Finnisches Anti-Stress-Programm Plus

Finnlands Schweinehalter dürfen seit 14 Jahren keine Ferkelschwänze mehr kupieren. Auch der klassische Vollspaltenboden ist verboten. Wie Timo Heikkilä damit in der Aufzucht zurechtkommt, hat er top agrar bei einem Stallrundgang verraten.

Die Tierwohldiskussion kommt in Deutschland nicht zur Ruhe. Die Gesellschaft wünscht sich tierfreundlichere Stallsysteme ohne Vollspaltenboden. Außerdem erhitzt das Thema „Schwänze kupieren“ die Gemüter. Tierschützer fordern den sofortigen Kupierstopp, Sauenhalter pochen vor dem endgültigen Ausstieg vehement auf praxistaugliche Alternativen.

Haltung optimieren:

In Finnland hat man diese Diskussionen schon lange hinter sich. „Der klassische Vollspaltenboden ist bei uns verboten. Zudem dürfen wir bereits seit 14 Jahren keine Ferkelschwänze mehr routinemäßig kupieren“, beschreibt Timo Heikkilä aus Rusko, einem kleinen Ort 200 km westlich von Helsinki, die Situation in seinem Heimatland. Doch wie kommen die finnischen Landwirte mit diesen Auflagen zurecht? Und worauf muss man achten, wenn man laut Gesetz Ferkel mit Langschwanz halten muss? Timo Heikkilä, der 3 600 Sauen dänischer Genetik hält und damit Finnlands größter Ferkelerzeuger ist, hat in diesem Punkt eine klare Meinung. „Man bekommt das Problem Schwanzbeißen niemals zu 100 % in den Griff. Selbst die geringe Schweinedichte und der hohe Gesundheitsstatus – Finnlands Bestände sind u. a. frei von PRRSV und Mykoplasmen – schützt die Betriebe nicht sicher vor der Problematik“, betont der Landwirt. „Man kann nur die Haltungsbedingungen optimieren so gut es geht und im Fall des Falles schnell reagieren. Ich persönlich halte es für wichtig, dass die Schweine wenig Stress haben.“

Damit seine Aufzuchtferkel entspannt sind, verfolgt Timo Heikkilä gleich mehrere Strategien. Oberste Priorität hat für ihn die wurfweise Aufstallung im Flatdeck. „So verhindere ich Rangkämpfe und offene Wunden, durch die Krankheitserreger eindringen können. Zudem werden weniger Krankheitskeime übertragen“, erklärt er.

Bis zu 0,50 m2 pro Ferkel:

Gute Erfahrungen hat er damit gemacht, wenn er den Schweinen mehr Platz zur Verfügung stellt. In Finnland sind in der Aufzucht bis 30 kg Lebendgewicht 0,40 m2 pro Ferkel per Gesetz vorgeschrieben, das sind 15 % mehr als in anderen europäischen Ländern. „Meinen Ferkeln stehen bis 30 kg Lebendgewicht je nach Wurfgröße bis zu 0,50 m2 pro Tier zur Verfügung. Das bringt viel mehr Ruhe in die Bucht, weil sich die Tiere aus dem Weg gehen können“, betont der Landwirt. Heikkiläs...

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