Fungizide: Weniger Wirkstoffe, mehr Lücken? Premium

Die Wirkstoffvielfalt bei Getreidefungiziden geht zu Ende. Betroffen sind nach 2019 etliche Mittel. Einziger Lichtblick: Zur kommenden Saison gibt es einige neue Mittel und Packs. Es informiert Sie Hermann Hanhart, LWK Nordrhein-Westfalen.

Für viele Wirkstoffe steht eine Neubewertung an, weil die sogenannte Annex I-Genehmigung ausläuft (siehe Kasten). Die neuen Ausschlusskriterien – die Cut-off-Kriterien – werden vor allem wegen des Parameters „Wirkung auf den Hormonhaushalt“ für viele Mittel dramatische Folgen haben. Wenn für einen Wirkstoff eindeutig Cut-off-Kriterien zutreffen, wird der Zulassungsinhaber zum Annex I-Termin oder mit Ablauf der nationalen Zulassung keinen Antrag auf Wiederzulassung stellen.

Wen trifft es?

Unmittelbar davon betroffen sind zur Saison 2019 Cyproconazol und Propiconazol. Für das Mittel Alto (Cyproconazol) endet die nationale Zulassung am 31.12.2018. Der Wirkstoffinhaber hat keinen Antrag auf Neuzulassung gestellt. Das bedeutet: Der Handel darf das Produkt noch bis zum 30.06.2019 verkaufen, und der Landwirt (Anwender) es bis zum 30.06.2020 einsetzen. Spätestens am 31.05.2021 läuft für alle Produkte, die Cyproconazol enthalten, die Zulassung aus.

Auch für Propiconazol ist die Zeit um. Den Antrag auf Wiederzulassung hat die EU auf Grund von Cut-off-Kriterien abgelehnt. Vorläufig hat man eine Abverkaufsfrist bis zum 31.05.2019 und eine Aufbrauchfrist bis zum 29.02.2020 festgelegt, eventuell verlängern sich die Fristen aber noch.

Betroffen sind neben Mitteln, die den Wirkstoff enthalten, auch solche, die ihn als Mischpartner nutzen. Im Klartext heißt das: Achat, Bolt XL, Desmel, Tilt 250EC, Agent, Cirkon, Gladio und Taspa können Sie in der kommenden Saison zwar noch verwenden. Ob dies aber auch noch in 2020 möglich sein wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten.

Die nächsten Kandidaten sind Fenpropimorph und Epoxiconazol. Für diese wird die nationale und/oder europäische Zulassung in 2019 enden. Als Landwirt dürfen Sie Mittel mit diesen Wirkstoffen aber noch in der Saison 2020 einsetzen. Auch Tebuconazol wird bald betroffen sein. Weitere Wirkstoffe könnten folgen.

Neue Produkte:

Zur Saison 2019 gibt es aber auch neue Produkte. Gigant ist eine neue Carboxamid-Kombination aus Isopyrazam (125 g/l) plus Prothioconazol (150 g/l). Es ist mit 1,0 l/ha bei maximal einer Anwendung von EC 31 bis 61 wie folgt zugelassen:

  • in Weizen gegen Mehltau, Septoria tritici, Septoria nodorum, Gelb- und Braunrost sowie Fusarium-Arten (gegen Fusarien von EC 61 bis 69),
  • in Gerste gegen Mehltau, Netzflecken, Rhynchosporium und Zwergrost,
  • in Roggen nur gegen Rhynchosporium und Braunrost und
  • in Triticale gegen Mehltau, Braunrost und Septoria-Arten.

Die Umweltauflagen sind günstig. Gigant hat keine Hang- und NT-Auflagen. Zu Gewässern ist bei 90%-abdriftmindernden Düsen lediglich der länderspezifische Mindestabstand einzuhalten.

Das Isopyrazam wirkt gegen Septoria tritici fast ausschließlich vorbeugend. Kombiniert mit Prothioconazol verbessern sich allerdings die Breiten- (auch gegen Halmbruch) und Kurativwirkung erheblich. In Versuchen mit geringem bis mittlerem Krankheitsdruck zeigte es in diesem Jahr vergleichbare Ergebnisse wie andere Carboxamide.

Empfehlung: Gigant sollte in erster Linie in Weizen gegen Septoria zum Einsatz kommen. Das gilt uneingeschränkt in Situationen mit bis zu mittlerem Befall. Falls aber eine maximale Kurativleistung gegen Septoria tritici und/oder sehr gute Braunrost-Wirkungen erforderlich sein sollten, sind Alternativen wie Elatus Era, Ascra Xpro oder Ceriax zu bevorzugen.

Das neue Fungizid gibt es sowohl als Solo-Produkt als auch im Fungizidpack mit Zakeo Opti unter dem Namen Gigant Opti. Die empfohlene Aufwandmenge liegt bei 1,0 l/ha...

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Artikel geschrieben von

Matthias Bröker

Redakteur Ackerbau/Grünland

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