Pferdemist: Verheizen oder vergären?

In einigen Regionen ist Pferdemist im Überfluss vorhanden. Für Biogasanlagen kann das Substrat künftig interessant werden.

Norbert Theis liebt Pferde. Deshalb eröffnete der Unternehmer aus Pfaffen-Schwabenheim bei Mainz vor drei Jahren die Pferdepension Sonnenhof, in der mittlerweile 40 Tiere leben. Aber wo sich so viele Heufresser tummeln, wird auch viel geäpfelt. Täglich fallen in der Reitanlage 1,2 Tonnen Pferdemist an, die für den Betreiber zu einer großen finanziellen Belastung geworden sind.

„Die fachgerechte Entsorgung der Exkremente kostet uns jährlich mehrere Tausend Euro“, sagt Theis. Der Pferdewirt hat sich daher etwas einfallen lassen: Statt den Mist von einem Spezialbetrieb teuer wegschaffen zu lassen, will er ihn vor Ort trocknen, zu Pellets pressen und schließlich wie normale Holzpellets verbrennen.

Den Strom für den Trockner und die Pelletieranlage sollen Solarmodule liefern, die Theis 2011 auf die Dächer seiner Reitanlage schrauben ließ. „Mit dem Sonnenstrom und der Pelletwärme wären wir völlig unabhängig von Energielieferungen“, schwärmt er.

Kein Regelbrennstoff:

Doch die rheinland-pfälzische Landesregierung droht ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen. Das Problem: Pferdemist ist kein zulässiger Brennstoff wie Holz oder Stroh, weil bei dessen Verbrennung größere Mengen an Staub, Stickstoff und Chlorwasserstoffen freigesetzt werden. Was in Deutschland verbrannt werden darf, regelt die erste Bundesimissionsschutzverordnung (1. BimSchV). Sie gilt für Holzheizungen bis ein Megawatt (MW) Leistung und für Kleinfeuerungsanlagen für feste Biobrennstoffe wie Stroh bis 100 Kilowatt (kW) Leistung. Theis würde mit seiner Pferdemisttherme genau in diese Leistungsklasse fallen. Zwar könnte ihm das Land Rheinland-Pfalz dafür eine Sondergenehmigung erteilen, aber darauf kann er nicht hoffen. „Wir planen keine Ausnahmen“, erklärt Heike Spannagel, Sprecherin des Umweltministeriums in Mainz.

Zu viele Emissionen:

Für Theis wie für viele andere Pferdehalter sind das schlechte Nachrichten. Wissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart schätzen, dass hierzulande eine Million Pferde Entsorgungskosten von insgesamt einer viertel Milliarde Euro pro Jahr verursachen. Pferdemist muss in einigen Region sogar teuer entsorgt werden, weil es sich kaum verwenden lässt.

Pferdehalter nutzen vor allem Stroh, aber auch Holzspäne sowie Sägemehl als Boxeneinstreu. Als Dünger oder als Einsatzstoff für Biogasanlagen ist stark holz- und strohhaltiger Pferdemist aber nicht die erste Wahl. „Viel Stroh bewirkt, dass der Mist in der Biogasanlage auf der übrigen Biomasse schwimmt“, erklärt der Hohenheimer Agrarwissenschaftler Dr. Hans Oechsner. Als Brennstoff hingegen ließen sich die Exkremente gut nutzen. Die Stuttgarter Forscher haben Brennwerte von 17 bis 20 Megajoule pro Kilogramm Pferdemist ermittelt. Mit einem höheren Holzanteil in der Einstreu lassen sich sogar über 20 Megajoule erreichen, ähnlich gute Werte wie mit dem Dauerbrenner Stroh.

Es gibt auch ökologische Argumente für die Mistverbrennung. Ortwin Opitz, Chef des Heppenheimer Heizkesselherstellers Bioflamme, zeigt das Klimaschutzpotenzial auf: „Wenn für die Energiegewinnung der Mist von nur 250 000 Pferden genutzt werden könnte und man den jährlichen nutzbaren Heizwert des Mistes eines Pferdes...


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