulze weiter nach vorne.

Umweltministerin Schulze umringt von Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller, Alnatura-Geschäftsführer Götz Rehn und Hartmut Vogtmann, Beiratsvorsitzender von "Gemeinsam Boden gut machen" heute in Berlin. (Bildquelle: NABU/ Iris Barthel)

„Wir wollen das noch mehr Landwirte umsteigen und Ökolandwirte werden“, sagte Schulze am Donnerstagmittag bei einem Besuch in einem Biosupermarkt in Berlin. Sie wolle sich in der Bundesregierung für eine Steigerung des Bio-Anbaus in Deutschland stark machen. Das im Koalitionsvertrag verankerte Ziel von 20 Prozent Ökolandbaufläche bis 2030 reklamierte Schulze als eine Errungenschaft der SPD. „Ich werde nicht müde, Landwirtschaftsministerin Klöckner an den Koalitionsvertrag zu erinnern“, sagte sie.

Direkten Zugriff auf die Ökolandbaupolitik hat Schulze allerdings nicht. Der Bereich fällt in die Zuständigkeit von Schulzes Kabinettskollegin Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Schulze betonte, dass sie in vielerlei Hinsicht mit Klöckner in Kontakt sei. Konkret nannte sie die Ackerbaustrategie, das Düngerecht, die Pflanzenschutzmittelzulassung und den geplanten Glyphosat-Ausstieg. Erneuert hat Schulze heute außerdem ihre Kritik am Verhandlungsstand zur EU-Agrarreform ab 2020 in Brüssel. „Die Signale in der EU gehen in die völlig falsche Richtung“, sagte sie. Sie wolle sich in der Bundesregierung für eine bessere Honorierung von Umweltleistungen von Landwirten engagieren.

Derzeit werden mit 1,373 Mio. ha in Deutschland rund 8,2 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ökologisch bewirtschaftet. Bis zum 20-Prozentziel fehlen damit noch knapp 12 Prozent. Die Ökobranche hatte Klöckner Anfang November eine Blockadehaltung gegenüber dem Ökolandbau vorgeworfen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) hatte daraufhin widersprochen und erläutert, dass die Maßnahmen für die Umsetzung der Zukunftstrategie Ökolandbau in vollem Gange seien.

„Es tut sich nicht genug, 150.000 Hektar pro Jahr sind nötig, um das 20 Prozent Ökolandbauziel bis 2030 noch zu erreichen“, warnte Alnatura-Geschäftsführer Götz Rehn heute beim gemeinsamen Termin mit Schulze in Berlin. Die Supermarktkette engagiert sich seit 2015 in dem Umstellungsprojekt des Naturschutzbund Deutschland (Nabu) „Gemeinsam Boden gut machen“. Für die nächste Förderperiode des Umstellungsprojektes bis 2022 hat Schulze heute offiziell die Schirmherrschaft übernommen. Bisher hat das Projekt, das Landwirte bei der Umstellung finanziell unterstützt, deutschlandweit eine Fläche von fast 10.000 Hektar erreicht. Bis 2022 wollen die Organisatoren noch einmal 10.000 Hektar Umstellung schaffen.

Die ausgewählten Betriebe erhalten dabei eine Anschubfinanzierung von bis zu 60.000 Euro. Einmal pro Jahr können sie sich für die Unterstützung in Form eines Förderpreises bewerben. Im Jahr 2018 hat das Projekt insgesamt eine Fördersumme von rund 310.000 Euro ausgeschüttet. Sie kommt zustande durch Beiträge von beteiligten Biounternehmen und durch den Verkauf von Aktionsartikeln in Alnatura-Märkten.

Seit 2015 hat das Projekt 53 Landwirte aus elf Bundesländern auf ihrem Weg zum Bio-Betrieb unterstützt. Darunter sind nach Angaben der Initiatoren Milchbauern, Saatgut-Produzenten, Winzer, Schäfer oder Walnuss-Bauern. Auf der Biofach in Nürnberg oder dem Umweltfestival am Brandenburger Tor wurden sie feierlich ausgezeichnet. Die nächste Bewerbungsrunde startet im Februar 2019 und läuft bis zum 31. Juli 2019. Informationen zu Bewerbungsbedingungen Bewerbungsbedingungen gibt es beim Nabu und bei Alnatura.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

Arroganz hoch drei - und dann doch nur heiße Luft

Ich habe heute einem Fachbereichsleiter unseres Wasserwirtschaftsamtes die letzte Studie zur neuen DÜV der DWA (dwa.de) zerlegt. Da kam dann sehr schnell nichts mehr zurück. Diese Erfahrung habe ich bereits öfters gemacht. Auch bei unserem letzten Wahlkampf mit einem Grünen. Zuerst große Klappe und Lippe, aber nachdem er feststellen mußte das diese nichts half war schnell Schluß mit Lustig. Dann kamen nur die üblichen Allgemeinplätze und Ausreden. Auf solche Leute gehört immer ein grober Keil, damit sie wissen wo der Barthel den Most holt, ansonsten tanzen sie dir nur auf der Nase rum. Hier verstehe ich eben den DBV, aber genauso die Klöckner nicht. Der DBV wegen seines Schweigens und die Klöckner weil sie sich da so sehr reinreden läßt. Mit der Schulze, wenn ich sie mir so anschaue, braucht die Klöckner aber auch nicht anfangen zu diskutieren. Da fällt mir eher ein zu sagen: "Diskutiere nie mit Idioten. Du kannst nur verlieren. Zuerst ziehen sie dich auf ihr Niveau runter und dann schlagen sie dich mit ihrer Erfahrung".

von Uwe Lamparter

In der Umweltpolitik

kommt Frau Schulze in ihrem eigentlichen Kernbereich nicht weiter. Deshalb wird fachlich ahnungslos versucht Landwirtschaftspolitik zu machen, insbesondere nach dem Motto wie kommt noch mehr öffentliches Geld in den Biosektor.

von Willy Toft

Man kann nichts erzwingen!

Der Kunde stimmt, wie immer, an der Ladenkasse über die Entwicklung ab!

von Wilhelm Grimm

Frau Künast ist gescheitert, Frau Hendricks ist gescheitert und Frau Schulze wird auch scheitern.

Wenn es um die Ideologie geht, sind der ökologische Fußabdruck und die schädliche Klimawirkung der Ökologischen Landwirtschaft in Relation zur konventionellen Landwirtschaft egal. Wenn einzelne Berufskollegen sich erfolgreich mit Öko behaupten, prima. Sie sollten aber zu gleichen Förderbedingungen arbeiten müssen. Wenn der Kunde Öko möchte, wird er dafür auch gerne mehr bezahlen. Warum soll der Steuerzahler dafür aufkommen. Das besserwisserische Geschrei der Umweltministerin ist ein politischer Skandal.

von Matthias Zahn

Erst mal nachdenken

Bevor sich die Ministerin um eine Ausweitung des Anbaus gedanken macht, sollte sie sich lieber um eine Ausweitung des Absatzes kümmern. Dann folgt der Anbau ohnehin. Also ab sofort mindestens 50 % Bio-Anteil in allen öffentlichen Kantinen festschreiben. Dann klappts auch mit den 20 % Bio Anbau......

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