Biokraftstoffe sind wieder im Spiel Premium

Die deutschen Klimaziele für den Verkehrssektor lassen sich nur erreichen, wenn alle Optionen wie Elektromobilität, Biokraftstoffe oder E-Fuels genutzt werden. Davon könnten die Bauern profitieren.

In der deutschen Biokraftstoffbranche könnte wieder einmal Ernüchterung herrschen: Im Dezember 2018 hat die EU die überarbeitete Erneuerbare-Energie-Richtlinie (Renewable Energy Directive, kurz RED II) beschlossen. Darin sollen erneuerbare Energien im Verkehrssektor bis zum Jahr 2030 einen Anteil von 14% des Verbrauchs abdecken. Das ist nicht nur ein wenig ambitioniertes Ziel gegenüber den 10%, die die EU für das Jahr 2020 ausgegeben hatte. Im Detail enthält die Richtlinie auch jede Menge Sprengstoff aus Sicht der Biokraftstoffbranche, erfuhren die 600 Teilnehmer von Europas größtem Kraftstoffkongress „Kraftstoffe der Zukunft“ im Januar 2019 in Berlin:

  • Optionen, wie z.B. die Elektromobilität oder Biokraftstoffe aus Rest- und Abfallstoffen, dürfen sich die Mitgliedsstaaten mehrfach anrechnen lassen. Nach Berechnungen des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) wird der reale Anteil der erneuerbaren Energien im Verkehr im Jahr 2030 statt bei 14 nur bei 7,4% liegen.
  • Der Anteil konventioneller Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse wie Raps oder Getreide darf zwar weiterhin bei 7% liegen. Wegen der Mehrfachanrechnungen bleiben laut VDB dafür aber nur zwei Prozentpunkte – das wäre eine Halbierung der Menge, die heute eingesetzt wird.
  • Neu ist, dass Mitgliedstaaten auch einen geringeren Anteil festlegen dürfen – ohne dafür an anderer Stelle nachlegen zu müssen.

Ehrgeizige deutsche Ziele

So ernüchternd die Situation auf EU-Ebene wirkt: In Deutschland sieht es ganz anders aus. Denn die Bundesregierung hat die ambitioniertesten Klimaziele für den Verkehr in der EU. Nach dem Klimaschutzplan 2050 will Deutschland bis zum Jahr 2030 eine Minderung der Treibhausgas-Emissionen (THG) um 40 bis 42% gegenüber dem Basisjahr 1990 erreichen. Statt aktuell 170 Mio. t CO2 soll es im Verkehr nur noch 95 bis 98 Mio. t geben.

Das will die Bundesregierung in diesem Jahr in einem Klimaschutzgesetz verankern. Um die Ziele zu erreichen, sind aus folgenden Gründen eher mehr als weniger Biokraftstoffe nötig:

  • Emissionen sind gestiegen,10

  • der Umstieg dauert lang,11

  • die Elektromobilität wächst langsam,12

  • der Ökostromausbau stockt,13

  • der E-Antrieb ist nur eine Teillösung,14

  • Alternativen fehlen noch.15

1.Emissionen sind gestiegen

Eine Reduktion der THG-Emissionen um 40 bis 42% gegenüber 1990 ist auf den ersten Blick nicht viel. Allerdings will Deutschland mit diesem Ziel in nur zehn Jahren eine Absenkung schaffen, die 30 Jahre davor nicht gelungen ist. Denn von 2010 bis 2017 wuchs der Pkw-Bestand in Deutschland um 12%, die Zahl der Lkw legte um...

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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