Direktzahlungen nach 2020 nicht mehr erste Wahl

Die Landwirtschaft steht in den kommenden 20 Jahren vor großen Herausforderungen. Der Ackerbau wird die Auswirkungen des Klimawandels spüren und in der Tierhaltung gewinnt der Tierschutz noch mehr Bedeutung.

Die Probleme sind aber lösbar, dafür gibt es viele innovative Ansätze. Vorausgesetzt die Landwirte bekommen langfristig verlässliche agrarpolitische Rahmenbedingungen. Die Weiterführung der gegenwärtigen Direktzahlungen ist dabei nicht die erste Wahl. Das sind die zentralen Botschaften des 3. Landwirtschaftstages, den die LVM Versicherung gemeinsam mit top agrar und dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt Westfalen-Lippe am Mittwoch in Münster durchgeführt hat.

Unter dem Motto „Landwirtschaft 2030 – Ein Blick in die Zukunft“ diskutierten Berater, Wissenschaftler und Politiker vor rund 1100 Besuchern über die zu erwartenden Innovationen im Ackerbau und in der Tierhaltung sowie über die notwendigen politischen Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.

Ackern im Klimastress

Die Winter werden in 20 Jahren feuchter und wärmer sein, die Sommer heißer und trockener. „Das ist vor allem für Winterraps und spät gesäten Weizen ein Problem“, erläuterte der Ackerbauberater Dr. Hansgeorg Schönberger von der NU-Agrar. Mais, Soja, Sonnenblumen und Zuckerrüben hielten die Hitze besser aus und würden in der Fruchtfolge an Wettbewerbskraft gewinnen. Wichtig sei es vor allem, die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens zu erhöhen, und bei Getreide früh auszusäen und auf frühreife Sorten zu setzen. „Längere Vegetationsperioden und warme Winter führen aber auch zu einem stärkeren Krankheitsbefall im Herbst und Winter, der nur schwer zu bekämpfen ist“, fürchtet der Berater.

Niederländer sehr innovativ

Kees de Koning Kees de Koning
Die Ställe der Zukunft werden anders aussehen als heute. Der Milchviehexperte Kees de Koning von Dairy Campus in Leeuwarden und sein Pendant Daan Somers vom Schweine-Innovationszentrum in Sterksel stellten verschiedene Stallsysteme vor. „Wir werden bei den Kuhställen wegkommen vom Betonboden und sensorgesteuerte Fütterungs- und Melksysteme werden zunehmen“, ist de Koning sicher. Bei den Schweinen geht es um die tierschutzgerechte Optimierung der verschiedenen Funktionsbereiche, um ein besseres Stallklima und bessere Stallhygiene sowie um die Trennung von Kot und Harn schon im Stall.

„30 % unserer Ideen setzen sich in der Praxis durch, 70 % sind nicht tauglich“, berichtet Daan Somers. Den Niederländern ist vor allem der enge Kontakt zwischen Wissenschaft und Praxis wichtig. „Viele Ideen für die Forschung kommen von den Landwirten und werden dann gemeinsam weiterentwickelt“, erläutert der Schweine-Experte.

Pollmer: „Die Bauern brauchen die Akzeptanz der Verbraucher“

Udo Pollmer Udo Pollmer
Die Ernährungswissenschaftlicher Udo Pollmer stellte klar, dass die Verbraucher nur noch wenig über Lebensmittel und deren Herkunft wissen. „Deshalb verfangen auch viele landwirtschaftskritische Behauptungen der Umwelt- und Tierschutzverbände“, meint Pollmer. Der Berufsstand müsse viel mehr und bessere Öffentlichkeitsarbeit machen, vor allem in den sozialen Medien.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von lürade · 1.
    Ohne DBV

    wäre LehrAgro schon längst zum LeerAgro verhagelt .

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  2. von LehrAgro · 2.
    Es wäre ....

    ... interessant zu wissen, WER alles in dieser Veranstaltung anwesend war. Einige der Redner sind mir sehr bekannt und diese Herren leben NICHT von der praktischen Landwirtschaft. Ihr Gehalt kommt unbeeinflußt von Direktzahlungen und Wetterkapriolen pünktlich und überaus ausreichend auf deren Konto. Schöne Ideen und kluge Reden helfen leider nicht, wenn die Rahmenbedingungen in der Praxis nicht endlich und nachhaltig verändert werden. Da hilft auch keine Beteuerung von DBV-Vertretern, die ihre zahlende Klientel nach wie vor alleine im Gewitterhagel stehen läßt.

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