Bundesregierung öffnet Narkosemethode zur Ferkelkastration für Landwirte

Das Bundeskabinett hat heute die Ferkelbetäubungssachkundeverordnung beschlossen. Sie ermöglicht es Landwirten, selbst die Betäubung mit Isofluran bei der Ferkelkastration durchzuführen. Vor dem Inkrafttreten muss der Bundesrat der Verordnung noch zustimmen.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat heute die Verordnung zur Durchführung der Betäubung mit Isofluran bei der Ferkelkastration durch sachkundige Personen durchs Kabinett gebracht. Sie schafft den bisherigen Tierarztvorbehalt für die Ferkelkastration unter Narkose ab und führt einen Sachkundenachweis für Landwirte ein. Dafür sollen in einem Lehrgang theoretische Kenntnisse und praktische Fähigkeiten erworben und durch Prüfungen nachgewiesen werden müssen. Voraussetzung für den Erwerb eines Sachkundenachweises soll eine fachbezogene Ausbildung sowie die einschlägige Berufserfahrung als Landwirt sein. Schulungseinrichtungen sollen von der zuständigen Behörde anerkannt sein müssen.

Anforderungen an Landwirte und Geräte

Die Durchführung der Kastration hat laut Verordnung „unter hygienischen Bedingungen, mit einer geeigneten chirurgischen Methode und geeigneten Instrumenten“ zu erfolgen. Anforderungen werden auch an die Narkosegeräte gestellt. Sie sollen vom Hersteller für die Verwendung bei der Ferkelkastration unter Isofluran bestimmt und ordnungsgemäß gewartet sein müssen sowie jede einzelne Verwendung manipulationssicher aufzeichnen.

Höhe der Förderung steht noch nicht fest

Die Bundesregierung rechnet damit, dass die Hälfte der Sauenbetriebe Ferkel zukünftig mit der Isofluranmethode kastriert. In Süddeutschland werde der Anteil vermutlich höher und in Norddeutschland niedriger sein, hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium kürzlich auf eine Anfrage der FDP Bundestagsfraktion geantwortet. Für die Anschaffung der Narkosegeräte hat der Bundestag einen Förderumfang von 2 Mio. € beschlossen. Die Regierung geht von Preisen für ein Gerät zwischen 3.000 und 10.000 Euro aus. Die Höhe der Förderung je Landwirt wird noch erarbeitet. Ebenso steht noch nicht fest, mit wieviel Geld das BMEL die Schulung für die Landwirte unterstützen wird. Erwartet wird, dass zunächst 3.000 bis 5.000 Personen an einer Fortbildung zur Erteilung des Sachkundenachweises teilnehmen werden. Für die Schulungen fallen stets Gebühren an.

50% Isofluran, 30% Ebermast, 20% Impfung erwartet

In Deutschland werden derzeit jährlich circa 20 Millionen Ferkel kastriert. Ab 1. Januar 2021 ist die betäubungslose Ferkelkastration verboten. Als Alternativen gelten derzeit die Durchführung der Kastration unter Betäubung mit Isofluran, die Ebermast und die Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration). Das BMEL erwartet mit Inkrafttreten des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration Marktanteile für die Ebermast von 30 % für die Impfung von 20 % und 50 % für die Kastration unter Isoflurannarkose.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Roland Medick

Isofluran - Glyphosat, Pest oder Cholera

Untersuchungen der SVLFG haben ergeben, dass Isofluran krebserregend ist! Bei Glyphosat ist das noch nicht sicher nachgewiesen, trotzdem gewinnen die Kläger und Bayer/Monsanto zahlen Milliarden an Entschädigungen. Wer zahlt wenn die Landwirte klagen? Die Bundesregierung? Hier ist es fahrlässig die Tierhalter diesem Risiko auszusetzen. Doch alle die jetzt dafür in der Verantwortung stehen sind wahrscheinlich dann bis Klagen kommen nicht mehr greifbar.

von Günter Schanné

Immunokastration

Die Immunokastration ist die tierfreundlichste Methode ebergeruchsfreies Fleisch zu erzeugen. Die Methode ist gesetzeskonform und braucht dem Verbraucher nicht mitgeteilt zu werden. Die per verlängerter Ausnahmegenehmigung noch erlaubte barbarische, betäubungslose Kastration ist in unserer Gesellschaft unerwünscht. Sie stellt eine schwere Misshandlung der unschuldigen, neugeborenen, männlichen Ferkel dar. Die Lokalanästhesie ist nicht möglich, weil es kein Tierarzneimittel gibt, das die gesetzliche Anforderung der Schmerzausschaltung erfüllt.

von Paul Siewecke

Marktbereinigungsmethode....

mit überzogenen (auch finanziell!) Forderungen bekommt man zuerst die "kleinen Konkurrenten" vom Markt! Das geht dann so lange, bis nur noch ein paar Großfabriken existieren....

von Manfred Sommer

Keine Rücksicht auf Anwender

Auf die Gesundheit der Anwender und Schonung der Umwelt wird bei der Umstrittenen Isofluran Narkose keine Rücksicht genommen Hauptsache man hat eine Lösung . Der Struckturbruch kommt . In wenigen Wochen ist Europawahl aber mit solchen Scheinlösungen kann Europa nicht Funktionieren!

von Roland Medick

Die Tierhaltung wird systematisch in Deutschland abgeschafft

Hier wird wieder ganz deutlich, dass die Tierhaltung in Deutschland nicht mehr gewollt ist. Sollen sie es uns doch direkt sagen, Prämien für die Einstellung der Betriebe und Alternativarbeitsplätze geben. Wir werden immer weiter dazu gedrängt, dass es immer weniger Landwirten noch möglich ist ihre Betriebe zu bewirtschaften. Warum zählt hier der gesunde Menschenverstand nicht mehr?

von Timmo Bayer GbR

"Dann lieber Alkoholiker"

Mal davon abgesehen dass eine Betäubung der Ferkel mit Isofluran zu keinerlei Schmerzausschaltung führt, was jeder Humanmediziner bestätigen wird, werde ich mir meiner Frau und den Mitarbeitern dieses Verfahren niemals zumuten. Wollten wir an Leberzirrhose erkranken wären wir Anästhesisten oder Alkoholiker geworden! Der einzig sinnvolle Weg ist die Lokalanästhesie, wobei das Kastrieren der Ferkel wie es aktuell und schon immer praktiziert wird das absolut tierfreundlichste Verfahren ist und bleibt. Alles was die vermeintlichen Tierschützer fordern endet immer in mehr Leid für die Tiere. Es fehlt diesen Leuten an Sachkunde, Einblick und Erfahrung über Generationen mit den Tieren.

von Heinrich Albo

Ich möchte

den Tieren diese Qual nicht antun! Dabei bekommen Sie regelrechte Todesangst!

von Bernhard Kremling

Falsche Erwartung

50 % Anteil Isofluran Narkose wird es nicht geben. 30 % Ebermast, 20% Improvac, 20 % Isofluran, die restllichen 30 % werden aufhören mit der Ferkelerzeugung. Ist aber so gewollt.

von Stefan Gruss

Wir Bauern müssen auch mal nein sagen. Damit die Politik und Gesellschaft die Konsequenzen zu tragen haben. Denn auch wenn es polemisch klingt was Herr Huber schreibt, aber er hat den Nagel auf den Kopf getroffen!!!

von Gerhard Seeger

"Die Bundesregierung rechnet damit, dass die Hälfte der Sauenbetriebe Ferkel zukünftig mit der Isofluranmethode kastriert."

Die andere Hälfte stellt die Sauenhaltung ein.

von Richard Huber

Aufgrund der Tatsache, dass das Gas Isofluran

als schwer leberschädigend eingestuft wird, ist dies endlich einmal eine klare gesetzliche Richtlinie um das Bauernsterben weiter voranzutreiben.

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