Bioprodukte frisch vor die Haustür

Thilo und Sybille Junge sind echte Biopioniere: Seit 24 Jahren vermarkten sie ihre Milch per Liefer-service direkt an Endkunden. Nun ziehen sie auch männliche Kälber auf und bieten Fleischpakete an.

Als das Gatter des Boxenlaufstalls aufgeht, gibt es für die Kühe kein Halten mehr: Sie traben aus dem Stall und laufen auf die frische Weide neben dem „Selgenhof“, einer hessischen Staatsdomäne in Ulrichstein (Vogelsbergkreis). Es ist Ende April und für die Angler Rotviehkühe beginnt die Weidesaison. Knapp sieben Monate lang dürfen die Tiere nun die Hälfte des Tages hier verbringen.

Sybille und Thilo Junge bewirtschaften den Betrieb seit 1994 nach Bio-Richtlinien. Sie haben den Betrieb vom Land Hessen gepachtet. Mittlerweile halten sie auf dem Hof 190 Milchkühe und 110 Jungtiere. Sie bewirtschaften 280 ha Grünland sowie 50 ha Acker. Darüber hinaus gehört eine eigene Molkerei mit angeschlossenem Lieferservice zum Betrieb. Das Ehepaar beschäftigt neben ihrem Sohn Frederik und einem Herdenmanager mehr als 25 Mitarbeiter sowie drei Azubis.

Hörner als Sinnesorgan

Für die Rasse Angler Rotvieh hat Thilo Junge sich bewusst entschieden: „Die Tiere haben robuste Klauen für den Weidegang und kommen mit der Weidefütterung durch ihr nicht zu hohes Leistungsniveau gut zurecht. Außerdem sind ihre Kälber kleiner, was die Geburten erleichtert.“ Momentan liegt die Milchleistung bei ca. 8000 kg pro Kuh und Jahr. Im Schnitt schafft jede Kuh etwa fünf Laktationen.

Eine Besonderheit fällt sofort auf: Alle Kühe sind behornt. „Für mich sind die Hörner einer Kuh vergleichbar mit jedem anderen Sinnesorgan. Die Kühe brauchen sie zur Wahrnehmung ihrer Umwelt“, ist der 60-Jährige überzeugt. Bislang gab es keine Unfälle auf dem Betrieb. Junge führt das auf ein durchdachtes Management und einen ruhigen Umgang mit den Tieren zurück, auf den er großen Wert legt. „Allen Tieren stehen im Stall knapp 10 m² Platz zur Verfügung. Dadurch sind sie deutlich entspannter“, erklärt Junge.

Die Weideflächen liegen unmittelbar um den Hof herum. Das Jungvieh steht ab einem Alter von einem Jahr den ganzen Sommer auf der Weide und wird nicht zugefüttert. Zum Belegen läuft ein Deckbulle in der Gruppe mit. Die Milchkühe weiden halbtags zwischen den Melkzeiten um 5 Uhr und 16 Uhr. Ab Mitte Mai bevorzugt Thilo die Nachtweide: „So entgehen die Tiere tagsüber der Hitze auf den Weiden und wir können sie besser mit Wasser versorgen. Denn nachts ist auch das Weidegras feucht“, erklärt der Betriebsleiter. Außerdem kann er die Kühe tagsüber im Stall besser kontrollieren.

Der Melkstand ist ein Doppel-Vierer-AutoTandem-Stand. „Für unsere Kuhzahl ist das eigentlich zu klein. Wir brauchen etwa vier Stunden pro Melkzeit“, gibt Junge zu. Allerdings stehen die Kühe in diesem System getrennt voneinander. „Das hat wiederum Vorteile...

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