Verabschiedet sich Indien von der Agro-Gentechnik?

In dem riesigen Agrarland Indien könnte es eventuell zu einem 10-jährigen Anbauverbot von gentechnisch veränderten Pflanzen kommen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, hat dies jetzt zumindest ein hochrangig besetztes Beratungsgremium dem Obersten Gerichtshof empfohlen.

In dem riesigen Agrarland Indien könnte es eventuell zu einem 10-jährigen Anbauverbot von gentechnisch veränderten Pflanzen kommen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, hat dies jetzt zumindest ein hochrangig besetztes Beratungsgremium dem Obersten Gerichtshof empfohlen.

Die vergangenen 10 Jahre hätten gezeigt, dass zwar die Industrie stark profitiert hat, bei der überwiegenden Mehrheit der armen Bauern aber kein positiver Effekt angekommen ist, heißt es in dem Bericht. Feldversuche sollten daher unverzüglich eingestellt werden.

Die Empfehlung kommt einer kleinen Revolution gleich, ist Indien doch eines der größten Anbaugebiete für genveränderte Baumwolle weltweit. 93 % der Baumwollsorten sind verändert. Bei den Lebensmitteln hatte GVO dagegen bislang noch keine Chance, hier wird die Auseinandersetzung schärfer geführt, berichtet die Zeitung weiter.

Auf der anderen Seite komme Indien aber offenbar um eine zweite grüne Revolution nicht herum, meint die FAZ und verweist auf die anhaltende Unterversorgung und die Teuerungsrate für Lebensmittel von fast 10 %. Ein Drittel der Lebensmittel verdirbt auf dem Weg vom Bauern zum Verbraucher. Und die Bevölkerung des Landes wächst stark. Angesichts von zu erwartenden 1,5 Mrd. Indern im Jahr 2025 steigt der Versorgungsdruck. Das wissen auch die Berater und fordern eine Verdopplung der Nahrungsmittelproduktion bis 2025. Aktuell wächst die Erzeugung lediglich um 2 %; mindestens 3 % seien zur Sicherung der Versorgung nötig.

Als Ausweg hat die Regierung daher den Markt für große Lebensmittelketten aus dem Ausland weiter geöffnet. Doch auch dagegen laufen die Bauern Sturm, weil sie befürchten, auf der Strecke zu bleiben. 70 % der Bauern Indiens sind von der Landwirtschaft und deren großen Akteuren abhängig. So sehen Kritiker einen Zusammenhang zwischen dem häufigen Anbau der für die Bauern in der Anschaffung teureren, genveränderten Baumwollsorte „BT Cotton“ und den Selbstmorden armer Bauer, vor allem in Baumwollanbaugebieten. Die Kleinbauern verschuldeten sich teilweise massiv, um sich die Saat leisten zu können, heißt es. (ad)


Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen