Klöckner verteidigt ihre Ökolandbaupolitik

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sieht den konventionellen und den ökologischen Anbau immer weiter aufeinander zu kommen. Der Ökolandbau müsse effizienter und der konventionelle Anbau müsse nachhaltiger werden, lautet ihre Analyse. Die Digitalisierung könne beiden dabei helfen.

„Es ist gut, wenn Politiker auch realistisch sind“, sagte Klöckner am Freitag im Interview mit dem Hessischen Rundfunk (HR) über ihre Position zum 20-Prozent Ökolandbauziel aus dem Koalitionsvertrag. Die Nachfrage für Ökolebensmittel steige, dabei dürfe die mehrjährige Umstellungsphase jedoch nicht aus dem Blick fallen, so Klöckner weiter. „Die Entscheidung der Produzenten von konventionell auf öko umzustellen ist eine freie Entscheidung, das müssen wir beachten“, sagte Klöckner und fügte an: „Es ist wichtig, dass wir konventionell und ökologisch wirtschaftende Landwirte nicht gegeneinander ausspielen.“

Am Vortag hatte Klöckners Kabinettskollegin Umweltministerin Svenja Schulze von ihr mehr Engagement zur Erreichung des Ökolandbauziels bis 2030 gefordert. Die Bioverbände hatten Anfang November ihrem Unmut über zu wenig Beachtung des Ökolandbaus seitens Klöckner Luft gemacht.

Aus Sicht von Klöckner sind konventioneller und ökologischer Landbau dabei, sich immer stärker anzugleichen. „Der Ökolandbau muss ertragssicherer und effizienter werden - nachhaltig ist er - und der konventionelle Anbau ist effizient und ertragssichernd und muss nachhaltiger werden“, sagte sie im HR. Deutschland befinde sich an der Spitze der Ökolandbaubewegung in Europa, da es der größte Nachfragemarkt für Ökoprodukte ist, so Klöckner weiter. „Wir müssen aber abwägen hinsichtlich des ökologischen Fußabdruckes, ob wir Ökoprodukte aus Australien importieren oder regional produzierte - vielleicht konventionelle - direkt aus dem Nachbardorf kaufen“, sagte sie.

Die Forderung der Bioverbände nach mehr staatlichen Forschungsmitteln für Ökolandbauforschung beantwortet Klöckner in dem Interview mit dem Hinweis, dass sie im gerade verabschiedeten Haushalt für 2019 rund 30 Mio. € zur Förderung des Ökolandbaus eingestellt habe. Außerdem wand sie ein, dass auch andere Forschungsgelder und die Gelder für die Digitalisierung der Landwirtschaft dem Ökolandbau zu Gute kämen. Als Beispiel nannte sie robotergesteuertes mechanisches Hacken.

Dennoch kündigte Klöckner noch für dieses Jahr zwei neue Förderrichtlinien für den Ökolandbau an, eine für die Akteure der Bio-Wertschöpfungskette sowie eine für mehr Informationen für den Verbraucher. Bei der Gemeinschaftsverpflegung will das BMEL laut Klöckner darauf hinwirken, dass sich dort der Bioanteil erhöht. „Am Ende müssen aber die Menschen selber entscheiden, wir können die Rahmenbedingungen dafür stellen und erklären warum was gut ist“, sagte sie.

Das Interview zum Nachhören gibt es hier.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Richtiger Weg?

Der Ökolandbau soll effizenter werden. Kann das sinnvoll sein? Schliesslich ist man auch mit dem Gedanken herangetreten, durch Ökolandbau weder Boden, Pflanzen und Tiere zu treiben und zu überfordern. Wo sind da die Grenzen?

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