Tierschutzskandal im Allgäu: AbL distanziert sich

Nach dem "Report Mainz"-Bericht über Tierschutzverstöße auf einem Milchviehbetrieb mutmaßt die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, wie es dazu kommen konnte.

Für die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) zeigt sich am Fall des Betriebes im Unterallgäu eindeutig, dass Tierhaltung in diesen Größenordnungen ohne einen angemessenen und damit hohen Arbeitskräftebesatz qualifizierter Mitarbeiter nicht tiergemäß betrieben werden kann. Das teilte der Verband heute der Presse mit. Solche Strukturen seien nicht mehr überschaubar und nicht mehr kontrollierbar. "Einmal mehr wird deutlich, dass unser langjähriges Motto 'Bauernhöfe statt Agrarfabriken' zeitgemäßer ist denn je", so die AbL.

„Das System aus konstant zu niedrigen Preisen, Kostendruck, Überproduktion sowie daraus folgend Wachsen oder Weichen bedarf dringend der Veränderung, damit nicht Tierwohl, Verbraucherschutz und Qualität der Lebensmittel auf der Strecke bleiben“, sagt der Geschäftsführer der AbL Allgäu Michael Finger. „Außerdem muß sich der Konsument endlich vom „System billig“ im Lebensmittelbereich verabschieden, denn das hat mit Fairness gegenüber den Bauern nichts mehr zu tun.“

Der im Moment im Fokus stehende Betrieb ist laut Georg Martin, Biomilchbauer in Ronried und im Landesvorstand der AbL Bayern, in seiner Betriebsführung nicht exemplarisch für die Mehrzahl der bayerischen Betriebe. „Das Ansehen des Berufsstandes Bauer sollte unter solchen Agrarbetrieben wie dem im Unterallgäu nicht leiden“, so Martin weiter.

In diesem Fall sei sehr viel schief gelaufen. Wichtig sei, dass lückenlos aufgeklärt wird, ob die amtlichen Kontrollsysteme ausreichend greifen. Jeder Fehler, der zutage kommt, müsse dazu beitragen, besser zu werden. Die Politik dürfe jetzt nicht wegschauen und den Vorfall als bedauerlichen Einzelfall verharmlosen. Die AbL sieht den Schlüssel für eine Systemveränderung und die Stärkung vernünftiger Strukturen in der Agrarpolitik, die jetzt umsteuern müsse.

„Die Bauern müssen für gute Arbeit gute Preise bekommen – und solange das nicht gelingt, muss es bei der Verteilung der EU-Direktzahlungen einen höheren Aufschlag auf die ersten Hektare sowie eine Honorierung gesellschaftlicher Leistungen geben“, betont Elisabeth Waizenegger, Milchbäuerin aus Legau und Mitglied im Bundesvorstand der AbL.


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Artikel geschrieben von

Claus Mayer

Redakteur SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Christian Bothe

Kontraste

Scheinbar ist der Betrieb Mitglied der Abl? Habe den Bericht nicht gesehen. Aber ich denke, das kann bei jeder Betriebsform passieren, darf es aber nicht!!! Da nützt dann auch nicht die Mitgliedschaft in einem Verband und das wiederholte Meckern desselbigen über industrielle Milchproduktion und deren staatlicher Regulierung durch die Verbandsoberen der Abl...

von Bernd Müller

Richtig Herr Riedl

Ist aber bei Familienbetrieben auch nicht anders...

von Alois Riedl

Kommt doch vor allem dadurch zum Ausdruck oder nicht?

"...Tierhaltung in diesen Größenordnungen ohne einen angemessenen und damit hohen Arbeitskräftebesatz qualifizierter Mitarbeiter nicht tiergemäß betrieben werden kann..."

von Bernd Müller

Falsch

Das Tierwohl und somit auch die Betreuung der Tiere so gar nichts mit Betriebsgröße zu tun hat ist ja nun schon mehrfach bewiesen worden. Die Abl stellt mit solchen Äußerungen alle größeren Tierhaltungsbetriebe ins falsche Licht.

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