foodwatch contra BMEL

Klöckner will erweiterte Nährwertkennzeichnung

Julia Klöckner will gemäß Koalitionsvertrag eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung als zentralen Baustein einer Politik für gesunde Ernährung einführen. Sie wisse, dass jedes System Vor- und Nachteile hat. foodwatch kritisiert dagegen den Umgang mit einer MRI-Studie und meint, die Vorteilhaftigkeit einer Nutri-Score-Kennzeichnung passe dem Ministerium nicht.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat ihr Interesse an einer erweiterten und verständlichen Nährwertkennzeichnung bekräftigt, die Verbrauchern den Lebensmitteleinkauf unter gesundheitlichen Aspekten erleichtert.

Man befinde sich mitten in der im Koalitionsvertrag festgelegten Erarbeitung eines vereinfachten Nährwertkennzeichnungssystems, erklärte ein Sprecher ihres Ministeriums in Berlin. Für die Ministerin sei eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung ein zentraler Baustein ihrer Politik für gesunde Ernährung. Der Sprecher reagierte damit auf den Vorwurf der Verbraucherorganisation foodwatch, das Agrarressort halte eine wissenschaftliche Studie zur Nährwertkennzeichnung zurück, weil ihm deren Ergebnisse nicht passten.

foodwatch bezieht sich hierbei auf einen bereits im Herbst 2018 fertiggestellten Bericht des Max-Rubner-Instituts (MRI). Die dem Bundeslandwirtschaftsministerium nachgeordnete Einrichtung hatte unterschiedliche Kennzeichnungssysteme analysiert und bewertet. Offenbar schnitt dabei die 2017 in Frankreich eingeführte Nutri-Score-Kennzeichnung mittels einer fünfstufigen Farbskala am besten ab.

foodwatch vermutet darin die Ursache, dass nicht unmittelbar der Originalbericht, sondern erst im April dieses Jahres eine überarbeitete und relativierte Fassung des Berichts vom Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlicht wurde. Der Ministeriumssprecher wies das zurück und betonte seinerseits den vorläufigen Charakter des nunmehr vorliegenden Berichts.

Zu den Foodwatch-Vorwürfen

Verbraucherforschung wird berücksichtigt

Der Sprecher bekräftigte das Ziel von Ressortchefin Klöckner, dass ein vereinfachtes Nährwertkennzeichnungssystem von möglichst vielen beteiligten Akteuren unterstützt werden müsse. Nur so habe es dauerhaft Bestand an Markt und trage zu einer gesünderen Ernährung bei. Allerdings gebe es kein optimales Nährwertkennzeichnungssystem; stattdessen „bringt jedes System Vor- und Nachteile mit“, heißt es in der Erklärung des Ministeriums.

Das MRI sei inzwischen mit der Erarbeitung eines Modells beauftragt worden, das die Vorteile verschiedener Kennzeichnungssysteme berücksichtige. Der erwartete Vorschlag werde in den laufenden Prozess der Entwicklung eines Nährwertkennzeichnungssystems einfließen, kündigte der Sprecher an. In diesem Prozess würden die relevanten Akteure weiter angehört und Verbraucherforschung zu verschiedenen Modellen berücksichtigt, um sobald als möglich ein System zu empfehlen.

Zudem habe man sich innerhalb der Koalition darauf verständigt, eine Verbraucherbefragung und einen Praxistest durchzuführen. Auf diese Weise wolle man herausfinden, welches der unterschiedlichen Kennzeichnungssysteme den Bürgerinnen und Bürgern in ihrem Alltag am meisten helfe. Das Bundeslandwirtschaftsministerium bereite dies derzeit vor.

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