Rote Gebiete: So sichern Sie die Proteingehalte

Wer mit seinem Grünland in einem roten Gebiet liegt, muss die Düngung einschränken. Doch wie lassen sich dann noch die Erträge und Proteingehalte absichern? Dafür gibt es fünf Empfehlungen – mit pflanzenbaulichem Fingerspitzengefühl.

Protein für die Milchkühe kommt vom Grünland. Doch unter den erschwerten Rahmenbedingungen der Düngeverordnung (DüV) fällt die Stickstoffdüngung für betroffene Betriebe als maßgebende Steuerungsgrößen weg. Denn auf Flächen in den ausgewiesenen nitratbelasteten „roten“ Gebieten gilt es, Stickstoff (N) unter 20% des Bedarfs zu düngen und schlagbezogen maximal 170 kg N/ha aus organischen und organisch-mineralischen Düngern auszubringen.

Um dennoch genug Protein zu ernten, helfen fünf oft vernachlässigte pflanzenbauliche Maßnahmen. Deren Ziel ist, dass die Bestände den ausgebrachten Stickstoff effizient in Rohprotein (XP)umsetzen. Nur so lässt sich das Ertragspotenzial weiterhin ausschöpfen.

1. Grundnährstoffversorgung und pH-Wert anpassen

Alle intensiv genutzten Gras- und Gras-Leguminosen-Bestände müssen zunächst ausreichend mit den Grundnährstoffen Phosphor (P2O5), Kalium (K2O) und Schwefel (S) versorgt sein. Vor allem ist es wichtig, einen für den Boden optimalen pH-Wert zu schaffen. Nur wenn diese Faktoren in einem für den Standort entsprechend ausgewogenen Gleichgewicht stehen, wirkt die N-Düngung effizient.

Dass allein durch eine angepasste Grunddüngung ein signifikanter Jahreszuwachs von bis zu 40% Ertrag möglich ist, zeigt ein Demo-Versuch im Rahmen des Projekts „EIP smart grazing“ in Schleswig-Holstein. Auf Dauergrünland eines Praxisbetriebes wurde eine einmalige bedarfsgerechte Frühjahrsdüngung von 300 kg K2O/ha, 53 kg P2O5/ha und 30 kg S/ha ausgebracht. Den Ertragseffekt im Vergleich zu einer unterlassenen Grundnährstoffdüngung im gleichen Pflanzenbestand unter limitierter N-Düngung zeigt die Übersicht 1 deutlich.

Welcher Nährstoff in diesem Fall den Ausschlag gegeben hat, ließ sich nicht zweifelsfrei feststellen. Doch die Ertragseffekte belegen, wie wichtig eine ausgewogene Grundnährstoffversorgung für die Ertragsleistung von Hochleistungsgrünland und die Ausschöpfung des vollen Ertragspotenzials ist.

2. Nutzungsfrequenz und -art optimieren

Wer höhere XP-Gehalte vom Grünland ernten will, kann den Bestand einfach häufiger nutzen. Hintergrund ist Folgender: Bei einer erhöhten Nutzungsfrequenz sind die einzelnen Aufwuchsperioden kürzer. Da die Gräser dann weniger faserreiches Material einlagern, ist in den einzelnen Aufwüchsen weniger Trockenmasse (TM) enthalten. So verdünnen sich die Nährstoffe in der Pflanze weniger und es erhöhen sich die XP-Gehalte. Spielt die Witterung mit, kann man sogar bei häufiger Schnittnutzung von produktiven Grünlandbeständen höhere XP-Gehalte und gleichzeitig hohe XP-Erträge ernten. Dies zeigen Versuchsergebnisse aus Süddeutschland: In einem von Deutsch Weidelgras dominierten Bestand ließen sich im Jahresmittel Gehalte von 179 g XP/kg TM unter 5-Schnittnutzung erzielen. Im Vergleich dazu brachte eine 3-Schnittnutzung bei gleicher Düngung Gehalte von 124 g XP/kg TM....