Kein Prozess im Dioxinfall Harles & Jentzsch

Die mutmaßlichen Verantwortlichen im Dioxinskandal des Jahres 2010, der Geschäftsführer Siegried S. sowie der Prokurist Klaus-Hinrich V. der Futtermittelfirma Harles & Jentzsch aus Uetersen, kommen ungeschoren davon. Das Landgericht Itzehoe stellte heute fest, dass der Sachverhalt keine Straftat darstellt.

Harles und Jentzsch

Die mutmaßlichen Verantwortlichen im Dioxinskandal des Jahres 2010, der Geschäftsführer Siegried S. sowie der Prokurist Klaus-Hinrich V. der Futtermittelfirma Harles & Jentzsch aus Uetersen, kommen ungeschoren davon. Das Landgericht Itzehoe stellte heute fest, dass der Sachverhalt keine Straftat darstellt. Das Hauptverfahrens wird damit nicht eröffnet (Aktenzeichen 8 KLs 1/13).
 
Nach Informationen des Hamburger Abendblattes sei das Gericht weiterhin der Auffassung, dass die verarbeiteten Mischfettsäuren aus gebrauchten Altspeisefetten nach damaligem Recht an Nutztiere hätten verfüttert werden dürfen, weil die Altspeisefette selbst rein pflanzlicher Herkunft gewesen seien. Sie hätten lediglich durch die vorherige Verwendung Spuren von Stoffen tierischer Herkunft enthalten können: zum Beispiel beim Frittieren von Fleisch.
 
Die schlichte Möglichkeit, dass tierische Spuren nicht gänzlich auszuschließen seien, würden für einen strafrechtlichen Vorwurf nicht ausreichen, so die Richter. "Denn zu Gunsten der beiden Angeschuldigten muss davon ausgegangen werden, dass die verwendeten Mischfettsäuren nicht mit tierischen Stoffen verunreinigt waren, sondern sämtlich zum Beispiel nur zum Frittieren von Pommes Frites verwendet wurden", teilte Gerichtssprecher Bernhard Henneberg mit.
 
Zugute kam den beiden Angeklagten auch, dass das Unternehmen das Überschreiten der Grenzwerte selbst gemeldet hatte. Daher sei den Verantwortlichen kein Tatvorsatz nachzuweisen. Die Staatsanwaltschaft sieht das nach wie vor anders und kann gegen diese Entscheidung noch Beschwerde einlegen.
 
2010 mussten aufgrund von Dioxinfunden in Eiern und Geflügel fast 5000 Betriebe gesperrt werden. Zehntausende Schweine und Hühner wurden gekeult.

Hintergründe:
Dioxin-Skandal: Erster unbeteiligter Landwirt bekommt Entschädigung (4.9.2013)
Firma OleoServ kauft Betriebsstätte Harles & Jentzsch (3.2.2012)
Dioxin-Skandal: Ermittlungen gegen Staatssekretär Ripke dauern an (2.1.2012)
Harles & Jentzsch: Jetzt geht’s ums Geld! (24.6.2011)
Harles & Jentzsch: Nur 20 000 € Bußgeld? (8.4.2011)
Harles & Jentzsch: Geschädigte könnten auf Schaden sitzen bleiben (28.1.2011)
und weitere...

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

Schreiben Sie Alfons Deter eine Nachricht

Bund lenkt bei Dürrehilfe ein: Ab jetzt zählen die Dürreverluste!

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen