Schneeschimmel auf dem Vormarsch Plus

Schneeschimmel war im letzten Jahr die wichtigste Krankheit in Weizen. Über Ursachen, mögliche Ertragsverluste und aktuelle Bekämpfungsstrategien informiert Hermann Hanhart, LWK Nordrhein-Westfalen.

Wetterextreme sorgen vor allem in Weizen für ein verändertes Auftreten von Krankheiten. Hier dominierten in Nordrhein-Westfalen bis 2005 Krankheiten wie Septoria tritici, Mehltau und Braunrost. Das hat sich geändert. Denn in den letzten elf Jahren fallen im März und April deutlich unterdurchschnittliche Regenmengen, manchmal anhaltend bis Mitte oder sogar Ende Mai.

Oft Mischinfektionen:

Septoria hat damit keine Chance. Selbst bei hohem Ausgangsbefall durch milde, feuchte Winter verhindert anhaltende Trockenheit in der Phase EC 30 bis 34 ein Ausbreiten der Krankheit. Niederschläge ab der zweiten Maihälfte kommen für die langsame Krankheit zu spät. Roste dagegen lieben derartige Bedingungen: Braunrost sehr warme, Gelbrost eher kühle, strahlungsreiche Witterung.

Im letzten Jahr ist vor allem in den Regionen, in denen ab Ende Mai viel Niederschläge gefallen sind, verstärkt Schneeschimmel (Microdochium nivale) aufgetreten. Je mehr Regen fiel, desto heftiger war der Befall. So waren der Nordwesten und die Beneluxländer bis nach Frankreich stärker betroffen. Dabei beschränkte sich der Befall vornehmlich auf Blattnekrosen.

In trockenen Lagen Ostdeutschlands trat z.B. weniger bis kein Befall auf. In den regenreichen Regionen Süddeutschlands konnte man Mischinfektionen aus Septoria tritici oft auch mit starkem Schneeschimmel-Befall beobachten.

Verwechselungsgefahr:

Anfangs in der Schossphase war die Krankheit kaum zu erkennen und wurde mit geringem Befall durch Septoria verwechselt. Mit weiterer Zunahme um Mitte Juni bestand Verwechselungsgefahr mit Septoria nodorum oder auch DTR. Erst ab Ende Juni trat der Pilz in unbehandelten Versuchsvarianten mit typischen Symptomen und massivem Befall (90% zerstörte Blattfläche!) auf. In der Praxis zeigten behandelte Bestände ein sehr differenziertes Bild: Einige erlitten deutliche Blattverluste, andere präsentierten sich bis zur Gelbreife mit sehr gesunder Blattfläche.

Schneeschimmel kann neben den Blättern auch die Ähre befallen und durch Kümmerkorn Ertragsverluste verursachen. Die Diagnose ist nicht einfach, da der Befall durch Schneeschimmel und „echte Fusariosen“ mit dem Auge schwer zu unterscheiden ist.

Im letzten Jahr hatte Fusarium bei anhaltend feuchter Witterung zur Blühphase günstige Infektionsbedingungen. Nach unserem Monitoring war aber wenig Befall bzw. nur eine geringe Belastung mit Mykotoxinen festzustellen. Die in Nordrhein-Westfalen (NRW) etablierte Abschlussbehandlung mit Fusarium-wirksamen Fungiziden hat sicher dazu beigetragen. Die geringe Toxinbelastung spricht aber auch dafür, dass doch etliche Ähren mit Schneeschimmel befallen waren, da dieser Pilz im Korn keine Mykotoxine produziert.

Die Situation wirft folgende drei Fragen auf:

Warum ist 2016 starker Befall aufgetreten?

Bei Schneeschimmel kann Ausgangsbefall aus zwei unterschiedlichen Quellen stammen:

  • Aus nesterweisem Befall im Bestand, der von infiziertem Saatgut über Winter ausging. Regenspritzer verbreiteten von dort Konidiosporen auf Nachbarpflanzen. Nachdem befallene Pflanzen neue Symptome (Läsionen) gebildet haben, ist eine weitere Verbreitung mit Konidiosporen möglich.

Diese Art der Verbreitung spielte 2016 wohl kaum eine Rolle. Ausgangs Winter konnten wir allenfalls auf einigen Roggenschlägen kleine Nester, meistens nur Einzelpflanzen, beobachten, die überwinterten Schneeschimmelbefall zeigten.

  • Durch windverbreitete Ascosporen. Diese stammen aus Fruchtkörpern (Perithezien), die der Pilz auf Blattscheiden und alten...


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