Interview

„Das größte Risiko ist immer noch der Mensch“ Plus

Tierarzt Dr. Tomasz Trela hat viele ASP-Ausbrüche in Osteuropa und Asien analysiert. top agrar sprach mit ihm über erste Symptome und effektiven Seuchenschutz.

Sie haben viele ASP-Ausbrüche in Osteuropa ausgewertet. Was können Schweinehalter in Deutschland von den betroffenen Betrieben lernen?

Trela: Wenn es um den Schutz der Hausschweinebestände geht, ist Biosicherheit das wichtigste Instrument. In Polen, Rumänien, Russland und China haben wir gesehen, dass es möglich ist, Schweine gesund in einem ASP-infizierten Gebiet zu halten. Das funktioniert aber nur, wenn Landwirte, Tierärzte, Futtermittel- und Transportfirmen, Schlachthöfe, Labore sowie Jäger und Zolldienste zusammenarbeiten.

Auf welchen Wegen ist das ASP-Virus in die Betriebe gelangt?

Trela: Das lässt sich im Nachhinein oft nur schwer klären. Oft wird eine ASP-Übertragung von infizierten Wildschweinen durch Menschen oder Transportmittel vermutet. Einige Studien zeigen, dass das Virus auch über Futter, Insekten und Wasser übertragen werden kann. Die Bedeutung stufe ich jedoch im Vergleich zum Risiko, das von Personen und Transportmitteln ausgeht, als weniger relevant ein.

Welche Risiken einer Viruseinschleppung in den Bestand sind für die Betriebe in Deutschland am größten?

Trela: Das größte Risiko ist und bleibt immer noch der Mensch. Tierärzte, Lieferanten, Berater, Besucher oder Jäger können das Virus direkt oder indirekt über Kleidung, Schuhe oder persönliche Gegenstände in den Betrieb eintragen. Auch von infizierten Fleisch- und Wurstwaren geht ein extrem hohes Risiko aus. Die infektiösen Produkte können durch Fernfahrer, Jäger oder Mitarbeiter aus Osteuropa über lange und grenzüberschreitende Distanzen nach Deutschland gelangen. Schweinehalter sollten ihre osteuropäischen Mitarbeiter daher dringend darauf hinweisen, keine Wurst- und Fleischwaren aus der Heimat nach Deutschland einzuführen.

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