Weizen: Fungizide nicht nach Schema F spritzen! Plus

Wählen Sie Termine und Produkte für Ihre Maßnahmen abhängig vom Auftreten der Krankheiten aus. Wie Ihnen das bei den einzelnen Schadpilzen gelingt, erklärt Hermann Hanhart, LWK Nordrhein-Westfalen.

In jedem Jahr müssen Sie die Fungizid-Intensität neu überdenken. Denn ob eine Krankheit auftritt oder nicht, hängt in erster Linie von der Witterung ab. Ist diese für die jeweilige Krankheit ungünstig, kann sie sich nicht ausbreiten. Lang anhaltende Infektionswitterung über mehrere Tage (Septoria tritici) oder sogar Wochen (Gelbrost) begünstigen die Stärke der Infektion. Davon abhängig müssen sie entscheiden, wie dringlich die Behandlung ist.

Darüber hinaus sind bei Infektionswitterung zusätzliche Einflussgrößen zu berücksichtigen. Die wichtigste ist dabei die jeweilige Krankheitstoleranz der Sorte. Aber auch Entwicklungsstadium, Saattermin, N-Status in der Pflanze und Bestandesdichte sollten Sie bewerten.

Abhängig davon können Sie dann über die Intensität des Fungizideinsatzes schlagspezifisch entscheiden. Behandlungen zu bestimmten EC-Stadien mit ausschließlichem Versicherungscharakter sind nicht mehr tragbar. Nach den Leitlinien eines integrierten Anbaus sollte jeder Landwirt/Berater den jeweiligen Einsatz der Fungizide begründen können. Zudem sind bestimmte Regeln zu berücksichtigen, um eine nachhaltige Wirkung der Fungizide sicherzustellen. Mehr dazu im Kasten auf Seite 70.

Ist Fusarium eine Gefahr?

Kalkulieren Sie im Vorfeld die potenzielle Fusarium-Gefahr für den Weizen, um Doppelbehandlungen in EC 49/51 bis 65 zu vermeiden. So ist z.B. in Nordrhein-Westfalen (NRW) die Abschlussbehandlung in der Phase EC 61 bis 65 fest eingeplant. Ob dann gezielt gegen Fusarium vorzugehen ist, entscheidet die Witterung.

Blattbehandlungen müssen Sie flexibel durchführen. Bei Befall verlangsamt man hiermit lediglich die Epidemie, um bis zur Abschlussbehandlung wenigstens die wichtigen oberen vier Blätter weitestgehend gesund zu halten.

Früher Mehltau:

Krankheiten, die eine frühe Behandlung in EC 30 bis 32 erfordern können, sind Mehltau, Gelbrost, Septoria tritici, Schneeschimmel und Halmbruch. Sehr frühe Behandlungen bereits ab EC 29 sind gegen Mehltau nötig, wenn über Herbst und Winter starker Ausgangsbefall aufgetreten ist und die Witterung Neuinfektionen begünstigt. Bedecktes Wetter mit warmen Nächten von über 10°C fördert den Mehltau.

In den letzten Jahren hat dieser Pilz nur kurz eine Rolle gespielt. In weniger anfälligen Sorten (fast alle, nur Winnetou, Smaragd und besonders Akteur sind anfällig) sollten Sie niedrigeren Befall erst einmal tolerieren, besonders wenn längere sonnige Phasen oder sehr nasses, kaltes Wetter gemeldet werden.

Talius mit voller Menge bringt die längste Wirkungsdauer von ca. vier Wochen – Vegas etwa drei. Behandeln Sie aber nicht zu früh! Sollte Mehltau noch in EC 31/32 Probleme bereiten, lässt sich auch starker Befall mit 1,0 l/ha Ceralo oder 0,75 l/ha Gladio stoppen und durch Zumischen von Talius langfristig Neubefall verhindern. Die gute Wirkung, die Capalo vor Jahren durch den Wirkstoff Metrafenon brachte, ist verbraucht. Mit 1,5 l/ha Capalo ist nur noch geringer Mehltaubefall im Weizen zu kontrollieren.

Wechselhafter Gelbrost:

Seit nunmehr drei Jahren tritt regelmäßig Gelbrost in hoch anfälligen Sorten derart stark auf, dass mehrfache Anwendungen erforderlich werden. JB Asano ist momentan die anfälligste Sorte. In jedem Jahr ist aber zu beobachten, dass die Anfälligkeiten leicht wechseln. Sorten, die in 2014 noch gesund bzw. als gesund eingestuft waren, zeigten im Jahr 2016 deutlichen Befall, wie z.B. RGT Reform, Benchmark oder Johnny.

Die dominant vorkommende Gelbrostrasse Warrior verändert sich über die Jahre. Einige im Weizen eingekreuzte Resistenzgene wirken wieder. Gleichzeitig treten aber mit geringen Anteilen in der Population neue Rassen auf. Daher sind Sortenanfälligkeiten nicht unbedingt vom Vorjahr auf das aktuelle Jahr zu übertragen.

Sie sollten Ihre Bestände regelmäßig kontrollieren. Allerdings ist bei geringem Befall vor allem in der frühen Schossphase noch keine Panik angebracht. Die Gelbrostanfälligkeit wichtiger Sorten entnehmen Sie Übersicht 1. Bei einigen schätzen wir diese nach eigenen Erfahrungen anders ein als das Bundesortenamt.

Auch in diesem Jahr müssen wir wieder mit dem Pilz rechnen. Die hohe Aggressivität und bessere Fitness der Warrior-Rasse gewährleisten...


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