Öffentlichkeitsarbeit

Als Grüner Cheflobbyist beim Bayer-Konzern

Seit Januar ist der ehemalige Grünen-Politiker Matthias Berninger Cheflobbiyst bei Bayer; sehr zum Missfallen seiner Parteikollegen. Wer ist der Mann und was treibt ihn an?

Seit Januar 2019 ist der ehemalige Spitzenpolitiker der Grünen, Matthias Berninger, bei Bayer Chef für Public and Governmental Affairs und Nachhaltigkeit, also oberster Politik-Lobbyist. Der 48-Jährige war zuvor beim US-Süßwarenkonzern Mars in gleicher Funktion tätig.

Der Tagesspiegel widmet dem Manager einen umfangreichen Bericht und schaut, wie ein Grüner aus Sicht der Partei solch eine „Sünde“ begehen kann, steht Bayer doch wegen der Monsanto-Übernahme heftig unter Beschuss.

Wie Berninger der Zeitung sagte, sei er gerade wegen Monsanto und nicht trotz Monsanto zu Bayer gegangen. So könne der Konzern entscheidend dazu beitragen, die großen Probleme der Menschheit zu lösen, meint er, nämlich die Ernährung der wachsenden Bevölkerung und die medizinische Versorgung. Um die Menschen satt zu bekommen, ohne der Natur immer mehr Flächen für die Landwirtschaft abzuringen, seien moderne Technologien nötig: wirksame Pflanzenschutzmittel, das richtige Saatgut, der Einsatz digitaler Technik auf den Feldern.

Berninger glaubt an das Potential, das die Amerikaner mitbringen. Mit der Gentechnik hat er keine Berührungsängste. Bayer sei eine „Schatztruhe“. Um 30 Prozent wolle Bayer die Auswirkungen seiner landwirtschaftlichen Produkte auf die Umwelt senken, 25 Milliarden Euro will man in den nächsten zehn Jahren in die Forschung für eine nachhaltigere Landwirtschaft investieren, davon allein fünf Milliarden in zusätzliche Methoden zur Unkrautbekämpfung als Alternativen zu Glyphosat.

Berninger will Kritiker einbinden und Studien allen zugänglich machen. Er sucht den Kontakt zu Glyphosat-kritischen Regierungsmitgliedern in Frankreich, Österreich und Deutschland. Und er plant eine Selbstverpflichtung, die nicht nur Bayer, sondern die gesamte Agrotechnikbranche unterschreiben soll: „Wir wollen, dass Pflanzenschutzprodukte in Entwicklungsländern nur dann eingesetzt werden, wenn sie sowohl lokale Sicherheitsstandards erfüllen als auch die Anforderungen einer Mehrheit der weltweit führenden Zulassungsbehörden“, sagt er.

Kritik

Einen Grünen zum Cheflobbyisten zu machen ist laut Tagesspiegel ein Husarenstück von Bayer-Chef Werner Baumann. Für viele Grüne sei Berninger jedoch schon lange keiner mehr von ihnen. Auch das Verhältnis zu einigen Freunden seit dem Seitenwechsel sei nun „weniger herzlich“, räumt der fünffache Familienvater ein.

Das dürfte auch für die Beziehung zu seiner einstigen Chefin und erklärten Glyphosat-Gegnerin Renate Künast gelten. „Matthias Berninger hat sich vor zwölf Jahren aus der Politik zurückgezogen“, sagt sie. „Dass ich mich heute wundere, ist unerheblich.“ Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik der Grünen-Fraktion, stört dagegen, dass Bayer diese private Eigenschaft ihres neuen Mitarbeiters herausstellt und für Imagewerbung missbraucht.

Privates

Statt Lehrer für Chemie und Sozialkunde zu werden, zog Berninger 1994 mit 23 Jahren in den Bundestag ein und war der bis dato jüngste Abgeordnete der Republik. 2001 holte Bundesagrarministerin Renate Künast den Hessen als Parlamentarischen Staatssekretär ins Ministerium. 2005 wurde er wirtschaftspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, wechselte aber 2007 zu Mars und damit in die Wirtschaft. Der Familienvater ist in dritter Ehe verheiratet, die Kinder sind zwischen zehn und 24 Jahre alt. Er kann von Washington aus für Bayer arbeiten, so der Tagesspiegel.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

Es besteht also noch Hoffnung -

das auch so mancher Grüne zu Vernunft kommen kann.

von Ottmar Ilchmann

Was mag den Mann antreiben?

Im Zweifel meistens das Gehalt.

von Josef Meier

Zu Kommunisten

sagte man früher, wer mit 20 Jahren kein Linker ist der hat kein Herz, und wer als 40 Jähriger immer noch links ist, der hat kein Hirn. Wahrscheinlich ist es bei den Grünen genauso.

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