DLG-Wintertagung

Mußhoff: Betriebliches Wachstum neu denken Premium

Die Einkommensschwankungen der Betriebe haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Der Strukturwandel geht unvermindert weiter. Die Höfe werden immer größer. Diese großen, hochkonzentrierten Betriebe werden von den Bürgern und Verbraucher aber zunehmend kritisch gesehen, sagte Prof. Dr. Oliver Mußhoff auf der DLG-Wintertagung.

Die Spielregeln für die landwirtschaftliche Produktion ändern sich. Wenn die Gesellschaft das betriebliche Wachstum über Flächengröße und konzentrierte Tierbestände zunehmend kritisch sieht, sollten die Unternehmer stärker über eine Diversifizierung nachdenken.“ Das empfahl Prof. Dr. Oliver Mußhoff von der Universität Göttingen bei der DLG-Wintertagung in Hannover.

Bisher habe die Agrarbranche die vielen ordnungsrechtlichen und marktpolitischen Eingriffe der vergangenen 20 Jahre gut überstanden, stellte...

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von Guido Müller

Strukturwandel auch bei Sonderkulturen

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat schon vor Jahrzehnten begonnen. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass die heutigen Betriebsleiter durch ihre Ausbildung betriebswirtschaftlich wesentlich bessere Kenntnisse haben und die Betriebe entsprechend gewinnorientiert geführt werden müssen. Kostengünstige Hilfskräfte damals aus Polen haben einen Run ausgelöst, um den Familienbetrieb auszuweiten. Dies wurde dadurch begünstigt, dass kleinere Betriebe bei Generationswechsel aufgegeben, also die Flächen verpachtet und später, z.B. Erbfall , zum Verkauf standen. Durch den Mindestlohn wird der Einsatz solcher"Billiglohnkräfte" teilweise gehemmt. Durch die heutige entsprechende maschinelle Ausrüstung der Betriebe wird die Erzeugung der Produkte mit weniger Personal bewerkstelligt, z.T. auch durch Extensivierung. Das Festhalten an alten Vorstellungen wurde schon lange aufgegeben. Der heutige Betriebsleiter (Mann oder Frau) arbeitet digital, allein in Verbindung der Rechner auf Schlepper, Maschine und Büro. Der Partner, hat einen eigenen Beruf und braucht nicht nur, nicht mehr von Gewinn des Betriebes versorgt zu werden, sondern trägt zur Sicherung des Familieneinkommens bei. Dies betrifft in nicht unerheblichem Maß auch die soziale Absicherung - Beiträge zu den landwirtschaftlichen Sozialkassen entfallen für den Partner. Die nachfolgenden jungen Betriebsleiter streben einen 8-Stunden Tag mit teilweise freiem Wochenende an. Die jetzige Situation wird durch die günstigen Zinsen zur Anschaffung von größeren, effizienteren Maschinen begünstigt. Der Wandel hat eine andere Dimension angenommen.

von Erwin Schmidbauer

Die Grenzen der Selbstausbeutung

Die weitere Entwicklung der Landwirtschaft zu immer größeren Betrieben mit Mitarbeitern wird wohl zur Nagelprobe werden. Bisher waren Betriebsleiter und auch mitarbeitende Familienangehörige viel länger tätig, als bezahlte Mitarbeiter. Wenn die Betriebe so groß werden, dass die Selbstausbeutung der Betriebsinhaberfamilie nicht mehr ausreicht, den Betrieb aufrecht zu erhalten, wird die Grenze der Anpassungsfähigkeit in Deutschland wohl erreicht sein.

von Klaus Fiederling

Zeitblende - Blick zurück: Wie viele Vollerwerbsbetriebe gab es noch vor 20 Jahren?

Fragen zum von Herrn Prof. Dr. Mußhoff festgestellten Wachstum der Flächenanteile: 1. Erfolgte das von ihm thematisierte Wachstum ins Eigentum der jeweiligen Betriebe? 2. Wenn nein, welcher Flächenanteil wächst demnach ggf. stetig? - Hierzu erachte ich im Vorfeld allerdings bereits detaillierte Analysen in einer Gegenüberstellung von fremdbewirtschafteten Flächen im prozentualen Verhältnis zum jeweiligen Eigentum als unverzichtbar. // Wenn tendenziell der Gewinn pro Hektar kontinuierlich gestiegen ist - spricht er hier ggf. vom „Gewinn“ in Form einer Nutzungsüberlassung an Dritte? In der Gesellschaft ist die weit verbreitete Meinung zementiert, dass die Bauerngewinne ohnedies in einem beachtlich quotalen Anteil aus sozialen Transfers gespeist werden. Korreliert eine solche Aussage sodann per se überhaupt mit den Ertragszuwächsen im Verlaufe der letzten Dekaden, die ja nur noch marginalst sind, beim Raps sind selbige seit Beginn dieses Jahrzehnts eher degressiv. Die Erlössituation für unsere landwirtschaftlichen Produkte kann jedenfalls kaum maßgeblich sein im Hinblick auf eine komfortablere Gewinnsituation, so es diese gibt. Wenn ein dahingehender Preisanstieg hierfür erfolgte, so der katastrophalen Gegebenheit im jeweiligen Vegetationsverlauf geschuldet, dass Missernten vor den Bauerntoren standen/stehen. In einer solchen Situation bleiben jedoch auch die Scheunen auf unseren Höfen weitgehend leer, unsere Mähdrescherkörnertanks laufen kaum über. // Womit begründet Herr Prof. Dr. Mußhoff eine derzeit massive Aufgabe vieler Bauernhöfe, dieses nahezu lautlose Sterben der Bauern? Die meisten derselben sterben an der Schwelle des Generationswechsels. - WARUM wohl? Werden diese Hoftore, die dortigen Stalltüren, vielleicht gar wegen überbordendem Reichtum für immer verschlossen? // Solange die Situation auf unseren Höfen von Seiten der Wissenschaft in einer solchen Art und Weise doch immer noch verherrlichend medial dargestellt wird, findet das bayerische Volksbegehren noch viele Nachahmer; Baden-Württemberg steht gegenwärtig schon am Start.

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