Gülle und Gärrest: Rohstoffe statt Abfall

Mit der richten Gärrestaufbereitung produzieren Landwirte günstige Rohstoffe für die Biogasanlage oder Dünger. Das ist nicht nur wirtschaftlich interessant, wie aktuelle Beispiele zeigen.

Tierhalter und Biogaserzeuger haben einen unterschiedlichen Blick auf Wirtschaftsdünger: Während er ein Problemstoff in Veredelungsregionen ist, nutzen ihn Biogasanlagen als Rohstoff. Gerade in Ackerbauregionen gibt es dazu noch großes Potenzial. Denn mit Wirtschaftsdünger ersetzen die Landwirte den Mineraldünger.

Doch Gülle enthält viel Wasser. Für den Export zahlen Viehhalter in Überschussregionen wie Cloppenburg/Vechta oder Borken in Westfalen nicht selten 12 bis 20 €/m3 – je nach Entfernung und Jahreszeit.

Gleichzeitig müssen die Nährstoffe im Ackerbau aber auch Nutzen bringen. „Wir schätzen die Wirkung von organischen Düngern inzwischen sehr. Aber wir haben hier Pflanzen 50 bis 60 Jahre lang ganz gezielt mineralisch gedüngt. Dabei spielt die Eigenmechanisierung eine große Rolle, tonnenschwere Ausbringfahrzeuge sehen wir auf den guten Böden nicht gern“, berichtet Landwirt Ulrich Löhr vom Netzwerk Ackerbau Niedersachsen (NAN) aus Groß Denkte im Landkreis Wolfenbüttel.

Dazu kommt, dass die Bevölkerung keine Tierhaltung und damit auch keine Gülleausbringung gewohnt ist. Das führe zu mehr Konflikten. Zudem sind kaum Behälter vorhanden, um Gülle zwischenzulagern.

Vom Kunden her denken

Löhr ruft die Berufskollegen aus der Veredelungsregion dazu auf, vor dem Nährstoffexport vom Kunden her zu denken – eine ganz neue Sichtweise. „Wir brauchen einen Ersatz für Mineraldünger, den wir gezielt einsetzen können und bei dem wir die genauen Inhaltsstoffe kennen“, sagt Löhr. „Ackerbauern werden für die Düngung keine neue Technik anschaffen, die Ausbringung muss mit den vorhandenen Maschinen möglich sein“, hat Sascha Hermus vom 3N-Kompetenzzentrum aus dem niedersächsischen Werlte in verschiedenen Gesprächen mit Landwirten erfahren.

Darum sind neue Verfahrenskombinationen gefragt. „Es reicht heute nicht mehr aus, die Gülle nur zu separieren, um ihr Wasser zu entziehen“, betont Dr. Harald Drücker, Landtechnikexperte bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die künftige Gülle- und Gärrestaufbereitung muss mehrere Probleme lösen: Nährstoffe gezielt exportieren, die Transportwürdigkeit verbessern und damit die Entsorgungskosten senken. „Wir müssen zu einem Produkt kommen, das einen gewissen Wert hat. Das ist auch nötig, damit sich die aufwendigeren Aufbereitungsverfahren rechnen.“

Strategien in der Praxis

Die Aufbereitung muss daher zum Kunden, also zum Abnehmer der Wirtschaftsdünger passen. Hierbei haben sich in den letzten ein bis zwei Jahren zwei Strategien als praxisnahe Lösung entwickelt:

  • Der Vieh haltende Betrieb in Überschussregionen separiert die Rohgülle – entweder mit einem eigenen, kleineren Separator kontinuierlich. Oder er beauftragt einen Lohnunternehmer, der größere Mengen auf einmal bearbeitet.
  • Die Dünnphase bleibt bei diesem Verfahren auf dem Betrieb, die Feststoffe liefern Dienstleister an Biogasanlagen in Ackerbauregionen. Einige Biogasanlagenbetreiber haben auch eine Direktbeziehung zu den Viehhaltern aufgenommen und holen die Feststoffe dort ab.
  • Die zweite Lösung: Biogasanlagen in Veredelungsregionen nehmen Gülle und Mist von Viehhaltern an, vergären diese und verarbeiten den anfallenden Gärrest zu Dünger....

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