Der Dreck muss weg!

Nasse Ernte – schmutzige Straßen. Mit dem Schmutz steigt die Schleudergefahr und der Ärger der Autofahrer. Was verlangen die Behörden und wie schaffen Praktiker den Dreck weg?

Im Herbst startet wieder die Schmutzkampagne! Klar, die Rüben und der Mais müssen vom Feld. Und bei schlechter Witterung hinterlässt das immer Spuren auf der Straße. Viele Autofahrer ärgern sich über den rutschigen, gefährlichen Schmutz. Ihre Toleranz ist begrenzt und oft rückt direkt die per Handy alarmierte Polizei an. Der Biogas-Boom verschärft die Situation.

Viele Landwirte und Anlagenbetreiber wollen die Belastungen deshalb so gering wie möglich halten. Keine Frage, der Dreck muss weg, und zwar so schnell wie möglich. Wie das am besten geht und was man dabei unbedingt beachten muss haben wir in ganz Deutschland Praktiker, Kommunen, Sachverständige und Kehrmaschinen-Hersteller gefragt.

Vermeiden ist besser als fegen!

Landwirt Frank Schmutz, Biogasanlagen-Betreiber aus Mamming im niederbayerischen Kreis Dingolfing-Landau, versucht schon bei der Planung das Problem in Grenzen zu halten. Viele seiner Maßnahmen bestätigt auch Hans-Heinrich Oelkers aus Algermissen bei Hannover:

  • Anbauplanung: Auf den sensiblen Schlägen – schwerer Boden, starke Verkehrsbelastung, Ortsdurchfahrten – bauen die Landwirte möglichst frühe Maissorten an. Diese sind flexibler in punkto Erntetermin.
  • Prioritäten setzen: Die sensiblen Flächen mit Klei- oder Tonböden haben immer Vorrang. Sobald es trocknet und die Gelegenheit günstig ist, startet die Ernte hier. Da wird die Erntekette auch schon mal umdisponiert, auch wenn der angefangene Schlag noch nicht fertig ist. Oder man nimmt sich die schwierigen Flächen grundsätzlich erst am Mittag vor.
  • Umwege fahren: Manche Praktiker umgehen bewusst stark befahrene Straßen oder Ortsdurchfahrten – auch wenn es etwas weiter ist. Oder man fährt wenn möglich vom Acker zuerst auf einen Feldweg und erst dann weiter auf die Bundesstraße. Damit sich der Schmutz nicht irgendwann doch auf die Straße trägt, muss auch der Feldweg während der Ernte gereinigt werden.
  • Benachbarte Flächen nutzen: Manchmal kann man sensible Bereiche umgehen, indem der Transport über einen benachbarten Schlag läuft. Das setzt allerdings ein gutes Verhältnis zum Nachbarn und geregelte Absprachen voraus.
  • Blühstreifen nutzen: Einige Praktiker fahren über eigens angelegte Blühstreifen bevor sie auf die Straße abbiegen. So kann man etwas Schmutz schon auf dem Feld loswerden. Das geht natürlich nur, wenn es das Blühstreifenprogramm zulässt.
  • Mit System arbeiten: Auch Gülletransporte bringen Schmutz auf die Straße. Hier kommt es auf die richtige Ausbring-Taktik an, damit das Fass nicht über bereits begüllten Boden fährt.
  • Wenn sich der Schmutz nicht mehr vermeiden lässt zählt die Psychologie: Keine Ernte auf sensiblen Stücken während des Berufsverkehrs (der günstigste Zeitpunkt für diese Flächen ist meist ein zeitiger Samstagmorgen). Langsam fahren, um Wehverluste im Ort in Grenzen zu halten. Hans-Heinrich Oelkers und Berufskollegen lassen die Ortsdurchfahrt nach Abschluss der Ernte seit einigen Jahren von einer Lkw-Kehrmaschine reinigen, die Kosten teilen sie sich. Die Aktion wird per Plakat im Dorfladen angekündigt, damit nicht zu viele Autos im Weg stehen. Oelkers hält die Kommunikation mit den Anwohnern für sehr wichtig, um Ärger in Grenzen zu halten.
  • Behutsam aufs Gas: Wenn das Gespann mit verschmutzten Reifen auf die Straße einbiegt, behutsam beschleunigen, damit der Schmutz nicht so weit fliegt. Es gibt immer wieder Ärger, weil Schmutzklumpen Autos beschädigen – auch auf der Gegenfahrbahn.
  • Nachsorge: Manchmal ist es fast nicht möglich, festgefahrenen, trockenen Schmutz komplett vom Asphalt zu entfernen. Deshalb am besten nach dem nächsten Regenschauer noch einmal mit der Kehrmaschine die Reste beseitigen. Bis dahin bleiben die Warnschilder natürlich stehen.
  • Sofort: Direkt mit der Reinigung beginnen. Dabei professionell auftreten mit Rundumleuchte, Absicherung usw. Der Autofahrer und die Anlieger sehen: „Die tun was!“, und rufen nicht direkt bei der Polizei an.

Deutlich warnen!

Nichts ist für einen Autofahrer schlimmer, als plötzlich und unerwartet auf eine Schlamm-Rutschbahn zu geraten. Deshalb deutlich vor dem Schmutz warnen! Es reicht eben nicht, direkt vor der Schlammpiste einen roten Stofflappen an den Begrenzungspfahl zu knoten.

Das Problem sind teils unklare Verantwortlichkeiten: „Du darfst selbst keine Schilder an der Straße aufstellen. Aber wenn die Straße verschmutzt ist, müssen Schilder davor warnen.“ Streng genommen muss man teils sogar einen Lehrgang nachweisen und vorher einen Verkehrsleitplan erstellen – was sich in der Praxis kaum umsetzen lässt.

Landwirt Martin Mundhenke aus Deinsen bei Hildesheim übernimmt mit seinem MB-Trac und einer Frontkehrmaschine im Rahmen der Nachbarschaftshilfe häufiger die Straßenreinigung. Er sieht das Thema pragmatisch: „Wenn man sich um einen guten Kontakt zur Polizei...

top agrar plus

Mit top+ weiterlesen

top agrar Digital

Monatsabo

0,00 EUR
im 1. Monat

danach 9,80 EUR / Monat

  • Jederzeit kündbar
  • Tagesaktuelle Nachrichten, Preis- und Marktdaten
  • Exklusive Beiträge, Videos und Hintergrundinfos
  • Preisvorteile auf Webinare und Produkte
Jetzt testen
top agrar Digital

Jahresabo

99,00 EUR
im 1. Jahr

danach 117,60 EUR / Jahr

Spar-Angebot

  • 15% im ersten Jahr sparen
  • Tagesaktuelle Nachrichten, Preis- und Marktdaten
  • Exklusive Beiträge, Videos und Hintergrundinfos
  • Preisvorteile auf Webinare und Produkte
Jetzt zuschlagen
top agrar Digital + Print

Jahresabo

124,20 EUR / Jahr

  • 12 Hefte pro Jahr
  • Tagesaktuelle Nachrichten, Preis- und Marktdaten
  • Exklusive Beiträge, Videos und Hintergrundinfos
  • Preisvorteile auf Webinare und Produkte
Jetzt abonnieren
Bereits Abonnent?

Die Redaktion empfiehlt

Das Wichtigste aus Agrarwirtschaft und -politik montags und donnerstags per Mail!

Mit Eintragung zum Newsletter stimme ich der Nutzung meiner E-Mail-Adresse im Rahmen des gewählten Newsletters und zugehörigen Angeboten gemäß den Datenschutzbestimmungen zu.