Herbizidresistenzen breiten sich aus – ein Überblick

Nicht nur Ackerfuchsschwanz lässt sich auf immer mehr Flächen schwer bekämpfen, auch Trespen, Weidelgräser und Windhalm bauen zunehmend Resistenzen auf. Ein bundesweites Monitoring gibt Aufschluss über die aktuelle Situation.

Unsere Autoren

Dr. Johannes Herrmann und Nele Bollmann, Agris42 GmbH

Immer weniger zugelassene Wirkstoffe und zunehmende Herbizidresistenzen sind für Landwirte nichts Neues. Wie genau entwickeln sich aber die Resistenzen auf deutschen Feldern? Damit beschäftigt sich die Agris42 GmbH aus Stuttgart, die sich als Dienstleister mit der Analyse und Datenauswertung zu resistenten Gräsern befasst. In den letzten drei Jahren führte das Unternehmen dafür ein Resistenzmonitoring und eine Resistenzanalyse auf über 1400 Flächen in 123 Landkreisen durch. Ziel dabei ist es, ein möglichst repräsentatives Bild von der Praxissituation zu erhalten. Dafür werden sowohl mehrere Gräserarten, als auch verschiedene Befallssituationen (von hohem Ungrasdruck bis zu keinen Problemen) standardisiert untersucht.

Zusätzlich zu dem Monitoring hat Agris42 in diesem Jahr zum ersten Mal Landwirten direkt angeboten, Verdachtsproben einzusenden, wenn sie mit der Herbizidwirkung nicht zufrieden waren. Diese Proben sind zwar nicht repräsentativ, zeigen aber, in welchen Regionen und bei welchen Arten die Problemschwerpunkte bestehen.

Dieser Artikel stellt die aktuelle Resistenzsituation in Deutschland dar und klärt, welche zukünftigen Probleme zu erwarten sind und wie damit umzugehen ist. Die Betrachtung konzentriert sich auf Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Weidelgras und Trespe. Gezeigt werden dabei Daten aus dem Monitoring, die den Angaben der Landwirte zu den eingesendeten Problemen gegenüber gestellt werden.

Doch im Vorfeld ist schon jetzt klar: Nach 40 Jahren chemischer Gräserbekämpfung ist davon auszugehen, dass die Herbizidresistenz auf der Mehrheit der Betriebe angekommen ist. Glücklicherweise zeigt sich diese meist nur gegen einen Wirkstoff, der teilweise sogar nicht mehr im Einsatz ist, sodass die meisten Betriebe noch eine gute Bekämpfung erreichen. Damit sich die Situation nicht weiter verschärft, sollten Landwirte alle ackerbaulichen Möglichkeiten ausschöpfen, um Resistenzen vorzubeugen.

Ackerfuchsschwanz – ein weitreichendes Problem

Resistenzen gegenüber den ACCase- und ALS-Inhibitoren sind bei Ackerfuchsschwanz keine Seltenheit mehr. Jedoch treten diese mittlerweile auch außerhalb der klassischen Problemgebiete an der Küste, in Mitteldeutschland oder Süddeutschland auf. Seit Längerem beobachtet man in der Praxis eine Ausdehnung des Ackerfuchsschwanzbefalls in Regionen, in denen er früher nicht vertreten war oder aufgrund des niedrigen Befalls kein Problem darstellte. Die Karte in Übersicht 1 verdeutlicht dies.

Hinsichtlich der Resistenzsituation zeichnen sich seit Jahren zunehmende Probleme bei den getreideselektiven Blattherbiziden ab. So zeigen Produkte auf Basis der ALS-Inhibitoren Mesosulfuron (z.B. Atlantis Flex) und Pyroxsulam (z.B. Broadway) sowie der ACCase-Inhibitoren auf Basis von Pinoxaden (z.B. Axial 50) immer häufiger Resistenzen (Übersicht 2 auf Seite 52). Dies führt dazu, dass eine Herbstbehandlung mit flufenacethaltigen Produkten (z.B. Herold SC) Standard geworden ist und Landwirte diese Wirkstoffgruppe zum Teil häufiger einsetzen als die Nachauflaufprodukte.

Minderwirkungen bei Flufenacet wurden bisher nur in wenigen Fällen diagnostiziert. Bei diesen bodenaktiven Herbiziden sind witterungsbedingte Minderwirkungen häufig kaum von einer sich eher langsam entwickelnden Herbizidresistenz zu unterscheiden. Eine Zunahme der Resistenz ist jedoch mit Bezug auf die Einsatzhäufigkeiten nicht ausgeschlossen und wegen des regelmäßigen Einsatzes auch in Sommerkulturen wahrscheinlich.

Generell ist es wichtig, auch die ALS-Inhibitoren (Wirkstoffgruppe 2/B) weiter zu differenzieren. Übersicht 2 zeigt, dass Broadway (Pyroxsulam) hier öfter von Resistenzen betroffen ist als Atlantis Flex, welches wiederum häufiger betroffen ist als das Maisherbizid (MaisTer Power). Eine ähnliche Differenzierung kann man für die ACCaseInhibitoren vornehmen, bei denen sich die Wirkung wie folgt darstellt: Axial 50 < Agil-S (und andere...