Es geht auch mit weniger Antibiotika

Trockenstellen ohne Antibiotika? Für viele Milchviehalter unvorstellbar. Dass es aber immerhin mit deutlich weniger geht, zeigt das RAST-Projekt der LfL Bayern in Zusammenarbeit mit bayerischen Landwirten.

Trockenstellen ohne Antibiotika? Für viele Milchviehalter unvorstellbar. Dass es aber immerhin mit deutlich weniger geht, zeigt das RAST-Projekt der LfL Bayern in Zusammenarbeit mit bayerischen Landwirten.
 
RAST— Das bedeutet Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes beim Milchvieh durch selektives Trockenstellen und ist ein Pilotprojekt der LfL Bayern in enger Zusammenarbeit mit bayerischen Milchviehbetrieben, Tierärzten und dem Tiergesundheitsdienst (TGD). Nach drei Jahren Projektlaufzeit konnte nun ein erstes positives Fazit gezogen werden: 50 % weniger Antibiotika einzusetzen ohne dabei die Eutergesundheit zu beeinträchtigen ist möglich.


So lief das Projekt

Insgesamt nahmen 18 Milchviehhalter mit Bestandgrößen von 40-160 Kühen teil. Darunter auch die staatlichen Lehranstalten Achselschwang, Almesbach und Kringell sowie die landwirtschaftliche Lehranstalt Triesdorf. Bevor die Betriebe teilnehmen konnten, mussten sie einen bestimmten Grad an Eutergesundheit vorweisen. Dieser Gesundheitsstatus der Herde wurde anhand von 2-3 bakteriologischen Untersuchungen sowie den bisherigen Probemelkergebnissen ermittelt.

Die Zulassungsbedingungen für RAST waren:

  • < 200.000 Zellen (bezogen auf den Herdenschnitt der drei letzten Probemelkergebnisse)
  • < 15 % der Tiere mit Staphylococcus aureus befallen
  • < 15 % der Tiere mit Streptococcus uberis befallen
Diese Hürden stellten allerdings in nur sehr wenigen Fällen ein Problem dar, wie der Leiter des Projektes, Dr. Jan Harms von der LfL, berichtete. Voraussetzung war zudem, dass die Betriebe bereits in der Vergangenheit antibiotisch trockengestellt hatten.

Die teilnehmenden Landwirte erhielten einen sogenannten Entscheidungsbaum an die Hand, wonach sie differenzieren mussten, ob eine Kuh mit oder ohne antibiotischem Wirkstoff am Tag des Trockenstellens behandelt wird. Auch die Wahl eines nicht-antibiotischen Zitzenversieglers war darüberhinaus möglich. Grundlage für die jeweilige Entscheidung waren die Ergebnisse von Milchproben, die die teilnehmenden Landwirte regelmäßig an den TGD senden mussten.

Die Kosten hierfür übernahm zunächst die LfL aus dem Projektetat. So wurden 14 Tage vor dem Trockenstellen, am Tag des Trockenstellens, am Tag des Abkalbens sowie 10-14 Tage und 52 Tage nach der Kalbung jeweils tierindividuelle Milchproben gezogen und eingeschickt. Dadurch konnten die Landwirte mehr Daten und Informationen über ihre Herde erhalten: Nicht nur die Zellzahlen der Einzeltiere, sondern auch die Leitkeime in der Milch gaben Aufschluss über den Gesundheitsstatus des einzelnen Tieres. Behandelt wurde die individuelle Kuh dann immer gleich auf allen Vierteln mit derselben Strategie: War Sie nach Auswertungen der Daten durch gewisse Keime oder eine hohe Zellzahl auffällig, führten die Landwirte eine Behandlung mit Antibiotika durch. War eine Kuh unauffällig nach den Beprobungen, und auch nach einem Schalmtest vor dem Trockenstellen, verwendeten die Praktiker keinen antibiotischen Wirkstoff.
 

Ergebnis: 50 % weniger Antibiotika

Nach eigenen Angaben der Landwirte benötigten die Betriebe dadurch im Schnitt in etwa 50 % weniger Antibiotika als vorher. Statistische Auswertungen des Projektes kamen zum in etwa gleichen Ergebnis, wie der betreuende Tierarzt Prof. Dr. Rolf Marsfeld von der LMU München darstellte. Durchschnittlich wurden von den 1.267 Tieren auf den 18 Betrieben 42 % der Kühe ohne antibiotischen Trockensteller behandelt. Dies sei gerade im Zuge der öffentlichen Diskussion um den Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft sehr erfreulich.


Zellzahlen konstant


Allerdings müsse man auch betonen, dass die Zellzahlen als Indikator für die Eutergesundheit nicht rückläufig waren durch das selektive Verfahren, wie auch die Landwirte bestätigten. Es konnten zudem keine Unterschiede bezüglich der Neuinfektions- und Heilungsraten zwischen den Tiergruppen, die mit oder ohne Antibiotika trockengestellt wurden, festgestellt werden.

Wie geht es weiter?

Wie ausschließlich alle Landwirte betonten, führten die häufigen Probenahmen zu einem höheren Arbeitsaufwand im Melkstand und bei der anschließenden Dokumentation. Seit Anfang 2018 sind die Betriebe nicht mehr an die feste fünfmalige Probenahme-Vorgabe gebunden, müssen aber seitdem auch die Kosten für die Untersuchung der Milchproben selbst übernehmen. Immerhin 14 € pro Probe.


Gut für's Image, schlecht für den Geldbeutel


Seitdem wird das Projekt unter dem Namen RAST-Transfer weitergeführt. Wie Auswertungen zeigen, halten sich bereits ein Großteil der teilnehmenden Betriebe nicht mehr an die Beprobungsintervalle. Knapp 60 % kommen zu dem Schluss, dass das selektive Trockenstellen in dieser Form für ihren Betrieb nicht wirtschaftlich sei, wenngleich es aus Imagegründen sicherlich positiv sei. Mit den Erwartungen an das Projekt und den Ergebnissen sind allerdings immerhin 67 % der Landwirte zufrieden. Nicht zuletzt deshalb konnten für das Anschlussprojekt RAST-Transfer bereits neue Landwirte gewonnen werden.
 


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