Umrechnung: Werden die Bauern betrogen? Premium

Die Tankwagen erfassen die Milch in Liter, die Molkereien bezahlen nach Kilogramm. Die Umrechnung erfolgt mit dem Faktor 1,020. Das halten viele Milcherzeuger für falsch. Beim Blick auf die Milchgeld-Abrechnung läuft Georg Kraus rot an: „Wir bekommen alle zwei Tage etwa 300 kg Milch zu wenig bezahlt. Denn die Molkerei kommt auf deutlich weniger Gewicht als wir.“ Der Milcherzeuger aus Gessertshausen (Bayern) hat monatelang den Tankwagen vor und nach dem Abpumpen seiner Milch über eine geeichte Waage fahren lassen. So hat er die Milchmenge seiner 230 Kühe alle zwei Tage in Kilogramm erfasst. Noch krasser ist es bei der Plesse Milch GmbH Co. KG aus Bovenden in Niedersachsen. Sie hält derzeit 635 Kühe. Und auch sie hat über Monate das Gewicht der Milch im Tankwagen über eine geeichte Waage erfasst und mit der Milchgeld-Abrechnung verglichen: „Uns fehlen jeden Tag etwa 500 kg Milch, die wir nicht bezahlt bekommen“, schimpft Geschäftsführer Herbert Hardege. Umrechnung stimmt nicht.Zwei Beispiele, ein Vorwurf: Die Tankwagen erfassen die Milch auf dem Hof in Liter, die Molkereien bezahlen die Landwirte in Kilogramm. Die Umrechnung von Liter in Kilogramm erfolgt mit dem Faktor 1,020. Und dieser ist zu niedrig! Deshalb bekommen die Landwirte eine zu geringe Milchmenge bezahlt. An dem Vorwurf ist etwas dran. Die Dichte von Milch hängt von den Inhaltsstoffen und insbesondere von der Temperatur ab. Je geringer die Temperatur und je höher die Gehalte an Fett, Protein, Laktose und Asche sind, desto höher ist die Milchdichte. „Bei der üblichen Milchtemperatur von 6 bis 8°C im Tank des Landwirts, liegt der tatsächliche Umrechnungsfaktor von Liter in Kilogramm aus physikalischer Sicht je nach Milchinhaltsstoffen zwischen 1,032 und 1,047“, sagt Prof. Dr. Holger Thiele vom ife-Institut ...

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