Reportage

„Wir stoßen an Grenzen!“ Premium

Mehr Tierwohl, gesündere Kühe und eine effizientere Milchproduktion. Ulrich Bosch hat den Biomilchviehbetrieb Brook nachhaltiger gemacht – trotz eines alten Stalls.

Auf den ersten Blick lesen sich die Zahlen des Bioguts Brook bei Kalkhorst im äußersten Nordwesten Mecklenburg-Vorpommerns sehr gut. Die 240 Holstein Friesian geben im Schnitt 9300 kg pro Kuh und Jahr. Die Flächenausstattung ist mit 1450 ha sehr großzügig, bei guten Böden mit bis zu 60 Bodenpunkten. Der größte Teil des Grünlands liegt arrondiert, was die im Ökolandbau vorgeschriebene Weidehaltung erleichtert.

Doch die Forscher entdeckten bei ihrer Betriebsanalyse der Milchviehhaltung im Jahr 2015 zahlreiche Schwachstellen, die das Tierwohl und die Effizienz der Erzeugung schmälerten. So zeigte etwa der geringe Eiweißgehalt der Milch von nur 3%, dass der Energiegehalt der Ration nicht ausreichte, obwohl bereits sehr viel Kraftfutter eingesetzt wurde (9 kg/Kuh und Tag). Auch bei den am Tier erhobenen Merkmalen zur Beurteilung des Tierwohls wurden Probleme in der Haltung deutlich. Ein Großteil der Tiere war trotz Weidehaltung auch im Sommer stark verschmutzt, vor allem an Hinterbeinen und Euter.

Etwa 90% der Kühe hatten zudem haarlose Stellen an Fußgelenken und im Nackenbereich. Während in der Weidesaison nur 3% der Tiere Lahmheiten aufwiesen, stieg der Anteil in der Stallhaltungsperiode auf 12%. Auch bei der Eutergesundheit zeigten sich größere Probleme, im Schnitt lagen die Zellzahlen bei 250000 pro ml Milch. Viele Kühe mussten aufgrund von Mastitis-Problemen gemerzt werden.

„Wir wussten, dass wir nicht gut genug sind. Deshalb haben wir ganz bewusst bei der Studie mitgemacht“, sagt Betriebsleiter Ulrich Bosch. Und er macht klar, dass es auf dem Betrieb viele Faktoren gibt, die den Spielraum für Anpassungen einschränken. Das gilt besonders für den Boxenlaufstall. ▶

Der stammt aus dem Jahr 1993 und hat nach heutigen Maßstäben zu enge Laufbereiche, zu niedrige Traufhöhen und es fehlt eine offene Traufseite, die bei modernen Ställen ein besseres Stallklima ermöglicht.

Neuer Stall: keine Alternative

„Aber ein Stallneubau in unserer Größenordnung mit...

Weiterlesen mit PREMIUM
Jetzt 30 Tage gratis testen
Mehr erfahren

Artikel geschrieben von

Dr. Ludger Schulze Pals

Leitung Landwirtschaftsverlag Münster GmbH

Schreiben Sie Dr. Ludger Schulze Pals eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen