Flüssiggas – ein Markt für Biogasanlagen? Premium

Die Nachfrage nach flüssigem Erdgas als Kraftstoff (LNG) steigt. Davon könnten auch Biogasanlagen profitieren – aber nur, wenn die Bundesregierung die Weichen richtig stellt.

Der Schwerlastverkehr gilt als die Achillesferse der Energiewende. Denn Lkw und andere Fahrzeuge mit mehr als 3,5 t Gesamtgewicht stoßen 40 Mio. t CO2 und damit rund ein Viertel der Emissionen im Verkehr aus. Erste Unternehmen wie Aldi Süd oder Speditionen experimentieren daher mit Elektro-Lkw als emissionsarme Alternative. Bei ihnen reduzieren aber die bis zu 2 t schweren Batterien die Nutzlast. Auch haben sie noch nicht ausreichend hohe Reichweiten.

Eine andere, derzeit erprobte Alternative sind Oberleitungs-Lkw, die aber wegen der störenden Leitungen über den Autobahnen in der Kritik stehen. Wasserstoff als Treibstoff für Brennstoffzellenfahrzeuge wird viel diskutiert, ist aber für den Schwerlastverkehr noch länger nicht verfügbar.

Eine bereits erfolgreich eingeführte Alternative sind dagegen Gasfahrzeuge mit Ottomotoren, die mit dem Flüssigkraftstoff „LNG“ betankt werden. „Die Verflüssigung von Erdgas zu LNG (Liquified Natural Gas) hat sich in den letzten Jahren auf dem Weltmarkt etabliert“, berichtet der Biogasrat e.V.

Vorteile von Bio-LNG

Schon die Nutzung von erdgasbasierten Kraftstoffen reduziert den CO2-Ausstoß im Vergleich zu fossilem Diesel. „Aber erst durch die Beimischung von erneuerbarem Methan zu Erdgas könnten bei Gasfahrzeugen Klima- und Ressourcenvorteile erreicht werden“, antwortet die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage im Bundestag.

Setzen Biogasanlagenbetreiber für den Kraftstoff Rest- und Abfallstoffe wie Gülle, Festmist, kommunale Bioabfälle oder Stroh ein, können sie damit die Vorgaben der „Erneuerbare-Energien-Richtlinie“ (RED II) der EU für fortschrittliche Biokraftstoffe erfüllen. Die Richtlinie gilt seit Anfang 2019 und soll dazu beitragen, den Anteil dieser Kraftstoffe bis zum Jahr 2030 von 0,5 auf 1,75% zu erhöhen.

LNG aus Biomethan wird landläufig „Bio-LNG“ genannt. Der Kraftstoff wird entweder direkt an der Biogasanlage oder in der Nähe von LNG-Verbrauchszentren in speziellen Verflüssigungsanlagen auf -162°C bei 1 bar Druck abgekühlt und dann per Lkw zur Tankstelle transportiert.

Folgende Vorteile hat der Kraftstoff laut Deutscher Energieagentur (dena):

  • Das Volumen des Gases nimmt um das 600-fache ab.
  • Bio-LNG hat eine hohe Methanzahl von 100. Diese ist eine Kennzahl für die Klopffestigkeit. Laut dena liegt sie bei fossilem LNG selten über 80.
  • Mit LNG betriebene Fahrzeuge verursachen 50% weniger Lärm und 95% weniger Feinstaubemissionen als Dieselfahrzeuge. Stickoxide fallen kaum noch an.
  • Erdgas-LNG reduziert den CO2-Ausstoß gegenüber Diesel um 22%, Bio-LNG dagegen um bis zu 77%.
  • Im Vergleich zu Diesel hat LNG je Liter zwar eine 60% geringere Energiedichte....

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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