Ciolos sagte Milchbauern Gesprächsbereitschaft zu

Die Demonstration der Milchbauern vor dem Europäischen Parlament ist gestern Nachmittag nach zahlreichen Aktionen zu Ende gegangen. 2500 bis 3500 Landwirte waren dem Protestaufruf nach Angaben der Veranstalter vom European Milk Board (EMB) gefolgt, 800 bis 1000 davon mit Traktoren, berichten die Zeitungen heute.

Die Demonstration der Milchbauern vor dem Europäischen Parlament ist gestern Nachmittag nach zahlreichen Aktionen zu Ende gegangen. 2500 bis 3500 Landwirte waren dem Protestaufruf nach Angaben der Veranstalter vom European Milk Board (EMB) gefolgt, 800 bis 1000 davon mit Traktoren, berichten die Zeitungen heute. Sie zogen im Hupkonzert durch das Europaviertel, verbrannten Strohballen und blockierten zeitweise die Zufahrt zur EU-Kommission. Am ersten Tag kam es vor dem Europaparlament zu Handgreiflichkeiten mit der Polizei.

Wie der BDM mitteilt, hatte sich auch EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos kurzfristig entschlossen, zusammen mit seinem Kabinettschef Georg Häusler die Milcherzeuger zu besuchen und zu ihnen zu sprechen. Ciolos habe dabei in seiner Ansprache an die Demonstranten eingeräumt, dass die im EU-Milchpaket vorgesehenen Maßnahmen nicht ausreichen werden, um den Markt im Gleichgewicht zu halten und so kostendeckende Preise erzielen zu können. Er werde daher eine Expertenanalyse in Auftrag geben, welche weiteren Instrumente dafür notwendig wären. Den Bericht benötige er noch vor Ende seiner Amtszeit, damit er noch wirksam etwas für die Milcherzeuger tun könne, so Ciolos weiter und appellierte gleichzeitig an das European Milk Board EMB, sich hierbei mit eigener Expertise einzubringen.
 
Gleichzeitig wies der EU-Agrarkommissar aber auch auf den engen Handlungsspielraum hin, den die Kommission aufgrund der großen Länderzahl und -vielfalt habe. Es sei sehr schwierig bei 27 Mitgliedsländern einen Konsens zu finden, meinte Ciolos und warnte vor zu hohen Erwartungen an die Kommission.
 
„Für unsere Arbeit bedeutet das wenig Veränderung. Uns ist klar, dass wir neben der europäischen auch weiterhin die nationale Politik im Blick haben müssen“, bewertete der BDM-Vorsitzender Romuald Schaber diese Aussage im Nachgang. „Wenn auf europäischer Ebene nur ein grober Rahmen vorgegeben wird, bedeutet dies, dass die Länder eine hohe Verantwortung für die weitere konkrete Ausgestaltung tragen.“
 
Laut Milchverband EMB liegt der durchschnittliche Literpreis für Milch in Europa bei etwa 30 Cent. Damit Milchbauern ihre Kosten decken können, seien jedoch mindestens 40 Cent nötig, zitiert die WELT die Veranstalter. Die EU-Kommission habe die hohen Kosten eingeräumt, betone aber, die Milchpreise seien höher als bei der letzten Krise 2009 und gerade in den letzten Monaten angestiegen. Die europäischen Landwirtschaftsminister wollen bei ihrem Treffen am Mittwoch und Donnerstag auch über die Lage auf dem Milchmarkt beraten. (ad)

Mehr zu den Protesten:
Brüssel: Demonstrationen gehen weiter (27.11.2012)
BDM-Schlepperkolonnen erreichen Belgien (26.11.2012)

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Arbeiten auf einer 840.000-Hektar-Farm

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