Holzgastechnik ist serienreif! Plus

Die gleichzeitige Strom- und Wärmeerzeugung aus Holz kommt wieder in Fahrt. Über 300 Anlagen sind in den letzten zwei Jahren neu in Betrieb gegangen. Wir geben einen aktuellen Überblick über Markt und Technik.

Fast 2 000 m2 Wohn- und Stallfläche mit Holz heizen und, statt für die Wärme zu bezahlen, 700 € im Monat dazuverdienen? Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Keine Utopie ist das seit zweieinhalb Jahren für Landwirt Johann Geltinger aus Geisenhausen im Landkreis Landshut (Bayern).

Der Sauenhalter besitzt seit Ende 2010 eine Holzgas-Anlage. Sie erzeugt aus Hackschnitzeln ein brennbares Gas. Dieses Holzgas verbrennt Gel­tinger in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) mit 70 Kilowatt (kW) thermischer und 30 kW elektrischer Leistung. Mit der Abwärme aus dem BHKW beheizt er den Stall für 300 Sauen und 7 000 Ferkel sowie zwei Wohnhäuser mit zusammen über 1 200 m2 beheizter Fläche. „Nach dem Bau des zweiten Wohnhauses wurde meine Hackschnitzelheizung mit 110 kW einfach zu klein. Bei meinem Heizungsbauer habe ich eine Holzgasanlage in Aktion gesehen und mich für diese Technik entschieden“, blickt er zurück.

Eine Holzgas-Anlage benötigt zwar auch Hackschnitzel als Brennstoff. Aber sie erzeugt zusätzlich Strom, der nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit ca. 20 Cent je Kilowattstunde (kWh) vergütet wird. Nach Abzug der Kosten für die zugekauften 900 m3 Hackschnitzel, Zinsen und Tilgung für die Anlage bleiben ihm im Monat immer noch ca. 700 € als Überschuss. Die Wärme hat er dafür kostenlos, die nach seiner Schätzung zu heutigen Öl- oder Gaspreisen noch einmal rund 700 € monatlich wert wäre.

Zweite Generation am Start:

Wie Geltinger interessieren sich auch andere Landwirte für die Holzvergasung. Die Technik ist zwar nicht neu (siehe Kasten), hatte aber in der Vergangenheit extreme Startschwierigkeiten. Schon vor rund zehn Jahren gab es einen regelrechten Boom und viele Hersteller, die die Technik als serienreif auf den Markt bringen wollten. „Damals sind allerdings auch einige Glücksritter eingestiegen, die schnelles Geld verdienen wollten, heute aber wieder vom Markt verschwunden sind“, weiß Gero Ferges von der AHT Pyrogas aus Bergisch Gladbach.

In der Tat hat es nicht nur bei Firmen Insolvenzen gegeben, auch Landwirte standen nach Fehlinvestitionen vor dem wirtschaftlichen Aus. Denn viele Konzepte waren nicht ausgereift. Darum ist es seit dem Jahr 2006 sehr ruhig geworden um die Holzvergasung.

Wärmebedarf ist entscheidend.

Doch mit neuen Konzepten und weniger Kinderkrankheiten ist jetzt die zweite Generation der Holzvergaser am Start. Heute sind in Deutschland schätzungsweise 400 Holzvergaser am Netz.

Als...

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