Der schwere Weg zur Eigenständigkeit

Hofnachfolger müssen die eigene Persönlichkeit entwickeln, wollen es gleichzeitig aber den Eltern recht machen. Wie lässt sich dieser Konflikt lösen?

Selbstbewusst den eigenen Weg gehen, eigene Entscheidungen treffen. Aber gleichzeitig die Mutter und vor allem den Vater nicht enttäuschen. Die uneingeschränkte Gunst und Anerkennung des Vaters genießen, gleichzeitig aber die eigene Persönlichkeit entwickeln und berufliche Vorstellungen umsetzen. Erwachsen werden ist nicht leicht. Für junge Menschen auf den Höfen schon zweimal nicht.

Die Arbeit sitzt mit am Familientisch, Konflikte zwischen den Generationen werden mit zum „Arbeitsplatz“ getragen und wenn erwachsene Kinder dann eine eigene Familie gründen, wird das Gefüge häufig noch komplizierter.

Wo „Wohnen“ und „Arbeit“ Hand in Hand gehen, ist es für erwachsene Kinder schwierig, den Mittelweg zwischen Familienzugehörigkeit und Eigenständigkeit zu finden. „Bei mehreren Generationen, kommt es nicht selten zum Konflikt von Eigen- und Familieninteresse“, weiß Christine Beuer, Paar- und Familientherapeutin bei der Bäuerlichen Familienberatung in Augsburg. „Wenn wir bei Generationenkonflikten beratend tätig werden, dann spielen Eigenständigkeit und Zugehörigkeit in den meisten Fällen eine Rolle.“

Auch ein Schwiegersohn hat es schwer

Da Söhne häufiger auf dem Hof bleiben und dort eine eigene Familie gründen, kommt es hier öfter zum Konflikt. Aber auch der weibliche Hofnachwuchs kann durchaus Probleme bei der „Selbstfindung“ haben, sagt Fritz Kroder von der Landwirtschaftlichen Familienberatung in Bamberg. „Hier sieht der Konflikt etwas anders aus. Hofnachfolgerinnen buhlen nicht selten extrem um die Anerkennung ihrer Väter, was ihre Eigenständigkeit enorm beeinflussen kann“, erklärt der Familienberater. „Und Männer, die einheiraten, haben es in der Rolle als Schwiegersohn auch nicht einfacher, als eine Schwiegertochter, die auf den Hof kommt.“

Familienbande und -zwänge

Alle haben Familie. Und alle haben hin und wieder Probleme mit ihr. Die Bindung an die Eltern ist die einzige, die wir uns nicht aussuchen können. Diese Verwandtschaftsbeziehung ist existenziell und zugleich kompliziert, denn Kinder – wenn auch schon erwachsen – sind im Guten wie im Schlechten an ihre Eltern gebunden. Die Bindung zu den Eltern begleitet uns ein Leben lang. Und das kann auch schwierig sein.

Die Schweizer Philosophin und Autorin Barbara Bleisch beschreibt in ihrem Buch „Warum wir unseren Eltern nichts schulden“ das Verwandschaftsverhältnis von erwachsenen Kindern zu ihren Eltern. Sie geht der Frage nach, ob Kinder ihren Eltern etwas schulden – nur aufgrund der Tatsache, dass sie ihre Kinder sind. Und sie kommt zu dem Schluss, dass sie es...