Gerste: Die Starsdes Südens Plus

Auch bei Hitze und Trockenheit bringen Zweizeiler oft noch gute Kornqualitäten. Daher dominieren sie den Anbau im Süden. Achten Sie bei der Sortenwahl verstärkt auf Ertragsstabilität.

Im Süden dominiert zweizeilige Wintergerste deutlich gegenüber den Mehrzeilern und Hybriden. Der Anteil zweizeiliger Sorten lag z.B. in Bayern gemessen an der diesjährigen Vermehrungsfläche bei ca. 80%.

Ramularia ist Achillesferse

Die bedeutendste Krankheit der Gerste im Süden ist und bleibt die Ramularia-Sprenkelkrankheit. Innerhalb kürzester Zeit musste man hilflos zusehen, wie Azole und Carboxamide ihre Wirkung gegenüber dem Erreger verloren.

Als einziger Heilsbringer erwies sich der Kontaktwirkstoff Chlorthalonil, der kombiniert mit leistungsfähigen Azolen, die Infektionen auf dem Blattapparat unter Kontrolle brachte. Am 31.10.2019 wird die Zulassung dieses wichtigen Wirkstoffs widerrufen und kann entsprechend der Bestimmungen in der Landwirtschaft noch bis zum 20.05.2020 aufgebraucht werden.

Stellt sich nun die Frage, inwieweit sich der Pilz noch unter Kontrolle bringen lässt. Bei Sortenresistenzen müssen wir momentan die weiße Flagge hissen – weltweit ist keine Resistenz in Gerste gegenüber Ramularia offiziell bestätigt.

Allerdings zeigt sich in den LSV, dass die Sorten einer Infektion mehr oder weniger lange standhalten (siehe Übersicht 1). Dass mehrzeilige Sorten die typischen Blattflecken später zeigen, ist klar zu beobachten. Jedoch lässt sich in jedem Jahr feststellen, dass die bonitierten Unterschiede keine statistisch absicherbaren Ertragsausschläge bewirken.

Verwechseln Sie Ramularia nicht mit physiologischen Blattflecken! Zu Beginn noch unscheinbar, entwickeln sie sich zum Fahnenblattstadium sehr auffällig. Nach punktförmigen Aufhellungen entstehen rötliche bis bräunliche Nekrosen. Vorwiegend erscheinen diese auf Blattstellen, die intensiver der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Ein Befall kann innerhalb von nur wenigen Tagen auch untere Blätter erreichen.

Im Gegensatz zu Ramularia handelt es sich hierbei um eine nichtparasitäre Erscheinung, die in allen Winter- und Sommergetreidearten auftreten kann. Ursachen sind eine hohe Sonneneinstrahlung kombiniert mit Hitze und Trockenheit. Gegenüber physiologischen Blattflecken ist keine sortenspezifische Toleranz bekannt.

Gesundheit ist das A und O

Neben dem Ramulariaproblem wächst der gesellschaftliche und politische Druck auf den Pflanzenschutz. Die Folge ist u.a., dass es kaum noch Zulassungen neuer Wirkstoffe gibt. Dazu kommt, dass die Zulassung vieler Wirkstoffe nicht mehr verlängert bzw. vorzeitig widerrufen wird.

Dies trifft auch die Fungizide in nächster Zeit teils schwer. So wird z.B. die Bekämpfung von Mehltau immer schwieriger, da bekannte Mehltau-Spezialfungizide der Wirkstoffgruppe der Morpholine (Fenpropidin, Fenpropimorph, FRAC G2) je nach Mittelzulassung bis spätestens 30.06.2021 aufgebraucht sein müssen.

Gute Mehltauresistenzen bzw. -toleranzen erlangen bei der Sortenwahl daher eine größere Bedeutung. In den letzten Jahren ließ sich der Pilz nur in sehr anfälligen Sorten wie z.B. Caribic, KWS Infinity, Lottie oder SU Jule teils unterschwellig feststellen – im Frühjahr 2019 war der Befall aber wieder stärker. Favorisieren Sie daher in bekannten Befallslagen den Anbau Mehltau-toleranter Sorten wie Sandra, SU Vireni oder LG Caspari. Wie die Blattgesundheit wichtiger Sorten eingestuft ist, entnehmen Sie der Übersicht 2 auf Seite 80.

Zweizeiler, Mehrzeiler oder doch Hybride?

Welcher Sortentyp sich für Ihren Standort eignet, hängt von vielen Faktoren ab:

  • Die zweizeiligen Sorten sind in Süddeutschland nach wie vor in der Kombination aus Ertrag, Ertragsstabilität und Kornqualität den anderen überlegen. Hauptgrund hierfür ist, dass sie auch bei Hitze und vorzeitiger Abreife immer noch vergleichbar gute Hektolitergewichte und Kornausbildungen liefern – eine wichtige Eigenschaft, die vor allem Marktfruchtbetriebe schätzen. Beim Marktwareertrag ist Sandra nach wie vor das Maß der Dinge.

Dazu kommt: Die mehrzeiligen Sorten wie auch die Hybriden erreichen in den Kriterien Standfestigkeit und Strohstabilität (Halm- und Ährenknicken) noch nicht das Niveau der Zweizeiler. Zu beachten ist dies vor allem auf Böden mit einer guten Nährstoffverfügbarkeit bzw. -nachlieferung.

  • Die mehrzeiligen Sorten und Hybriden sind den Zweizeilern im Ertrag mehrjährig in Süddeutschland zwar überlegen. In der Kornqualität und...

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