Landwirtschaft: CO2-Fixierer oder doch nicht?

Darum gehts: Im top agrar-Beitrag „Der CO2-Saldo ist entscheidend“ (9/2021) stellt Prof. Gerhard Breitschuh den sogenannten KUL-THG-Bilanzansatz vor, der die Treibhausgaseffekte nach dem Hoftorprinzip auf Betriebsebene bewertet. Demnach fixiert die deutsche Landwirtschaft mehr Treibhausgase als sie emittiert. Prof. Andreas Gattinger hält diesen Ansatz für wissenschaftlich falsch.

Pro

Kontra

Erwartungsgemäß fand der top agrar-Artikel „Der CO2-Saldo ist entscheidend“ eine kontroverse Bewertung. Grund genug, einen konstruktiven Disput zu führen. Unstrittig scheint zu sein:

  • Der in Nahrungsmitteln fixierte Kohlenstoff gelangt über die menschliche Ernährung und Atmung kurzfristig wieder in die Atmosphäre.
  • Die Erzeugung von Agrarprodukten wird immer mit unvermeidbaren Treibhausgasemissionen verbunden sein.
  • Die vermeidbaren THG-Emissionen sind durch eine Optimierung der Agrarproduktion zügig auszuschließen.
  • Eine möglichst geringe THG-Emission je ha Agrarfläche ist zwar mit einer extensiven Wirtschaftsweise zu erreichen, diese führt allerdings zu einer erheblich geringeren Biomassebereitstellung und gefährdet die Netto-Selbstversorgung in Deutschland.
  • Für die klimaentlastende Optimierung der Landbewirtschaftung ist es unerheblich, ob die Agrarprodukte der menschlichen Ernährung oder als Ersatz für fossile Rohstoffe dienen.
  • Die Freisetzung des in den fossilen Rohstoffen fixierten Kohlenstoffs lässt sich reduzieren, indem man stattdessen Agrarprodukte energetisch und industriell verwendet.
  • Die Parameter, mit denen man die THG-Emissionen in der Landwirtschaft bewertet, sind ständig zu aktualisieren.

Meines Erachtens ist es auch wichtig, den Aspekt der Ernährungssicherung einer wachsenden Weltbevölkerung bei global begrenzter Agrarfläche nicht zu missachten. Die damit verbundenen Transporte von Nahrungsmitteln sowie von Energie- und Industrierohstoffen über Ländergrenzen hinweg sind wegen der hohen THG-Emissionen unbedingt zu reduzieren.

Mit der im Jahr 2003 von der TLL Jena vorgestellten KUL-THG-Bilanz für die Landwirtschaft wurde neben der THG-Emission in kg CO2e je ha Agrarfläche und der spezifischen THG-Emission in kg CO2e pro...